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Notiz 045: Der April-Akzent#

von Martin Krusche

Das Projekt „Tesserakt“ hat nun zwei Sektionen. Die ältere ist der Gegenwartskunst gewidmet, die jüngere der Mobilitätsgeschichte und der Volkskultur in der technischen Welt. Das wurzelt in einer Ambition, die Querverbindungen zwischen Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst zu untersuchen. Das handelt von der gelegentlichen Praxis, Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft in Wechselwirkung zu bringen.

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Dazu kommt der Projektrahmen „Dorf 4.0“, in dem sich eine mehrjährige Zusammenarbeit mit drei Gemeinden der Region ausdrückt. Kontinuität ist dabei wichtig, weil sich nur so größere Themen bearbeiten lassen, die nicht in einem einzelnen Event erledigt wären.

Hinzu kommt, daß Kunst Ost seit jeher für die Möglichkeiten der kollektiven Wissens- und Kulturarbeit steht. Das ist zwar in der Region selbst seit etwa 2015 etwas aus der Mode gekommen, doch die Internetstützung (Netzkultur) hat örtliche Beschränkungen im Realraum schon längst aufgehoben.

Regionale Kulturarbeit wirft stets neu die Frage auf, wie jemand Gemeinnützigkeit und Eigennutz gewichten und balancieren möchte. Die Praxis der letzten zwei Jahrzehnte zeigt, daß die Komplexität unserer Lebensbedingungen spannende Aufgabenstellungen anbietet, bei denen Kooperation vielversprechender ist als Konkurrenz.

Alte Hierarchien#

Das gesamte 20. Jahrhundert belegt eine eigentümliche Konvergenz zwischen Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst. Meine Kindheit war davon geprägt, diese Genres zu separieren und zu einander hierarchisch anzuordnen.

Hochkultur galt als die superiore Kategorie, innerhalb derer Gegenwartskunst höchst mißtrauisch betrachtet wurde. Das kleinbürgerliche bis proletarische Milieu, aus dem ich stamme, bezog sich lieber auf kanonisierte Kunstphänomene, deren Wert außer Streit steht. Das sparte eigene Denkleistungen ein und erlaubte den Leuten, sich ganz auf den „Kunstgenuß“ und Fragen der Distinktion zu konzentrieren.

Ausschnitt aus einer historischen Werkzeichnung (Foto: Martin Krusche)
Ausschnitt aus einer historischen Werkzeichnung (Foto: Martin Krusche)

Volkskultur hatte „echte Volkskultur“ zu sein, also jene von Schmutz und Schweißgeruch bereinigten, auf Wahrhaftigkeit abgeklopften Formen, wie sie von einem Bildungsbürgertum bewacht wurden, welches sich vom Pöbel abgrenzen wollte, aber an das Besitzbürgertum nicht heranreichte. Popkultur rangierte in meinen Kindertagen unter „Schmutz und Schund“, galt überwiegend als „Kulturschande“.

Die zwei Sektionen#

Es war ganz wesentlich die Popkultur, von der solche Anordnungen aufgebrochen wurden. Heute schließt sich die Freude an Bach, Mozart, David Bowie und Van Morrison nicht mehr wechselseitig aus.

In den Fragen eigenständiger Regionalentwicklung liegt es nahe, die wechselweisen Wirkungen der verschiedenen Genres zu beachten, teilweise überhaupt erst aufzuspüren. In diesem Zusammenhang nun die beiden Sektoren, welche gemeinsame Schnittpunkte haben:

DAA#

Die Arbeit an diesen Themen will auch in eine Veranstaltungspraxis überführt werden. Das ist nun im Bereich „Der April-Akzent“ neu angeordnet. Der ergab sich teilweise aus genau den Gründen, die einst zum „April-Festival“ geführt haben. Zur Jahreswende ruht der Betrieb. Viele kulturelle Instanzen sind erst im Februar wieder auf Betriebstemperatur.

Im März kann sich dann vieles verdichten, speziell wenn es um eine kollektive Kulturpraxis geht. Der April ist schließlich die passende Zeit, um einen Schwerpunkt im ersten Halbjahr zu realisieren. Da sind wir nun und ich habe ein kurioses Team zusammengebracht. So entstand „Mythos Puch 2020: Zweirad“. (Unter anderem ein Beitrag zu den österreichweiten Oldtimertagen.)

Parallel dazu ist Kunst Ost in einer Kooperation mit dem GISAlab, leistet dabei Hintergrundarbeit für ein Projekt, das Kuratorin Mirjana Peitler-Selakov für das spezielle Grazer Kulturjahr 2020 entwickelt hat: „Geteilte (in)Kompetenzen“.

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Historische Linien#

Der heurige DAA-Punkt markiert eine Stelle auf einer alten Route, die Graz mit dem ungarischen Ofen verband, das später im Zusammenschluß mit Pest zur Hauptstadt Budapest wurde. Folglich hieß diese Route auch Ungarnstraße. Das ergibt eine eigene Themenstellung, die noch näher zur Sprache kommen wird.


Anhang#