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Burgen, Schlösser, Paläste und Villen in Döbling – Einst und was davon geblieben ist#

Von Ernst Zentner

Auf dem Leopoldsberg stehen die Reste einer Burg aus dem 13. Jahrhundert. Ein Teil dient als Gedenkstätte für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg. Ursprünglich fungierte nach Legenden zufolge die Burg als Wohnsitz des heiligen Markgrafen Leopold III. von Österreich. Allerdings nach dem biografischen Daten des Babenbergers und anderen archivalischen Quellen kann das nicht stimmen. Leopold III. wohnte in der Altburg des Stiftes Klosterneuburg und die war nach Meinung der Kunsthistoriker romanischen Stils.
Vermutlich hatten die Babenberger auf dem heutigen Leopoldsberg schon eine kleinere Burg errichtet, die dann erweitert wurde und in den Besitz des Hauses Habsburg gelangt war.
Bis ins 16. Jahrhundert gab es auf dem Leopoldsberg (damals Kahlenberg!) eine mittelalterliche Burg, die den Habsburgern gehörte. Sie diente wohl als Wohnburg und im Kriegsfall als Zufluchtsort. Nach Zerstörungen wurde sie nicht mehr aufgebaut. Kaiser Leopold I. und seine Getreuen zogen sich während der Pestepidemie in die Leopoldsburg zurück. Mit der Grundsteinlegung der Leopoldskirche wurde wohl auch mit dem Bau einer neuzeitlichen Burg begonnen. Der Leopoldsberg wurde an das Stift Klosterneuburg verkauft (1786?); in einem Teil des Schlosses wurde ein Restaurant eröffnet; den anderen Teil mietete der Diplomat und Offizier Carl Fürst de Ligne (nach 1796), der den Nasenweg anlegen ließ. Ligne wurde der Ausspruch "Le Congres danse" zugeordnet. Dann ab 1814 mietete Johann I. Fürst von und zu Liechtenstein das Areal, wo er die Räume teilweise neugotisch umgestaltete; an der Nordwest-Seite ließ er eine Aussichtsterrasse anlegen. Damals bot sich die Reichs- und Residenzstadt Wien noch als dunkler Festungsbau umgeben von kleineren Vororten mit Wäldern, Feldern und Weingärten. Und seitlich die wilde ungestüme Donau, die bis an die Ufer von Nußdorf und Kahlenbergerdorf drang. Während der Weltausstellung 1873 war der Leopoldsberg ganz kurzzeitig mit einer Drahtseilbahn zu erreichen. Das Projekt einer Ruhmeshalle vergleichbar mit Walhalla bei Regensburg scheiterte. Zumindest die Höhenstraße wurde Realität. Auf den Grundmauern des mittelalterlichen Turmes schuf Mario Petrucci ein Heimkehrer-Gedächtnismal (1948).
Jedenfalls vom 13. bis zum 16. Jahrhundert existierte auf dem Leopoldsberg (damals hieß er Kahlenberg!) eine Burganlage, die schließlich der Zerstörung anheimgefallen war. Sie stand als Besitz der Habsburger. Das Areal wurde an das Stift Klosterneuburg verkauft. Mit dem Bau einer Leopoldskirche 1679 wurde auch eine neue Burg errichtet. In ihr wurde im 18. Jahrhundert ein Restaurant eröffnet. Mehrmaliger Besitzerwechsel brachte der Anlage kaum Vorteile und in der Folge verfiel die Burg - trotz mehrmaliger Ausbauten.

