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Das Geflecht: Kunst und Kultur#

(Zu den Hintergründen von Mythos Puch VI)#

von Martin Krusche

Mit dem Projekt „Das Geflecht“ haben wir einen Prozeß eingeleitet, der sich einerseits auf Geschichtsbetrachtung stützt. Der Rückblick soll den Ausblick stärken. Die Vierte Industrielle Revolution sorgt für fundamentale Umbrüche. Andrerseits wollen wir kulturelle Aspekte betrachten und deuten. Dabei liegt das Augenmerk auf drei Genres: Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst.

Diese überdimensionale Leuchtreklame stand als ein rotierendes Display einst auf dem Puch-Hochhaus in Thondorf. (Foto: Martin Krusche)
Diese überdimensionale Leuchtreklame stand als ein rotierendes Display einst auf dem Puch-Hochhaus in Thondorf. (Foto: Martin Krusche)

Was zeigt sich an den Schnittstellen dieser Genres? Wo schöpfen sie aus den gleichen Quellen? Wie manifestiert sich das
a) in erklärten Kulturereignissen und
b) in unserem Alltag?

Volkskultur meint hier vorzugsweise eine Volkskultur in der technischen Welt, die etwa in Kulturreferaten und Feuilletons noch wenig Beachtung findet; was vielleicht die gute Nachricht ist.

Die Schrauber- und Sammlerszene Österreichs zeigt in weiten Bereichen, wie das geht, wenn man seine kulturellen Bedürfnisse lebt, ohne sich mit Zurufen von Deutungseliten zu befassen; oder indem man Tourismus und Wirtschaft dienstbar ist. Nicht alle, aber große Teile dieser Szene zeigen im kulturellen Engagement eigenwillige und eigensinnige Haltungen.

Die Popkultur beschäftigt uns schon allein aus dem Grund, weil sich darin kulturelle und wirtschaftliche Interessenslagen verzahnt haben, die in unseren Alltag hereinwirken. In der Antike wurde zwischen Freien Künsten und Knechtischen Künsten unterschieden. In unseren Tagen kennen wir oft verwirrende Interferenzen zwischen Gegenwartskunst, angewandten Formen, etwa Design, Gebrauchsgrafik etc., und dem bemühten kreativen Gestalten von Hobby-Leuten.

Historischer Boden: Die Halle P stammt noch aus den Tagen des Altmeisters. (Foto: Martin Krusche)
Historischer Boden: Die Halle P stammt noch aus den Tagen des Altmeisters. (Foto: Martin Krusche)

Ordnet man diese Genres nicht hierarchisch, sondern versteht man sie als komplementär, eröffnet das Sichtweisen, die im Herabblicken aus überhöhten Positionen nicht möglich sind.

Die Produkte der Steyr-Daimler-Puch AG gaben nach 1946 (bis heute) vielfach Anlaß, daß Menschen in wenigstens einem dieser Sinne aktiv werden, kulturelle Bedürfnisse leben, gestalterisch Wirken, handwerkliche Kompetenz zeigen. Das umfaßt die Marktnischen von Professionisten ebenso wie die Freizeit der Menschen, welche da ihr Hobby gefunden haben.

Als die Grazer Puchwerke noch im Zweiradbereich tätig waren, ist die Jugend Österreichs eine bevorzugte Zielgruppe geworden, denen Fahrräder und Mopeds schmackhaft gemacht wurden. Das hat zeitbedingt seine popkulturellen Verflechtungen. (Wie verhalten sich heute junge Menschen zur Fahrzeugwelt?)

Dieses Gemälde vom Bau des Zweier-Werks können Sie im Museum betrachten. (Foto: Martin Krusche)
Dieses Gemälde vom Bau des Zweier-Werks können Sie im Museum betrachten. (Foto: Martin Krusche)

Die marktbeherrschende Position der STDPAG ließ damals Fahrräder und Mopeds von Puch selbst zu Objekten und Medien solcher Ausdrucksformen werden. Zugleich hat die Gegenwartskunst gelegentlich auf diese Produkte zugegriffen.

Doch dieses Genre, die Kunst, wird im Projekt „Das Geflecht“ vor allem als eine Disziplin beachtet, die Denkräume aufmacht und Sehweisen verschiebt. Das ist eine wichtige Option, wo es um Zukunftsfähigkeit geht. Die verfeinert und etabliert man eben nicht mit vertrauten Sichtweisen und gewohnten Posen. Dazu braucht es Brüche, Irritationen, Wißbegier, um sich dem zuzuwenden, was heute noch nicht gedacht werden kann.

Auf historischem Boden, dem Stammwerk von Altmeister Johann Puch, wird also 2019 ein kultureller Prozeß vorangebracht, in dem die Geschichtsbetrachtung den Ausgangspunkt bildet. Hier soll die Beachtung der Zusammenhänge zwischen Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst Anregungen und Aufschlüsse bringen. Es geht um die Möglichkeiten, hinter den nächsten Horizont zu blicken.