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Materialien mit Nebenwirkungen#

von Hermann Maurer, März 2017

Einleitung#

In der Vergangenheit wurden viele Materialien wegen gewisser hervorragender Eigenschaften verwendet, doch hat sich bei einigen sehr viel später herausgestellt, dass sie gesundheitsschädliche Langzeitwirkungen haben können.

Ohne hier die Situation erschöpfend zu besprechen werden wir einige typische Beispiele erwähnen. Wir wählen als Beispiele Aluminium, Asbest, Blei, Quecksilber und Arsen.

Aluminium#

Topf
Alumniumkochtopf von pixabay.com, gemeinfrei, unter PD
Aluminium ist ein silbrig-weißes Leichtmetall. In der Erkruste ist es nach Sauerstoff und Silicium das dritthäufigste Element und das häufigste Metall. Durch seine leichte Formbarkeit (sein niedriger Schmelzpunkt lädt auch zum Gießen ein), sein geringes spezifisches Gewicht (1/3 des Wertes von Stahl) und die Tatsache, dass man durch einfache Legierungen sehr festes Material herstellen kann hat dazu geführt, dass es gerne für den Bau von Fahrzeugen (Autos, Flugzeugen, u.a.) eingesetzt wurde, wo man das Gewicht klein halten wollte. Aluminium oxidiert sehr rasch, und diese Oxydationsschicht verhindert (im Gegensatz z.B. zu Eisen) eine weitere Korrodierung.

Wegen des leichten Gewichtes wurde es auch gerne für Reise- und Militärutensilien (Bestecke, Teller, Kochtöpfe,...) verwendet. Dabei wurde freilich übersehen, dass leicht lösbare Aluminiumsalze entstehen, die schwerwiegende negative medizinische Auswirkungen haben können:

Derzeit sind weltweit etwa 35 Millionen Menschen an Alzheimer oder anderen Formen der Demenz erkrankt sind, mit steigender Tendenz. Aluminiumsalze (wenn sie durch regelmäßigen Konsum oder auch nur Hautkontakt in den Körper gelangen) gelten als Mitverursacher. Eine unerwartet hohe Anzahl von Neuerkrankungen gibt es in Entwicklungsländern, in denen das Leben der reichen Industrieländer nachgeahmt wird, wo Bier und Soft Drinks aus einfachen aluminiumhaltigen Dosen in großen Mengen getrunken werden, oder in billigen Aluminiumtöpfen gekocht und mit Aluminiumgeschirr gegessen wird. Freilich sind all diese Folgen vermeidbar, wenn Aluminium, wie heute üblich, mit einer dünnen Plastikschutzschicht überzogen wird!

Manche Deodorants enthielten Aluminium, was heute aber gesetzlich verboten ist bzw. auf den Packungen die stark reduzierten Mengen ausgewiesen werden. Aluminium ist als Lebensmittelzusatzstoff unter der Bezeichnung E 173 ausschließlich als Farbstoff für Überzüge von Zuckerwaren und als Dekoration von Kuchen und Keksen erlaubt. Wie so häufig: Wird erst ein Problem als solches erkannt, bieten moderne Technologien oft einfache Gegenmaßnahmen!

Asbest#

Asbest
Antopyllite Asbest, gemeinfrei, weitere Asbestbilder, unter PD
Asbest ist die Bezeichnung für einige natürlich vorkommende, faserförmige kristallisierte Silikat-Minerale. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass man daraus Fasern herstellen kann, die stark, säurebeständig und feuerfest und gut wärme-isolierend sind.

Da sie zu Geweben versponnen oder auch als Zusatz zu Beton verwendet werden können (und diesen damit besser temperaturisolierend machen) wurde Asbest für Schutzanzüge, für die Wärmedämmung, in der Bauindustrie, aber auch für die Herstellung von Autoreifen und Filtervorrichtungen verwendet.

Asbest wurde über Jahrzehnte in bis zu 3.000 Produkten verwendet. Allmählich wurde erkannt, dass vor allem das Einatmen von extrem kurzen Asbestfasern, die durch Abrieb oder Alterung entstehen, gefährlich ist, wobei nicht nur Schädigungen der Lunge (bis hin zu diversen Krebsarten) ausgelöst werden können. Besonders heikel sind in diesem Zusammenhang Produkte mit nur schwach gebundenem Asbest, die einen Faseranteil von 60 % und mehr besitzen und diese leicht wieder abgeben, typisch der lange Zeit gern verwendete "Spritzasbest".