Nußdorf, vor 1906
Nußdorf, Leopoldsberg, rechts die Donau. Kolorierte Postkarte, unbekannter Fotograf, vor 1906, Standort? Privatsammlung - Wikimedia Commons - Vermutlich gemeinfrei
In weiter zurückliegender Vergangenheit gab es auf dem Leopoldsberg eine weitläufige Keltensiedlung. Sie wurde als Handelsstadt vermutet und später wegen der örtlichen Konflikte mit germanische Stämme nach Erdberg verlegt.
Die Römer hatten im "Kahlenbergerdörfel" in der Antike einen Wachtturm mit entsprechenden Anbauten, in denen Kompanien wohnen konnten. Von hier überwachten sie den Weg entlang der Donau. Später wurde hier eine Burg errichtet und heute steht da die St. Georgskirche.
Vom zwölften bis Anfang des 14. Jahrhundert wohnten die Herren vom Kahlenberg in einer befestigten Anlage hinter der Kahlenbergerdorfer Kirche.
Auf dem Cobenzl steht nur mehr die Terrasse eines schlossartigen Anwesens (abgerissen 1966) aus dem späten 18. Jahrhundert. Auf dem Reisenberg ließ Johann Philipp Graf Cobenzl – er war seit 1774 Vizepräsident der Banco-Deputation sein Landhaus in ein schlossartiges Anwesen ausbauen. Mit einer Bank lässt sich vieles finanzieren. Der Naturgarten wurde mit einer modernen Landwirtschaft verbunden und lieferte stadtbekannte Produkte. Während der Sommermonate weilte der Musiker stets in der Sommerresidenz des Grafen Cobenzl. Im Park befand sich eine eindrucksvolle Grotte, die zum Ziel vieler romantisch veranlagter Zeitgenossen wurde. Auch ein Wolfgang Amadé Mozart bewunderte diese Grotte. Cobenzl und Mozart waren Freimaurer, deswegen die symbolhafte Grotte. 1781 berichtete Mozart seinen Vater Leopold Mozart in Salzburg brieflich über dieses Kleinod (13.7.1781): "… das ist eine Stunde weit von Wien, wo ich schreibe. es heist Reisenberg. – ich war schon einmal über nacht hier; und izt bleib ich etwelche Täge. – das häuschen ist nichts; aber die gegend! – der Wald – worinen er eine Grotte gebauet, als wen sie so von Natur wäre. das ist Prächtig und sehr angenehm." In einem der Meiereihäuschen arbeitete der Tonkünstler u. a. an der "Zauberflöte". Weitere Intellektuelle hatten dieses Kleinod in gebührender Weise der Nachwelt literarisch verewigt. Während der französischen Besetzung erlitt das Anwesen schwere Beeinträchtigungen und konnte auch von den wechselnden Nachfolgern nicht mehr erhalten werden. Eine holländisch-österreichische Baugesellschaft errichtete ein Hotelrestaurant "Schloßhotel Cobenzl" (1896-99). Bürgermeister Karl Lueger kaufte das Areal 1907 und ließ es in ein großstädtisches Ausflugsziel – mit einem Cafépavillon – umgestalten. Eine Büste des Bürgermeisters von Fritz Zerritsch erinnert daran. Mit dem Bau der Höhenstraße wurde der Park zerstört und das Schlosshotel devastierte im Zweiten Weltkrieg und danach. Der Gutsbetrieb wird von der Gemeinde Wien selbst geleitet und das Hotel wurde nach Mitte der 1960er Jahre abgerissen.
Der Name Nußdorf erinnert wohl an die einstigen vielen Nussbäume (1144). Seit dem 18. Jahrhundert, besonders im 19. Jahrhundert ließen sich viele finanziell gut situierte Wiener hierorts ihre Sommerhäuser errichten. Im Jahre 1702 wurden Geheimgespräche über die Nachfolge im Königreich Spanien in einem Schlösschen in "Nußdorff" geführt. Herzog von Moles ein in Staatsrecht anerkannter Experte und Vertrauter Kaiser Leopolds I. diskutierte mit kaiserlichen Ministern über die Problematik der Nachfolgefrage zwischen österreichischen Habsburgern und den französischen Bourbonen – kurz: Der Spanische Erbfolgekrieg war längst ausgebrochen. Das Gebäude dürfte nicht mehr existieren oder wurde in einen Weinlesehof umgewidmet.

