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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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Page - 420 - in Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit

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6.12.1989: Bericht Botschafter Grubmayr und Gesandter Sajdik 420 Dok. 89 zu lösen. Die Bundesrepublik gehe von der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Stabilität am Kontinent aus. In seiner Pressekonferenz, in der er sich strikte geweigert hatte, näher auf die sowjetische Haltung zur deutschen Frage einzugehen und nur davon sprach, dass die sowjetischen Gesprächspartner ihm hiezu die ohnehin schon bekannte Posi- tion dargelegt hätten, unterstrich er mehrmals, dass es „die Sache der Deutschen der DDR sei, wie sie ihr Verhältnis zur BRD gestalten werden“. Nach seiner An- sicht seinen sich beide deutschen Staaten der Verantwortung für die Stabilität von ganz Europa bewusst. Es würde keinen nationalen Alleingang geben. Eine Wie- dervereinigungslösung könne nur eingebettet in den Prozess einer europäischen Einheit gesehen werden. Genscher hob hervor, dass die Menschen der DDR selbst zu entscheiden haben, wie sie ihre Freiheit nützen werden und er unterstrich deren Würde und die Weit- sicht im Einfordern ihrer Freiheitsrechte, was im Bewusstsein für die Verantwor- tung für die Stabilität in Europa erfolge. In der TASS-Wiedergabe der Gesprächsinhalte fällt die Tatsache auf, dass der Begriff „Wiedervereinigung“ nie verwendet wird. […]9 4) Wertung Nach ho. Ansicht versetzte die Sowjetführung  – in der Person vom AM Scheward- nadse, nicht jedoch durch Gorbatschow selbst  – der „Wiedervereinigungseupho- rie“ den erwarteten Dämpfer.10 Die SU scheint unter allen Umständen auf Zeit spielen zu wollen. Der Wink mit dem Zaunpfahl, dass seitens der BRD „zusätz- liche politische Impulse“ in sehr breit gefassten Wirtschaftsbereichen notwendig sein werden, zeigt, welchen „Preis“ ein sowjetisches Einlenken langfristig haben könnte. Gleichzeitig scheint man sich des Risikos, dass die Entwicklungen in der DDR einfach nicht mehr lenkbar sind, immer mehr bewusst zu werden. Die „Prawda“ von heute11 spricht von einer „äußerst kritischen Lage der SED, die es in ihrer gesamten Geschichte nicht gegeben hat“, und die „Iswestija“ vom 5. d. M.12 be- richtet von den Demonstrationen in Leipzig, an denen „eine große Gruppe von Teil nehmern die Wiedervereinigung Deutschlands mit Transparenten ‚Ein ein- heitliches Deutschland  – unsere Heimat‘ gefordert hatte“. Dasselbe Blatt schreibt auch über die Machinationen Schalck-Golodkowski, seinen Waffenhandel und sein Devisenkonto in der Schweiz.13 Moskau scheint auch Egon Krenz aufgege- ben zu haben. Er wird nur mehr als eine Begleitperson Modrows bei dessen Tref- 9 Ausgelassen wurden die Abschnitte „2) Bilaterale Aspekte“ und „3) KSZE-Prozess, KSE-Ab- kommen“, die vor allem darauf verwiesen, dass hierüber separat berichtet würde. 10 Dieser Satz wurde im BMAA am Seitenrand handschriftlich markiert. Vermutlich war damit der gesamte Absatz gemeint. 11 Der Artikel liegt dem Akt nicht bei. 12 Der Artikel liegt dem Akt nicht bei. 13 Siehe dazu Dok. 87.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Title
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Subtitle
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Editor
Michael Gehler
Maximilian Graf
Publisher
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY-ND 4.0
ISBN
978-3-666-35587-5
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
792
Categories
Geschichte Nach 1918

Table of contents

  1. Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
  2. I. Vorbemerkungen 7
  3. II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
    1. 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
    2. 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
    3. 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
    4. 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
    5. 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
  4. III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
    1. 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
    2. 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
    3. 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
    4. 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
    5. 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
    6. 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
    7. 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
    8. 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
  5. IV. Editorische Vorbemerkungen 99
    1. Verzeichnis der Dokumente 103
    2. Dokumente 111
    3. Abkürzungsverzeichnis 723
    4. Literaturverzeichnis 731
    5. Personenregister 735
    6. Sachregister 773
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