Das schwebende Museum#
(Ein Denkraum)#
von Martin KruscheSie ist Teil globaler Prozesse, die durch Migration, Identitätsfragen und gesellschaftliche Umbrüche geprägt sind.
Künstler weltweit stehen vor der Herausforderung, in einer fragmentierten Welt authentisch zu sprechen.“
(Selman Trtovac)
Ich nehme die Angelegenheit „MiR“ („Museum im Rathaus“) als Fallbeispiel und Denkanstoß. Dazu meine bevorzugte Lawinen-Metapher, welche besagt: Ist die Lawine losgebrochen, habe ich zwei Optionen. Ich surfe die Lawine oder sie reißt mich weg und begräbt mich. Eine neue Situation wird sich erst ordnen lassen, wenn die Lawine zum Stillstand gekommen ist. Dieses Neue liegt hinter dem nächsten Horizont. Es ist oft etwas, das jetzt noch nicht gedacht werden kann.
Die Zeit zwischen Lawinenabgang und Lawinenstillstand verstehe ich als Transitionsphase. Da werden manche Manschen appellieren, es möge der vorherige Zustand wieder hergestellt werden. Ich halte aber Restauration für keine adäquate Reaktion auf eine Krise.
Die Krise drückt gewöhnlich einen Umbruch aus, der sich nicht zurückdrehen läßt. Also entscheidet unser Verhalten, ob es dann Richtung Katharsis oder Katastrophe geht. Das klären wir in der Transitionsphase. Sie verlangt einen tauglichen Befund der Problemlage, Reflexion und neue Ideen, meist auch neue Kooperationsformen.
Das „MiR“ ist ein Beispiel, wie es kommen kann, wenn hinter den Wendepunkt kein Weg zurückführt. Es fehlen zum Zeitpunkt der manifesten Krise
- a) Budgetmittel,
- b) Raumangebote, um ausweichen zu können, und
- c) eine Konzeptidee für „das nächste Museum“.
Zwischenschritt#
Von der Kommune wurde das Problem gemildert, indem man die Stadtbücherei in die Museumsräume umsiedeln wird und so die Kostensituation etwas entschärfen kann. So wurde das ursprüngliche „Mir“ eine Art „schwebendes Museum“, rückte in die Virtualität, während die Aktualität der Räume von der Bücherei belegt werden wird. Immerhin auch ein Museum, nämlich eines der immateriellen Kulturgüter, welche in den derzeit stabilsten Datenträgern, die wir haben, gespeichert sind: Bücher.Und das „schwebende Museum“? Es muß das Kommende erst neu gedacht werden, was im Augenblick noch schlecht gelingt. Alte Denkmuster und Gedankenbarrieren verschwinden nicht von selbst. Sie verlangen nach Arbeit. Dafür ist die Transitionsphase da. In ihr kann man sich dem handelnd annähern, was derzeit noch nicht gedacht werden kann.
Wie gesagt, und das sei betont: da ist anstehende Arbeit. Wer nun heute schon Lösungen feilbietet, verdient Mißtrauen. Zukunftsfähigkeit fällt nicht vom Himmel. Sie bedarf gelingender Kommunikation; möglichst auch bei kontroversiellen Auffassungen.
Die ergeben sich zwangsläufig, weil im Gemeinwesen unterschiedliche Interessensgruppen zu finden sind, deren Intentionen und Agenda sich nicht von selbst decken. Was hier an Arbeit nötig ist, handelt auch davon, mögliche Schnittstellen zwischen den verschiedenen Interessen zu finden, auch manche Deckungen.
Es werden ohnehin erst hinter dem nächsten Horizont, also nicht gleich morgen, neue Konzepte, Räume und Budgets zu sichern sein. Gäbe es sie jetzt schon, hätte die aktuelle kulturpolitische Krise das „MiR“ nicht betroffen.
Wer demnach auf eine tragfähige Entwicklung setzt, statt auf Wow-Effekte und Aktionismus, wird sich in diesem Fall auf „Das schwebende Museum“ einlassen, auf Antwortvielfalt.
Also auf ein „virtuelles Museum“, das nun primär ein Denkraum ist, dem man ja eine physische Schnittstelle im Raum realer sozialer Begegnungen schaffen kann. Ab da zählen nicht Posen, sondern die erforderliche Arbeit. Vorzugsweise in einem Zusammenwirken der drei Sektoren Staat, Markt und Zivilgesellschaft.
- Das schwebende Museum II (Die Antwort einer KI)
- Startseite MiR (Übersicht)
Appendix#
Das Zitat am Textbeginn stammt aus „Epoche Null“ (Ein Statement) von Selman Trtovac. Es ist das Leitmotiv des „Archipel“ im Arbeitsjahr 2026 und gehört zum Buchprojekt „Mini Fabula“, für das wir eine Crew entlang der Linie Prag, Wien, Gleisdorf, Graz, Beograd formiert haben Die Glosse "Das schwebende Museum" hat hier einen Vorlauf:- Der Umbruch (Erste Entscheidungen sind gefallen).
- Kontext, Museum im Rathaus: Ein symbolischer Ort (Über eine Heimstatt der Demokratie)