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Kahlenbergerdorf. Ansitz des Maria Theresia-Schlössel, In Nische Marienfigur - Foto: HeinzLW, Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Cottage in der Hasenauerstraße, um 1900
Das Cottage in der Hasenauerstraße um 1900. Heute sind die Bäume größer und fülliger - Foto: Max Mayer Sperling (gest. 1925), Wikimedia Commons - Gemeinfrei
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Nußdorfer Schlösschen, Sickenberggasse 1. Hauptsaal mit Deckenfresko vom "Wiener Schmidt", 1716? In den 1950er Jahren abgetragen - Foto: Abgedruckt in Österreichischer Kunsttopographie (ÖKT) II 1908, Seite 455, Fig. 576 - Vermutlich gemeinfrei
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Nußdorfer Schlösschen, Sickenberggasse 1. Hauptsaal mit Wand- und Deckenfresko vom "Wiener Schmidt", 1716?. Atelier des Malers Johann Michael Kupfer, vor 1908. In den 1950er Jahren abgetragen - Foto: Abgedruckt in ÖKT II 1908, Seite 453, Fig. 574 - Vermutlich gemeinfrei
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Nußdorf, Wien-Döbling. Ehemaliges Schloss Lamberg als Kaffeehaus "RESTAURATION NUSSDORFER BRAUHAUS" mit eigenwilligem Eingangsbereich, vor 1888 - Foto: Abgedruckt in ÖKT II 1908, Seite 445, Fig. 562 - Vermutlich gemeinfrei
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Im Fundament des einstigen Wehrturmes der Leopoldsburg steht das Heimkehrer-Denkmal von Mario Petrucci - Foto: © Bwag/CC-BY-SA-4.0 - Gemeinfrei
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Unglaublich bis 1966 stand am Cobenzl nahe Kahlenberg und Leopoldsberg ein romantisches Schloss, das später als Hotel geführt wurde. 1905 - Foto: Wikimedia Commons - Vermutlich gemeinfrei
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Schlosshotel Kobenzl, 1905. Kolorierte Postkarte - Foto: Wikimedia Commons - Vermutlich gemeinfrei
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Villa Bernatzik, von Joseph Hoffmann 1912 bis 1913 erbaut. Das Aussehen eher spartanisch. Ein Kubus mit Walmdach - Foto: Clemens Mosch, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

In Nußdorf nahe Heiligenstadt befand sich in der Sickenberggasse No. 1 ein barockes Palais, das Maria Theresia gehört haben soll. Bekannt war es als "Nußdorfer Schlößchen" und eventuell als "Maria-Theresien-Schlößchen". Ursprünglich war es eine 1428 errichtete Mühle, die 1712 bis 1716 umgebaut wurde; als Architekt wurde Lucas von Hildebrandt vermutet. In den Repräsentationsräumen befanden sich kraftvolle Wand- und Deckenmalereien; allerdings war es nicht mehr im Originalzustand geblieben. Dennoch: Sein zur Donau gerichtete Haupttrakt wurde von Johann Georg Schmidt (um 1685-1748) - "Wiener Schmidt" - um 1716 ausgemalt (?). Ihr Thema umfasste die Geburt des heiß ersehnten Thronerben Kaiser Karls VI., Johann Leopold, der nur vier Monate alt werden sollte. Unter fadenscheinigen Ursachen wurde das kleine Baujuwel Ende der 1950er Jahre unwiederbringlich abgerissen. Heute steht dort ein länglicher Gemeindebau, dessen kulturgeschichtliche Bedeutung erst wachsen muss. Das dazugehörige Gärtnerhaus an der Ecke Heiligenstädter Straße blieb wenigstens erhalten und birgt ein Nobelrestaurant.
Das einstige Nußdorfer Schlößchen barg seit 1883 auch Atelier und Wohnung des Bildhauers Johann Michael Kupfer (1859-1917). Er stammte aus Bayern, erweiterte seine Kenntnisse an der Wiener Akademie und in Karlsruhe. Er galt als beliebter Porträtist und schuf typische Wiener Szenen.

Freihof aus der Zeit Karl VI., Kahlenbergerdorf, Bloschgasse 1/Wiganggasse 26 (2012) - Foto: HeinzLW, Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Freihof aus der Zeit Karl VI., Kahlenbergerdorf, Bloschgasse 1/Wiganggasse 26 (2012) - Foto: HeinzLW, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