Aufgrund der inzwischen eindeutig festgestellten Gesundheitsgefahren, die von solchen Asbestarten ausgehen, ist der Einsatz heute in vielen Staaten verboten und sollten alle Bauwerke, in denen Spriztasbest verwendet wurde, abgerissen werden, wie das z.B. mit dem 1973–1976 errichteten "Palastes der Republik" in Berlin geschehen ist. Materialien, in denen Asbest permanent gut gebunden ist, wie im Betonasbest (meist als Eternit bekannt) sind hingegen nicht gesundheitsgefährdend.

Die Asbestproduktion ist weltweit naturgemäß zurückgegangen, wie am besten die einstige Bergbaustadt Wittenoom in West Australien belegt, die heute zu einer Ghosttown geworden ist, in die sich selten ein Tourist verirrt. Der Bericht "Das tödliche Wunder" ist lesenswert.

Blei#

Akku
Blei Akkumulator, gemeinfrei von pixabay.com, unter PD
Blei ist ein giftiges Schwermetall. Es wird heute vorwiegend durch direkte Schmelzverfahren aus dem Mineral Bleiglanz (Galenit) gewonnen. Mehr als 50% der Bleiproduktion wird für Batterien (Bleiakkumulatoren) verwendet. Blei eignet sich wegen seiner großen Dichte aber auch zur Strahlenabschirmung. Blei dient ferner als Grundstoff für Geschosse. Die Gründe sind einerseits die hohe Dichte und damit hohe Durchschlagskraft und andererseits die leichte Herstellung durch Gießen. Blei wird auch in diversen Legierungen verwendet, oder als Gewichte (etwa um den Auftrieb bei SCUBA Tauchern auszugleichen).

Blei und seine Verbindungen kommen in Farben und Kunststoffen vor. Es wird auch in Batterien und als Lötmetall verwendet. Blei ist giftig, egal ob es über den Mund, die Atemwege oder die Haut in den Körper gelangt. Wer Blei über längere Zeit aufnimmt, wird blass, schwach, müde und leidet an Appetitlosigkeit. Seltene akute Bleivergiftungen rufen Koliken und Erbrechen hervor und können zum Tod führen. Weitaus häufiger sind jedoch schleichende Schäden: Bei Kindern kann die geistige Entwicklung zurückbleiben. Einige Bleiverbindungen wirken krebserregend.

In Wasser, das keinen Sauerstoff enthält, ist metallisches Blei stabil. Bei Anwesenheit von Sauerstoff löst es sich jedoch langsam auf, so dass bleierne Trinkwasserleitungen eine Gesundheitsgefahr darstellen können.

Quecksilber:#

Quecksilber
Quecksiblbertropfen von Unkky GFDL, unter CC BY-SA 3.0
Es ist das einzige Metall, das bei Normalbedingungen flüssig ist. Die thermische Ausdehnung des Quecksilbers ist in weiten Bereichen fast direkt proportional zur Temperatur. Außerdem benetzt Quecksilber (wegen seiner hohen Kohäsion) Glas nicht und ist visuell gut zu erfassen. Daher wurde es lange Zeit in Flüssigkeitsthermometern verwendet.

Wegen seiner starken Toxizität ist der Einsatz heutzutage auf den wissenschaftlichen Bereich beschränkt. Seit 2009 ist der Verkauf von neuen quecksilberhaltigen Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten innerhalb der EU, außer für Spezialzwecke, verboten.

Die große Gefahr bei Quecksilberthermometern war die Behandlung des freigesetzten Quecksilbers beim Bruch des Thermometers: Wegen der großen Kohäsion von Quecksilber bildet es kleine Kügelchen. Werden nicht alle entsorgt, so verdampfen die verbleibenden langsam und erzeugen giftigen Quecksilberdampf.

Quecksilber reagiert im Körper mit lebenswichtigen Enzymen und hemmt deren Wirkung. Es kann zu Erbrechen und Durchfall führen, bei längerer Aufnahme zu Seh- und Gedächtnisstörungen. Gelangt das giftige Schwermetall in die Umwelt, kann es von Mikroorganismen in Verbindungen umgewandelt werden, die das zentrale Nervensystem schädigen und schlimmstenfalls zum Tod führen.

