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Notiz 024: Athene und Minerva#

(Rollen und Erzählungen)#

von Martin Krusche

In der aktuellen Kooperation zwischen GISAlab und Kunst Ost ist eine Schnittstelle eingerichtet, die Wechselwirkungen zwischen den Inhalten zweier Projekte ermöglicht. Das wurzelt in einem früheren Arbeitsabschnitt, während dem zur Debatte stand, was das Interdisziplinäre vom Multidisziplinären unterscheidet.

Von links: Milan Bosnic, Mirjana Peitler-Selakov und Tanja Tanja Vujinovic in Sachen Graz 2020 unterwegs. (Foto: Martin Krusche)
Von links: Milan Bosnic, Mirjana Peitler-Selakov und Tanja Tanja Vujinovic in Sachen Graz 2020 unterwegs. (Foto: Martin Krusche)

Kuratorin Mirjana Peitler-Selakov hat für ihr 2020er Projekt ein kontrastreiches Team zusammengestellt, welches solchen Fragen auf einer sehr praktischen Ebene nachgeht. Künstler Martin Krusche leuchtet den historischen Hintergrund aus und schafft so den Rahmen für eine längerfristige Erzählung. Die beiden Projekte:

In Europas Mythologie beginnt die Technik mit Prometheus, dem Vorausdenkenden und Feuerbringer. Die Rolle von Frauen ist dabei an einigen Stellen als „vom Mann gemacht“ dargestellt, wie etwa bei Pandora oder der lebendigen Statue von Pygmalion.

Ein kurioser Kontrast zu den weiblich konnotierten Kompetenzen, die in der Götterwelt evident sind. Im alten Rom galt Minerva als Beschützerin der Handwerker und des Gewerbes. Überdies reüssierte sie als Schutzgöttin der Dichter und Lehrer. Minerva war als Göttin der Weisheit, der taktischen Kriegsführung, der Kunst und des Schiffbaus eine Hüterin des Wissens.

Sie wird mit der griechischen Pallas Athene assoziiert. Da haben wir grundlegende Kompetenzen beinander. Athene ist Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes. Sie Patroíē, also Beschützerin, der Künstler und der Handwerker.

Der Themenbogen#

Kurios, daß in der Antike Göttinnen, also Frauen, den Schutz über behauptete Domänen der Männer verwalten. Aktuell befinden wir uns in der Vierten Industriellen Revolution, in einem zweiten Maschinenzeitalter. Derzeit ist längst geklärt, daß technische wie mathematische Talente natürlich ebenso bei Mädchen zu finden sind wie bei Buben. Es empfiehlt sich daher, den Themenbogen von der Antike bis in die Gegenwart zu ziehen.
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Unser Maschinenzeitalter begann eigentlich nicht mit James Watt und seiner Optimierung der Dampfmaschine. Durch den Mechanismus von Antikythera wissen wir, daß es schon im antiken Griechenland Maschinen gab, die auf Feinmechanik basieren und deren Zustandsänderungen von Informationsverarbeitung handeln.

Zwei Projekte, zwei Metiers#

Mirjana Peitler-Selakov pendelt als Dipl. Ing. (Elektrotechnik) und Kunsthistorikerin beruflich seit vielen Jahren zwischen diesen Welten, zwischen Industrie und Kunstbetrieb. Ihr jüngerer Teil der beruflichen Laufbahn repräsentiert ganz konkret den Weg in die Vierte Industrielle Revolution.

Von 2013 bis heute: Senior Quality Assurance, Safety Manager bei Maxim Integrated, Senior Quality Assurance, Safety Manager bei Maxim Integrated, Functional Safety Manager Complete Vehicle bei Magna Steyr, Senior Process Consultant bei Kugler Maag, Senior Expert Functional Safety bei Infineon Technologies.

Autor Martin Krusche hat 2019 mit dem Buch HAFLINGER – Eine kleine Kulturgeschichte des STEYR-PUCH Haflinger 700 AP nicht nur dieses Fahrzeug portraitiert, sondern 200 Jahre permanenter technischer Revolution greifbar gemacht, wodurch die Steiermark von einem rückständigen, mehrheitlich armen Gebiet zu einem blühenden Bundesland wurde.

Das GISAlab entstand aus einer Kooperation der beiden, in der sie über einige Jahre erkundet haben, wie Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft für manche Aufgabenstellungen fruchtbar zusammenwirken können.

Steirische Fundamente#

Der steirische Erzberg liegt in einem Gebiet, das einst zur römischen Provinz Noricum gehörte. Das Erz, der Rohstoff und folglich daraus abgeleitete Produkte, waren sehr gefragt. Norisches Eisen galt zur Zeit Ovids als ein Referenzprodukt. Archäologische Funde auf steirischem Boden haben unter anderem Statuen des Ikarus zutage gebracht, der als ein Seelenbegleiter galt. Sein Vater Daedalus war ein bedeutender Handwerker und Künstler, als dessen göttliches Gegenüber der Schmied Hephaistos gelten darf.
Pallas Athene als Patronin des österreichischen Parlaments. (Foto: Gryffindor, Public Domain)
Pallas Athene als Patronin des österreichischen Parlaments. (Foto: Gryffindor, Public Domain)

Hephaistos hatte unter anderem für Gott Helios jenen Sonnenwagen gebaut, mit dem dessen Sohn Phaeton tödlich verunglückte, weil er das Fahrzeug nicht beherrscht hatte. (Der Name Phaeton wurde zu einem Gattungsbegriff in der Fahrzeugwelt.)

Den größten Teil der folgenden Jahrtausendgeschichte war der Mühlenbau ein dominantes Hauptereignis menschlicher Maschinenbaulust. Aber auch an Fahrzeugen wurde stets gewerkt und gewirkt, da bis zur Einführung der Eisenbahn die Massengüter nur auf Wasserwegen transportiert werden konnten. Die Qualität von Fahrzeugen war also wichtig, wo immer es um Raumüberwindung ging.

Das ändere sich alles radikal, als James Watt die schon erwähne Optimierung der Dampfmaschine schaffte. Damit brach nicht bloß die Erste Industrielle Revolution an, sondern trat auch die Steiermark prominent in diesen Teil der Geschichte ein.

In den Jahren 1815/1816 bereiste der Steirische Prinz England, damals die Werkbank Europas und führende Weltmacht der Industrie. Erzherzog Johann von Österreich ließ sich die Neuerungen von James Watt persönlich zeigen. Eine Markierung in der Geschichte der Steiermark. Er sorgte sein Leben lang für einen nicht endenden Strom des Know how-Transfers.

Darauf beruht unter anderem das Joanneum (als Lehrsammlung und Bildungseinrichtung), aus dem die Technische Universität Graz hervor ging, wo Nikola Tesla studiert hat. Johann Puch ist bloß ein Beispiel erfolgreichen Unternehmertums, das sich auf geschickte Handwerker stützen durfte und darf. Der steirische Autocluster ist einigermaßen bekannt.

Weniger geläufig ist den Menschen der weltweit hohe Anteil steirischer Betriebe in der Entwicklung computergestützter Anlagen und Produkte. Wie oben erwähnt, 200 Jahre permanenter technischer Revolution haben die Steiermark massiv verändert, haben eine rückständige und arme agrarische Region umfassend verwandelt.