In Kahlenbergerdorf (Bloschgasse1/Wigandgasse 26) gab es ein Schloss Karls VI. Eigentlich ein Freihof. Ob den der Kaiser wirklich benutzt haben soll, bleibt offen. Auf alten Fotos erinnert das Gebäude an einem Renaissancebau der (nach 1712?) barockisiert wurde. Freilich war es 1904 umgestaltet worden und fungierte wohl als Weinlesehof – für den Kaiserhof?
In der benachbarten Zwillingsgasse 1 steht ein relativ interessantes Bauwerk, ein Ansitz, benannt "Maria Theresia-Schlösschen". Ursprünglich barock, dann im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts völlig umgestaltet. Zum weitläufigen Garten ist die klassizistische Fassade ausgerichtet. Auffallend wäre noch an der Seitenfront in einer Nische eine Immaculata-Figur. Ob Maria Theresia wirklich hier zeitweise residierte bleibt dahingestellt. Mit dem Umgestalten oder vielmehr Modernisieren ist das so eine Sache. Oft wurde viel mehr ruiniert als verbessert und dann wird weiter umgestaltet bis zum Abbruch.
In Nußdorf gab es sogar ein reizvolles zweistöckiges Schlösschen mit Mansardenwalmddach. 1750 wurde es vom Fürsten Franz Anton von Lamberg errichtet. Später hatte es eine weitere Blüte unter einem Brauhausbesitzer Franz X. Bosch von 1830 bis 1848. Später wurde es ein ansehnliches Kaffeehaus und 1888 abgerissen. Heute steht dort der Bahnhof Nußdorf der Franz-Josefs-Bahn.
In der Cobenzlgasse 30, Grinzing, steht der Trummelhof. Seit 1835 fungierte dieser als Brauhaus. Der im Inneren hochmittelalterliche Bau war ursprünglich ein Ansitz (kleinere Wohnstatt des - niedrigen - Adel) und verkörperte ein Lehen der Herren von Grinzing (13.-15. Jahrhundert). Ein schon stattlicher repräsentatives Haus inmitten der Heurigengegend. Etwas weiter weg steht der Feilerhof - heute ein Wohnhaus -, der bis 1847 als Casino diente und Franz Xaver Feiler gehörte. Das zwei Stockwerke hohe Gebäude wurde erst später in die gegenwärtige Fassung gebracht.
An der Grenze des Bezirks Döbling zum Nachbarbezirk Währing steht das Cottageviertel mit seinen eindrucksvollen Villenbauten. Die Hasenauerstraße bildet die Trennlinie. Hierorts lebten und leben prominente Persönlichkeiten aus allen Bereichen des kulturellen Daseins in Wien. Die meisten Bauwerke wurden um die Jahrhundertwende errichtet. Zumeist von mehr oder weniger bekannte Architekten.
An der Döblinger Hauptstraße 96 steht die prächtige Villa Wertheimstein. Heute das Bezirksmuseum Döbling. Ursprünglich stand da der Herrschaftshof des Frauenklosters Traunkirchen und später des Nonnenkloster der Dominikanerinnen in Tulln. 1834/1835 schuf der kunstsinnige Großindustrielle Rudolf von Arthaber ein vornehmes einstöckiges Landhaus. Der Baumeister hieß Alois Pichl und das Stiegenhaus stammte von Karl Rösner. Die Fresken malte Moritz von Schwind und die Ornamentik von Maler Holle. Arthaber verkaufte das Anwesen an Leopold von Wertheimstein und dessen Tochter vermachte den Besitz an die Gemeinde Wien mit der Bedingung, in der Villa eine Volksbibliothek einzurichten und den Park der Öffentlichkeit freizugeben.
Am Kahlenberg stehen rustikale Villen bei denen Affinitäten zu orbitante Landhäuser im Schneeberg-Raxgebiet sichtbar werden.
Aber auch Bauwerke aus der klassischen Moderne - Jugendstil - sind da zu entdecken. Die Villa Bernatzik in der Springsiedelgasse 28 etwa. Sie wurde 1912 bis 1913 von Josef Hoffmann gebaut. Ein Kubus mit Walmdach. Schlicht und einfach sowie nützlich.
Gegenwartsmoderne Villen sind in der Kaasgrabengasse angelegt worden. So etwa die "Luxusvilla" Dichand, die von Wilhelm Holzbauer entworfen und 1978 bis 1981 gebaut wurde. Sie wurde auch für Dichands berühmte Kunstsammlung konzipiert. Ähnlich ist es mit dem Wohnhaus vom Stararchitekten Peichl (1962) in der Himmelstraße. Ob sie Paläste oder Villen sind, das ist nicht so relevant. In der Tatsache sind sie Wohnhäuser, die aufwändig erhalten werden müssen. Ob sich ihre Inhaber darin wohlfühlen, das ist eine andere Sache.

Quellen

Weiterführendes

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