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Multitalent auf vier Rädern #

Bei SFL in der Weststeiermark wird ein Elektrofahrzeug gebaut, das Transport und Logistik in Gemeinden auf nachhaltige Räder bringen soll. Auch für die Special Olympics plant man Spektakuläres. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Montag, 6. März 2017)

Von

Klaus Höfler


„Eli“ kann auf vielfältige Weise adaptiert und eingesetzt werden. Betrieben wird sie mit Strom – der auch aus Hausfassaden kommen kann
„Eli“ kann auf vielfältige Weise adaptiert und eingesetzt werden. Betrieben wird sie mit Strom – der auch aus Hausfassaden kommen kann
Quelle: Kleine Zeitung

Stallhofen in der Weststeiermark: viele Hügel, eine Marktgemeinde, sieben Ortschaften, 3096 Einwohner. Bislang auf der Landkarte der Automobilindustrie ein weißer Fleck. Das soll sich jetzt ändern. In einer modernen Fertigungshalle am Ortsrand wird das erste österreichische Elektrofahrzeug mit europäischer Straßenzulassung gebaut. „Eli“ nennt sich das Gefährt, das am Betriebsgelände der SFL Technologies entwickelt und produziert wird.

Ausgestattet mit einem leistungsstarken Elektromotor, der seine Kraft aus einem Lithium- Eisen-Batterieblock saugt und den Allradantrieb versorgt, dazu kräftige Scheibenbremsen und jede Menge Gestaltungsmöglichkeiten, was die Ausstattung mit Arbeitsgeräten betrifft: Schneepflug, Mülltonnenheber, Transportcontainer, Bewässerungsschläuche, Wassertank, Salzstreuer, Heckenscheren ... oder einfach als Ladestation für Akkubohrer, Elektrorasenmäher, Kühlanlagen oder Transportdrohnen.

„Eli“ könnte in Zukunft aber auch autonom fahren und beispielsweise von „intelligenten“ Blumenbeeten bei Wasserman gel selbstständig angefordert werden und sich auf den Weg machen.

Die Einsatzgebiete des „nackt“ schlanke 1300 Kilo leichten Multifunktionsfahrzeugs sind vielfältig. Zielpublikum? „Unternehmen mit lokalen Transportwegen und kommunale Wirtschaftsbetriebe“, sagt SFL-Gründer und Geschäftsführer Hans Höllwart (Foto rechts). Er will damit den kleinräumigen Wirtschaftsverkehr und die Transportlogistik auf neue, emissionsfreie – und für die Gemeinden leistbare – Beine stellen. So kostet eine „Eli“ eine Kommune rund 1200 Euro pro Monat, teure Motorreparaturen oder Treibstoffkosten entfallen. Der „Eli-Tank“ ist an einer haushaltsüblichen Steckdose binnen sechseinhalb Stunden gefüllt, bei Starkstromzapfsäulen geht es entsprechend schneller. In Höllwarts hauseigenem Forschungszentrum wird unter der Leitung von Mario Müller aber längst an Antriebsmöglichkeiten mit Wasserstoff getüftelt.

Höllwarts Begeisterung für sein vierrädriges Multitalent ist spürbar. Eiligen Schrittes durchmisst er die Halle, erklärt Können da, Konstruktion dort und das Konzept dahinter wieder an einer anderen Stelle der überschaubaren Fertigungsstraße, in der bis zu eintausend „Elis“ pro Jahr produziert werden können. Denn die Idee dahinter endet nicht beim einsatzfertigen Fahrzeug. Vielmehr ist es nur Teil eines umfassenden Nachhaltigkeitsmodells, das die ureigenen Kompetenzen des 1993 gegründeten Unternehmens im Fassadenbau mit neuer (elektrischer) Mobilitätstechnologie zu einem umfassenden Nachhaltigkeitsmodell verdichtet. „Active base concept“ nennt man bei SFL dieses Technologiekonzept für einen umweltschonenden Alltag der Zukunft.

Die Kurzvariante: Intelligente Fassadenverkleidungen aus eigens entwickeltem, hochsensiblem, nur wenige Millimeter zartem, aber durch chemische Prozesse extrem widerstandsfähig gemachtem Dünnglas sammeln Sonnenenergie, heizen oder kühlen das Gebäude, können aber auch direkt als „Steckdose“ angezapft werden – auch vom Nachbargebäude. Überschüssige Energie wird in unterirdische Speicher abgeleitet und bei Bedarf wieder abgerufen. „Jeder Quadratmeter in der Stadt bean sprucht zehn Quadratmeter im Umland“, mahnt Höllwart zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt, den er mit seinen Technologien verwirklichen will.

Ein auffälliges Testlabor steht in Graz: der Science Tower, ein optisch auffälliger Rundbau in unmittelbarer Nachbarschaft zur List-Halle und Landmark des unter dem Label „Smart City“ neu entstehenden Stadtteils im Nordwesten von Graz. Hier wird das von insgesamt 800 SFL-Mitarbeitern (250 davon am Headquarter in Stallhofen, weitere Standorte gibt es in St. Marein, Wien, Ungarn und Rumänien) gelieferte Know-how im Echtbetrieb getestet. Es ist aber nicht der einzige stadtbildprägende Bau. Auch im Kunsthaus, der Murinsel, im Joanneum und im Bahnhofvordach steckt SFL-Technologie.

Der Tower selbst wird in Kürze weithin sichtbar auffallen. Während der am 14. März startenden Special Olympics wird er zur „olympischen Fackel“: Extrem starke LED-Strahler werden von Sonnenuntergang bis Mitternacht einen dicken Lichtstrahl in den Himmel über Graz schicken.

Kleine Zeitung, Montag, 6. März 2017