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Notiz 065: Wozu ein Museum?#

von Martin Krusche

Das Haflinger-Buch ist draußen, ich überleg mir neue Aufgaben und es kommt allerhand erfreuliche Post, wie etwa diese Zeile des versierten Schraubers Tom Kada: „Sobald ich es meinem Vater entreissen kann, werde ich es mir genau ansehen!“ Sehr essentiell auch Kulturwissenschafter Matthias Marschik, mit dem ich mich immer wieder austausche, was den Lauf der Dinge und mögliche Diskrepanzen zwischen verschiedenen Lebenswelten angeht.

(Sie Story von Christian Gremsl im Themenheft der WOCHE. (Foto: Martin Krusche)
(Sie Story von Christian Gremsl im Themenheft der WOCHE. (Foto: Martin Krusche)

So meint er etwa: „Das ist vermutlich der Kluft zwischen Kulturwissenschaft und Praxis geschuldet. Ich find's eh toll, dass die Schrauber überhaupt mit unsereinem reden. Hoffentlich sehen sie das umgekehrt auch so!“ Tun einige. So erreichte mich eben die Frage: „magst bei der löwen rallye 20. bis 22.09 mit einem Steyr XII als beifahrer dabeisein?“

Das hab ich mit einer Gegenfrage beantwortet: „ist das wasser naß? ist der himmel blau?“ Ergo werde ich demnächst wieder lockere Plomben haben, wenn auch nicht gar so heftig, wie sie einem der Morgan Roadster verpaßt. Diese Roadster-Erfahrung verdanke ich Micha Lanner, in dessen opulentem Online-Archiv man sich den Steyr XII ansehen kann; ein Spitzenprodukt seiner Zeit: (link)

Bild 'notiz065b'

Sinnliche Erfahrung alter Technik, wie sie aus unserem Alltag verschwunden ist. Das bleibt für mich ein unverzichtbarer Teil der Betrachtungen des 20. Jahrhunderts. In diesem Jahrhundert sind Umbrüche mit einer völlig neuen Rasanz, welche die Menschheit vorher noch nicht kannte, in Gang gekommen. Veränderungsschübe, die uns teilweise tief irritieren.

Das illustriert allein die Tatsache, daß viele von uns in ihrer Lebensspanne mit zwei industriellen Revolutionen zurechtkommen müssen und daß es praktisch keine Adaptionsphasen mehr gibt, in denen Gesellschaften sich mit Innovationen vertraut machen können. Das schafft Probleme, für die wir praktisch noch keine Strategien haben. Inzwischen ist wohl allen aufgefallen, daß unsere Welt sich in massiven Umbrüchen befindet.

Das betrifft heute nicht mehr bloß ein Land oder einen Kontinent. Das ist die Welt als Ganzes. Daher meint das auch die Menschheit als Ganzes. Ebenfalls eine neue Erfahrung. Der Steyr-Puch Haflinger ist noch ganz Zweite Industrielle Revolution. Die Arbeiter jener Jahre waren teilweise stark im Sinn des alten Handwerks geprägt. Das hat sich massiv verändert.

(Foto: Archiv Fredi Thaler)
(Foto: Archiv Fredi Thaler)

Wer je auf die „Hackler“ herabgeblickt hat, weiß nichts über diesen Teil unserer Wirtschaft. Was ich in den letzten Jahren an Schuppen, Werkstätten und Fabrikhallen besucht habe, handelt von ganz anderen Kräftespielen.

Wo man hervorragende Facharbeiterinnen oder Handwerker trifft, könnten die das ohne sehr wachen Verstand nicht sein. Nun ist aber etwas völlig Neues in den Arbeitswelten angekommen. Selbstlernende Systeme. Das bedeutet: Maschinen lernen von Maschinen und entwickeln Arbeitsweisen, die uns Menschen draußen lassen.

Diese Entwicklung wird von manchen Katastrophenliebhabern genutzt, um Horrorszenarien zu entwerfen. (Maschinen versklaven die Menschen und regieren die Welt.) Es scheint mir aber weit spannender, nun zu klären, was uns Menschen zu tun bleibt, wenn Maschinen uns mehr Arbeiten abnehmen, als wir bisher vermuten durften. Was bedeutet das für unseren Umgang miteinander? Was bedeutet das für unsere Koexistenz mit Maschinen? Was bedeutet das für unsere Berufswelten und unsere Kultur? Jede Menge interessante Fragen!

Bild 'logo_puchmuseum'

Dabei könnte einem auffallen, daß ein Museum sich vorzüglich eignet, um sich derlei Themen zu widmen. Judenburgs Stadtmarketing-Boss Heinz Mitteregger hat mich eingeladen, die „Lange Nacht der Museen“ im dortigen Puchmuseumzu verbringen: Samstag, 5. Oktober 2019. Da wird’s natürlich um den Haflinger gehen, aber wohl auch um solche Fragen. Viele Dinge müssen wir greifbar vor uns haben, um sie begreifen zu können. Das ist ein zentraler Zwecke solcher Sammlungen. Und die laufenden Gespräche, wie sie dabei entstehen, sind unverzichtbar.