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Notiz 025: Die Tiefe des Blicks#

von Martin Krusche

Jetzt ist er mir unscharf geworden. Gut, hier liegt der Fokus auf dem Bildschirmmotiv, auf das ich noch zu sprechen komme. Es war nicht auf den Mann gezielt, der selbst kein Problem hätte, in klar gesetzter Tiefenschärfe alles passend an seinem Platz zu haben. Fotograf Richard Mayr ist ein präziser Handwerker, hat auf seinen laufenden Erkundungsfahrten vieles berührt und gesehen, was auch mich beschäftigt.

Fotograf Richard und der Mechanismus von Antikythera. (Foto: Martin Krusche)
Fotograf Richard und der Mechanismus von Antikythera. (Foto: Martin Krusche)

Als er mich fragte, ob mir der Begriff Antikythera etwas sagt, verwies ich auf die Notiz Unsere Werkzeuge. Darin kommt der Mechanismus von Antikythera vor. Was ich nicht wußte: ein funktionstüchtiger Nachbau dieses Maschinchens gehört zu einer Sammlung im nahen Pöllau. Dort hatte Mayr die Apparatur eben erst fotografiert.

Es ist der staunenswerte Beleg, daß man im antiken Griechenland schon in der Lage war, feinmechanische Aufgaben präzise zu lösen und komplexe Rechenwerke zu bauen. Aus jener Zeit ist uns kein anderes, kein auch nur halbwegs vergleichbares Artefakt bekannt. Erst im 16. Jahrhundert waren europäische Kräfte wieder in der Lage, derartige Werkel anzufertigen.

Ich bin mit Richard Mayr schon etliche Jahre im Einvernehmen und wir haben immer wieder zu einem gemeinsamen Akzent gefunden. Das wird sich Anfang November in einer kleinen Publikation zu seiner Arbeit niederschlagen, die von einem Essay flankiert ist. Das Druckwerk wird neben Fotos von Mayr einen Ausschnitt dieses Essays enthalten. Der gesamte Text ist nun hier online: Interferenzen 2019 (Eine Reflexion)

Entwurfsarbeit am kommenden Booklet. (Foto: Martin Krusche)
Entwurfsarbeit am kommenden Booklet. (Foto: Martin Krusche)

Wie sie feststellen können, setzen wir gerade einen nächsten Schritt, um auszuloten, was ein paar wichtige Aspekte der Kultur Europas sind, um dabei auch dingfest zu machen, wo wir in diesem Geschehen als aktive Kräfte stehen. Dabei finden wir uns selbst in einem permanenten Wechselspiel zwischen Kunst und Handwerk. Es mag in der Reflexion wichtig sein, das unterscheiden zu können. In der Praxis geht es schlicht darum, seine Möglichkeiten zu verfeinern, um interessante Aufgaben zu bewältigen.

Der Blick auf die Antike hat gute Gründe. Dabei hat sich für mich herauskristallisiert, daß wir weder im Sinne der Renaissance noch im Sinn des Klassizismus vorzugehen brauchen. Wir zitieren nicht antike Qualitäten, wie bemühen uns nicht um eine Wiederbeleben antiker Werte. Die waren nämlich niemals abgestorben, waren nie verschwunden, sondern haben über rund zweieinhalbtausend Jahre Kontinuitäten entfaltet in denen wir aktuell stehen.

Identität ist ja nichts, was je nach Bedarf an- und ausgeschaltet werden könnte. Sie ist auch nichts, was man sich umhängt wie einen Mantel. Identität ist das Ergebnis komplexer Prozesse, in denen unter anderem wirkt, was über viele Generationen gewesen ist.

Bild 'flyer_mayr01'