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10.4.1990: Bericht Gesandter Hoyos Dok. 143
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Dok. 143: Bericht. Genscher in Washington, 10.4.1990
Gesandter Philipp Hoyos an BMAA, Washington, 10. April 1990, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1990, GZ. 22.18.02/2.II.9/901
Aufenthalt von AM Genscher in Washington
Kurz vor Schewardnadse2 ist AM Genscher nach Washington gekommen, wo er
am 4.4. Gespräche mit Präs. Bush und Secr. Baker geführt hat. Er hat auch den
Secr. of Defense, Cheney, besucht.3 Anlass für die Reise Genschers in die USA
war ursprünglich eine Einladung der U. S. Vereinigung der Zeitungsherausge-
ber gewesen. Genscher ist einige Tage vor diesem Termin hergekommen, um
einen deutschen Input in die Gespräche der AM der USA und der UdSSR geben
zu können.
Genscher konnte die US-Seite auch über seine Gespräche mit Schewardnadse
bei den Unabhängigkeitsfeiern in Namibia4 und über die sowjet. Forderung
nach einem Abbau der Bundeswehr informieren.5
Lt. hiesiger deutscher Botschaft ging es Genscher in erster Linie darum, eine
Übereinstimmung der Auffassungen bezüglich des prozeduralen Ablaufs der
2+4-Verhandlungen mit den USA zu erzielen. Dies sei gelungen.
1 Der Bericht erging als Fernschreiben Nr. 25089 an das BMAA und war an das Kabinett des
Bundesministers, das Generalsekretariat und die Sektion II gerichtet. Dort wurde er vom
Leiter der Abteilung II.9 Anton Prohaska in Bearbeitung genommen, der am 10. April seine
Weiterleitung mit Zirkulardepesche Nr. 85251 an die österreichischen Botschaften in Bonn,
Paris, Moskau und London verfügte. Im BMAA erging eine „Kopie f. Handakt“ an den
Leiter der Abteilung II.1 Gesandten Johann Plattner vor, der den Bericht am 17. April 1990
abzeichnete.
2 Schewardnadse hielt sich vom 3. bis 6. April 1990 in Washington auf, wo er mit dem Außen-
minister Baker zu Gesprächen zusammentraf. Siehe Dokument 93, in: The Last Superpower
Summits. Zum Thema deutsche Einheit wurde im BMAA festgehalten: „Für SU ist Nato-
mitgliedschaft nicht denkbar, wenn auch für sie Neutralität nicht mehr die einzige Ant-
wort darstellt. US warnte vor Sonderbehandlung Deutschlands und ist der Auffassung, daß
Natomitgliedschaft langfristig beste Garantie für Stabilität in Europa sei. Auch 2+4 Mecha-
nismus ist für US nicht einziges ausschließliches Forum für die Behandlung sowjetischer Si-
cherheitsanliegen.“ Information, Anton Prohaska, Wien, 17. April 1990, ÖStA, AdR, BMAA,
II-Pol. 1989, GZ. 225.18.10/4-II.9/90.
3 Richard Cheney, Verteidigungsminister der USA (1989–1993), siehe Personenregister mit
Funktionsangaben. Genscher hielt sich vom 4. bis 6. April in Washington auf. Zum Gespräch
Genschers mit Bush am 4. April siehe Dokument 79, in: Die Einheit.
4 Anlässlich der Unabhängigkeit des Staates Namibia trafen sich u. a. die Außenminister Gen-
scher, Baker und Schewardnadse in Windhuk am 22. März 1990. Siehe Dok. 139, Anm. 5.
5 Die sowjetische Seite hatte sich „nach den Konsequenzen für die Stärke der deutschen Truppen
und die westlichen Truppen in der Bundesrepublik“ erkundigt. Genscher hatte diese Frage als
berechtigt bezeichnet, ihre Lösung fiel aber in den Rahmen der KSE-Verhandlungen in Wien
und nicht in jenen der 2+4-Verhandlungen Vgl. Dokument 79, in: Die Einheit.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Title
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Subtitle
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Editor
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 792
- Categories
- Geschichte Nach 1918
Table of contents
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99