Herren von Ems

Wappen der Herren von Ems in Scheiblers Wappenbuch von 1450

Die Herren von Ems, später von Hohenems (ab 1560 Grafen), waren ein Adels- und Rittergeschlecht in Vorarlberg.

Inhaltsverzeichnis

Familiengeschichte

Die Herren von Ems waren neben den Grafen von Montfort das bedeutendste Adelsgeschlecht in Vorarlberg.[1] Die Familie lässt sich urkundlich bis in das Jahr 1170 zurückführen. 1160 wird ein Hainricus de Amedes (Amides, Ems) als Zeuge in einer Urkunde erwähnt. Die Brüder „Rudolfus et Goswinus de Amides“ tauchen nach 1170 als Ministerialen des Staufers Friedrich von Schwaben auf.[2] Erst welfische, dann staufische Ministeriale, kontrollierten sie das Rheintal von Vaduz bis zum Bodensee.

Der geblendete, entmannte Wilhelm III. von Sizilien, der letzte Normannenkönig aus dem Hause Hauteville, wurde ab 1195 bis zu seinem Tod im Alter von 13 Jahren auf der Burg Alt-Ems von den Herren von Ems gefangengehalten.[3]

Zwischen 1206 und 1207 wurde der Erzbischof von Köln Bruno IV. von Sayn auf der Burg Alt-Ems gefangen gehalten.

Dem Flecken Ems, wurde vom Kaiser Ludwig dem Bayer 1333 die Rechte und Freiheiten der Reichsstadt Lindau verliehen, was aber von den Herren von Ems nie umgesetzt werden konnte.

Gegenläufig zum allgemeinen Verfall des Ritteradels gelang es den Herren von Ems, seit einer Heiratsverbindung mit den Medici - 1560 zu Grafen zu Hohenems erhoben - ihre Herrschaft und reichsunmittelbare Position auszubauen.

Diesen Aufstieg verdankt das Geschlecht der Tätigkeit seiner Mitglieder in österreichischen Diensten. Darüber hinaus gelang es den Emsern, durch Darlehen an verschiedene Kaiser und den im Gegenzug gewährten Reichspfandschaften, Hoheitsrechte in ihre Hand zu bringen.

Sie erwarben 1613 von den Grafen von Sulz die Herrschaft Vaduz und Schellenberg. Es entstanden 1646 die Herrschaften Hohenems-Lustenau und Hohenems-Vaduz. 1759 starben mit Franz Wilhelm III. die Grafen von Hohenems im Mannesstamm aus und die Landeshoheit von Hohenems kam an Österreich.

Maria Rebecca Gräfin von Harrach-Hohenems erhielt nach Staatsvertrag mit Österreich 1790 die Herrschaft Lustenau zurück. Ihre Tochter Maria Walburga Harrach heiratete Clemens Alois von Waldburg-Zeil-Hohenems (1753–1817).

Der souveräne Staat Lustenau unter den regierenden Grafen Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems fiel erst nach dem Ende des Heiligen Römischen Reich am 1. September 1806 an Bayern. 1811, beziehungsweise 1813, musste Bayern die Hoheitsrechte wieder an Waldburg-Zeil-Hohenems abtreten. Am 6. Juli 1814 richtete Österreich eine provisorische Verwaltung in Lustenau ein. Bayern, wie Waldburg-Zeil legten Protest ein. Am 14. März 1817 ging Lustenau wiederum an Waldburg-Zeil über. Angesichts finanzieller Belastungen und dem daraus folgenden hoheitsrechtlichen Verzicht von Graf Maximilian (1799–1868), wurde 1830 die Lustenauische Eigenstaatlichkeit endgültig an Österreich übertragen. Bis heute noch immer nicht geregelt ist das bestehende dingliche bzw. Eigentumsrecht zwischen Waldburg-Zeil und Österreich.

Die Herrschaft Hohenems umfasste die Schlösser Alt-Ems (seit ca. 1240) und Neu-Ems (seit 1343), den Oberdorfer Thurn (seit 1465) in Dornbirn und Schloss Vaduz (seit 1613). Die Orte Dornbirn, Widnau-Haslach, seit 1578 die Grafschaft Gallara bei Mailand, die Grafschaft Vaduz und Herrschaft Schellenberg seit 1613 (seit 1699 u. 1712 als Liechtenstein), die Herrschaften Lustenau in Vorarlberg, Widnau in der Schweiz sowie Polička, Bonna, Trepien, Laubendorf und Bistrau in Böhmen.

Wappen

Das Wappen der Herren von Ems zeigt einen Steinbock auf blauem Schild.

Das Wappen lebt im heutigen Gemeindewappen der Stadt Hohenems fort. Die Verleihung des Gemeindewappens durch die Vorarlberger Landesregierung erfolgte am 29. September 1928.

