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Vom Veredeln auf dem Weg in den Tank #

Neue EU-Richtlinien fordern heimische Firmen wie Münzer in Sinabelkirchen heraus. Wie kann die Produktion von Abfällen zu Biodiesel noch weiter verbessert werden? #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Donnerstag, 2. März 2017)

Von

Norbert Swoboda


Neue Herausforderungen bei der Erzeugung von Biodiesel für Marktführer Münzer in Sinabelkirchen (rechts unten). Raffinerien in der Lobau (links), Gaishorn, Foto: MÜNZER
Neue Herausforderungen bei der Erzeugung von Biodiesel für Marktführer Münzer in Sinabelkirchen (rechts unten). Raffinerien in der Lobau (links), Gaishorn
Foto: MÜNZER

Glauben kann man es nicht, wenn man zu dem architektonisch ansprechenden Firmensitz in Sinabelkirchen kommt: Hier residiert der größte Produzent von abfallbasierten Biotreibstoffen in Mitteleuropa: Münzer Bioindustrie mit weiteren Standorten in der Obersteiermark, Wien und Niederösterreich erzeugt aus Altspeiseölen Biodiesel, der dann dem konventionellen Diesel beigemengt wird.

„Die Technologie stammt von BDI und ist in enger Zusammenarbeit mit der Universität Graz entstanden“, erklärt Ewald-Marco Münzer. Gemeinsam mit seinem Bruder Michael führt er das 150- köpfige Unternehmen, das auch in anderen Bereichen des Recyclings flüssiger Stoffe tätig ist.

Das rasante Wachstum der Firma, die vor 26 Jahren gegründet wurde, täuscht. Denn bei dem Thema vorne zu bleiben, ist nicht einfach. Eben wird in Brüssel die Richtlinie überarbeitet, die das Thema Biodiesel regelt, die Schlagworte „Tank oder Teller“ setzen die Branche unter Druck. Es ist nicht sicher, was dies für die bestehende Produktion bedeuten wird.

Vier Strategien wendet die Firma an, um die Herausforderungen zu meistern. Erstens: „Wir wollen die Sammelquoten erhöhen“, sagt Münzer. Derzeit wird zwar zu 70 Prozent das Gastronomie-Altspeiseöl gesammelt, aber nur zu vier Prozent jenes der Haushalte.

Michael und Ewald-Marco Münzer
Michael und Ewald-Marco Münzer
Foto: MÜNZER

Zweitens will man mit dem Spezialanlagenbauer BDI die bestehenden Biodiesel-Raffinerien in Wien-Lobau und Gaishorn verbessern. Drittens investiert Münzer rund drei Millionen Euro, um eine Fettaufbereitungsanlage zu errichten. Das Ziel ist immer: die Qualität des entstehenden Biodiesels zu verbessern und von Beimischungen wegzukommen. Zugleich sollen künftig auch die entstehenden „Abfallprodukte“, die Glyzerine, optimiert werden. Glyzerine verwendet man im Pharma- und Kosmetikbereich.

Und viertens? Da ist das Thema Interessensvertretung oder Lobbying zu nennen. „Wir sind eine kleine Branche, die erst seit wenigen Jahren bedeutend geworden ist“, sagt Münzer. Gesetzgeber und Verwaltung, ob in Brüssel, Wien oder Graz, brauchen aber Ansprechpartner aus der Industrie; da muss auch Münzer aus der Oststeiermark hinaus.

Über die Firma#

Die Firma Münzer wurde 1991 in Gleisdorf gegründet. 2012 wurde der Firmensitz nach Sinabelkirchen verlegt.

Münzer befasst sich mit den Bereichen Entsorgung von Altspeisefett, Tankreinigung, Biodiesel und Elektrokabel-Recycling.

Heute ist die Firma auch in Wien-Lobau (bei der Raffinerie Schwechat), in Gaishorn am See und in Langenlois vertreten.

Die Entsorgungsfirma, die 150 Mitarbeiter umfasst, expandierte zuletzt rasch. Im Vorjahr gab es beim Umsatz ein Plus von 16 Prozent, jetzt wird ein Plus von 32 Prozent erwartet. Geschäftsführer und Inhaber sind Michael und Ewald- Marco Münzer.

Kleine Zeitung, Donnerstag, 2. März 2017