Quecksilber wird unter anderem für Neonröhren, Energiesparlampen und Batterien verwendet.

Arsenik (Genauer Arsentrioxyd As2 O3 , mundartlich Arsen).#

Arsen wird für Metall-Legierungen, in der chemischen Industrie und zur Herstellung von Spezialglas und Halbleitern eingesetzt. Akute Vergiftungen führen zu blutigen Brechdurchfällen, Kreislaufkollaps und Atemlähmung. Gelangt Arsen in kleinen Mengen über längere Zeit in den Körper, kann es Störungen des Nervensystems und Krebs verursachen.

Arsen wurde wegen seiner Giftigkeit aber seit 1300 immer wieder für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Obwohl Arsen ein Gift ist, ja oft als Mordgift bezeichnet wird, gab es in Zentraleuropa längere Zeit Menschen, die bewusst Arsen selbst aßen oder Tieren verabreichten. Zitat aus dem Aufsatz Arsenesser: Neben den gefährlichen aber oft auch nützlichen Anwendungen von Arsenik gibt es seine Verwendung für Mensch und Tier, freilich in kleinsten Dosen. Bei dem Konsum von kleinen Mengen von Arsenik von Mensch oder Tier (vor allem Pferden) führt Arsenik zu schöneren Haaren, zu einem volleren Körperbau und größerer körperlicher Leistungsfähigkeit. Da Arsenik über die Haut ausgeschieden wird, tötet es dabei Milben und andere Hautverunreiniger, wurde daher fallweise als kosmetisches Präparat gesehen!

Mit Arsenik wurden über Jahrhunderte verschiedenste Krankheiten behandelt, vom Fieber bis zu Darmgeschwüren! Bis heute wird Arsenik in der Veterinärmedizin verwendet, als Mittel gegen Lungenkrankheiten und chronische Atembeschwerden wie Asthma, aber auch gegen Darmparasiten, Hauterkrankungen usw. Insbesondere waren Waschungen mit arsenikhaltigem Wasser üblich!

Die Gewohnheit, Pferden, mitunter auch dem Rindvieh, Arsenik in kleinen Dosen als Beisatz zum Futter zu verabreichen, um größere Arbeitsleistungen zu erzielen, war in den Ostalpen bis ans Ende des 20 Jahrhunderts vor allem in der Steiermark keine Besonderheit.

Was Menschen anbelangt kam es zum Arsenikessen, das von Frauen und Männern aus kosmetischen Gründen (glatte, gesund aussehende Haut) und bei Männern zur Erhöhung ihrer Kräfte verwendet wurde. Anders formuliert, der Genuss des Giftes bewirkt unter bestimmten Voraussetzungen kein langsames Siechtum, sondern hat eine kräftigende Wirkung und ruft ein blühendes Aussehen hervor. Menschen vertragen im Laufe der Zeit größere und größere Dosen des Giftes, ja es kommt zu einer Arseniksucht ähnlich wie bei bekannten Rauschgiften. Arsenikesser gab es vor allem in der Steiermark bis nach dem zweiten Weltkrieg, nicht zuletzt weil eine kleine Dosis ein warmes Gefühl im Magen und eine gelassene Glücklichkeit auslöst, ähnlich wie es einem Gläschen Schnaps oder Branntwein zugeschrieben wird.

Abschluss#

Auch andere Schwermetalle, für manche Zwecke nützlich, sind eindeutig giftig:

Antimon wird als krebserregend eingestuft. Bei Antimon-Vergiftungen zeigen sich mit Hautreizungen, Magenkrämpfen und Durchfall sowie Herz-Kreislauf-Problemen ähnliche Symptome wie bei Arsen. Ins Kinderzimmer kommt Antimon als Flammschutzmittel oder über Spielzeug aus Polyester.

Barium kann über flüssige Materialien wie Farbe auf Spielzeug geraten. Vergiftungen mit der Substanz können zu Bluthochdruck führen und sich negativ auf die Nierenfunktion auswirken. Werden größere Mengen aufgenommen, können Erbrechen, Schwindel, Darmkoliken und Herzrhythmusstörungen die Folge sein.

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