Personen

Marx Sittich von Embs zu der Hohen Embs Ritter und Obrister
Kaspar von Hohenems
  • Rudolf von Ems (* um 1200; † um 1254), Dichter[4]
  • Ritter Ulrich I. von Ems, erbaute 1343 Schloss Glopper
  • Ritter Ulrich II. von Ems, der Reiche: Er kaufte am 21. Mai 1388 vom Weingartner Abt Ludwig um 300 Pfund Haller den Kirchensatz und das Widum zu Dornbirn
  • Merk (Marx) Sittich I. von Ems (* 1466; † 1533): Als Feldherr des Schwäbischen Bundes besiegte er 1525 im Bauernkrieg die aufrührerischen Bauern am Bodensee.[5] Er kämpfte auch neben Landesknechtführer Frundsberg und Truchsess Georg von Waldburg („Bauernjörg“) in den Schwabenkriegen sowie in Norditalien. Während seiner Feldzüge in Italien gelang es ihm, einen seiner Söhne, Wolf-Dietrich, mit einer Schwester Papstes Pius IV. zu verehelichen. Damit begann ein steiler Aufstieg der Macht- und Familienpolitik der Emser.
  • Wolf-Dietrich von Ems (*1507; † 1538) ∞ Clara von Medici, Schwester Papstes Pius IV.
  • Georg Sigmund von Ems (*1494; † 1547): Der Konstanzer Domherr, ein Sohn Merk Sittichs I., war 1532 von König Ferdinand I. zum Kandidaten für das Bischofsamt in Konstanz ausersehen, und als Papstnepoten war der weitere Aufstieg der Familie endgültig gesichert
  • Jakob Hannibal von Hohenems (* 1530; † 1587): Reichsgraf von Hohenems, Führer der vatikanischen Truppen, später päpstlicher Legat
  • Markus Sittikus (III.) von Hohenems (* 1533; † 1595): Bischof von Konstanz, Kardinal, Erbauer des Palazzo Altemps in Rom und der Villa Mondragone
  • Kaspar von Hohenems (* 1573; † 1640): Reichsgraf von Hohenems, Auftraggeber der Emser Chronik
  • Markus Sittikus (IV.) von Hohenems (* 1574; † 1619): Erzbischof von Salzburg, Erbauer von Schloss Hellbrunn in Salzburg

Burgen und Schlösser

Alt-Ems

Hauptartikel: Alt-Ems

Diese Burganlage bei Hohenems in Vorarlberg war in 740 Metern Meereshöhe, etwa 300 Meter über dem Rheintal auf dem senkrecht aufsteigenden Felsrücken gelegen.

Die ursprünglich welfische und ab 1179/1191 staufische Burg war im Besitz der Ministerialien von Ems und seit Ende des 12. Jahrhunderts gehörte die Burg Alt-Ems zu den mächtigsten und größten Burganlagen im gesamten süddeutschen Raum.
Die Stauferfestung diente unter anderem als Verwahrungsort für prominente Gefangene wie ab 1195 Wilhelm III. (Sizilien) oder im Jahr 1206 Erzbischof Bruno von Köln.

1406 wurde die Burganlage im Appenzellerkrieg zerstört.

Schloss Glopper

Burg Neu-Ems (Schloss Glopper)

Hauptartikel: Burg Neu-Ems

Im Jahre 1343 erbaute Ritter Ulrich I. von Ems mit Genehmigung Kaiser Ludwigs des Bayern auf dem Bergrücken des Rheintales in Emsreute, nahe seiner Feste Alt-Ems eine neue Burg, um seiner vielköpfigen Familie in unruhiger Zeit einen festen Hort zu schaffen. 1407 im Appenzellerkrieg wurde die Burg der einstigen Grafen von Hohenems erstmals zerstört und geich wieder aufgebaut.

1603 wurde eine Kapelle im Erdgeschoß eingerichtet, von der heute bis auf zwei Spitzbogenfenster in der Nordwand keine Reste mehr erhalten sind. Der frühere Flügelaltar dieser Kapelle (Antwerpener Meister, um 1515–1520) ist seit 1835 im Tiroler Landesmuseum. Seit 1843 befindet sich dieses außergewöhnlich einheitliche Bauensemble aus kleinräumiger Hochburg mit bergfriedartigem Bollwerk, angebautem Palas und tiefer gelegener Vorburg in Privatbesitz der Familie Waldburg-Zeil.

Palast Hohenems

Palast Hohenems

Hauptartikel: Palast Hohenems

Der Palast Hohenems wurde 1562 bis 1567 im Tal unterhalb der Burg Alt-Ems erbaut und war das Residenzschloss der Grafen von Hohenems. Der Palast ist heute in Privatbesitz der Nachkommen der gräflichen Familie.

Literatur

Weblinks

 Commons: Haus Hohenems – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Grafen von Hohenems (in der Vorarlberg-Chronik)
  2. Bundesdenkmalamt (BDA) A-1010 Wien, Hofburg (abgerufen am 10. Februar 2010)
  3. Die Grafen von Hohenems, Land Vorarlberg (abgerufen 10. Februar 2010)
  4. Eintrag zu Rudolf von Ems in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (auf AEIOU)
  5. Die nördliche Hälfte der Herrschaft Bregenz wird österreichisch  (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv) [1] [2] Vorlage:Toter Link/www.bregenz.at