Lustenau

Dieser Artikel behandelt die in Vorarlberg gelegene Marktgemeinde Lustenau. Für den gleichnamigen Stadtteil der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz siehe Lustenau (Linz).
Lustenau
Wappen von Lustenau
Lustenau (Österreich)
Lustenau
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Vorarlberg
Politischer Bezirk: Dornbirn
Kfz-Kennzeichen: DO
Fläche: 22,25 km²
Koordinaten: 47° 26′ N, 9° 40′ O47.4297222222229.6597222222222404Koordinaten: 47° 25′ 47″ N, 9° 39′ 35″ O
Höhe: 404 m ü. A.
Einwohner: 21.408 (30. Sep. 2012)
Bevölkerungsdichte: 962,16 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 6890, 6893
Vorwahl: 05577
Gemeindekennziffer: 8 03 03
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 1
6890 Lustenau
Website: www.lustenau.at
Politik
Bürgermeister: Kurt Fischer (ÖVP)
Gemeindevertretung: (2010)
(36 Mitglieder)
19 ÖVP,
11 FPÖ und Parteifreie,
4 Grüne,
2 SPÖ und Unabhängige
Lage der Marktgemeinde Lustenau im Bezirk Dornbirn
Dornbirn Hohenems Lustenau VorarlbergLage der Gemeinde Lustenau im Bezirk Dornbirn (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Lustenau ist mit 21.408 Einwohnern (Stand 30. September 2012) die einwohnerreichste Marktgemeinde Österreichs und liegt im Westen des Bundeslandes Vorarlberg. Die im 19. Jahrhundert agrarisch geprägte Gemeinde wurde im 20. Jahrhundert zu einem Zentrum der Vorarlberger Stickereiindustrie und ist heute eine wichtige Grenzgemeinde zur Schweiz und Industriestandort.

Bis 1806 war Lustenau ein freier Reichshof des Heiligen Römischen Reichs und wurde nach dessen Auflösung für kurze Zeit ein unabhängiger Staat. Erst 1830 kam Lustenau endgültig zu Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Lustenau liegt am östlichen Ufer des Alpenrheins, im unteren Vorarlberger Rheintal. Die allgemeine Seehöhe beträgt 404 m ü. A.. Da Lustenau gänzlich in Tallage liegt, gibt es keine gravierenden natürlichen Erhöhungen.

Ausdehnung des Gemeindegebiets

Im Westen wird Lustenau vom Alpenrhein begrenzt

Von Norden nach Süden erstreckt sich das Gemeindegebiet über circa 8,5 km, von Westen nach Osten über ungefähr 4 km. Im Westen wird Lustenau vom Rhein begrenzt, im Nordosten von der Dornbirner Ach und dem Vorarlberger Rheintal-Binnenkanal.

Gliederung der Gemeinde

Ursprünglich existierten im Reichshof Lustenau die sieben größeren besiedelten Parzellen Hag, Rheindorf, Weiler, Stalden, Holz, Grindel und Wiesenrain, die jedoch im 20. Jahrhundert durch die zunehmende Zersiedelung zusammenwuchsen und mittlerweile nicht mehr klar abgrenzbar sind. Heute wird Lustenau, analog zu den Pfarrgemeinden, meist in Rheindorf, Kirchdorf und Hasenfeld eingeteilt. Dabei handelt es sich aber nicht um Katastralgemeinden oder Gemeindebezirke im rechtlichen Sinne.

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden von Lustenau sind (im Uhrzeigersinn): Höchst, Fußach, Lauterach, Dornbirn, Hohenems, Diepoldsau (CH), Widnau (CH), Au (CH) und St. Margrethen (CH).

Geologie

Das Gemeindegebiet von Lustenau liegt in einer relativ jungen mit Lockergestein gefüllten Wanne. Diese Wanne stellt innerhalb der Alpen einen morphologischen Fremdkörper dar und wurde deshalb als geografische Grenze zwischen Ost- und Westalpen gewählt. So ergaben Sondierungsbohrungen in Lustenau, dass die Felskante 200 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Der Alpenrhein als treibende Kraft im Rheintal hatte sein Delta vor etwa 4.000 Jahren noch auf der Höhe von Lustenau (die südlich gelegenen Teilseen waren zu diesem Zeitpunkt bereits verfüllt).

Während sich der Rhein innerhalb natürlicher Dämme weiter nach Norden vorbaute, entstanden seitlich dazu flache aber ausgedehnte Restseen. In ihnen wurden Schwebstoffe des Rheins abgelagert, es entstand ein Untergrund aus sehr feinen und damit wasserstauenden Seetonen. Die endgültige Verlandung der Restseen erfolgte durch die intensiv wachsende Sumpfvegetation, die schließlich zur Bildung ausgedehnter Torfmoore führte. Wie alte Landkarten bezeugen, bleiben diese „Hinterwässer“ bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Die Flurnamen „Seelache“ und „Vorsee“ erinnern noch heute an jene verschwundene Landschaft. Der Verlandungskörper in Lustenau besteht entlang des Rheins aus lehmigem Feinsand, in der Gemeindemitte aus Lehm und an den östlichen Gemeindegrenzen aus Torf.

Geschichte

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde im Rheinbett ein neolithisches Steinbeil aus Diorit gefunden. Es zählt zu den ältesten Funden Lustenaus.

Römerzeit

Im Jahr 1813 wurden in Lustenau beim Torfgraben römische Münzen entdeckt. Dies war die erste dokumentierte Entdeckung eines römischen Münzhortes auf dem Gebiet des heutigen Vorarlbergs. Sämtliche gefundenen Münzen gelten heute als verschollen. Die Dokumentation dieses Fundes wurde wissenschaftlich nur unzureichend vorgenommen, sodass es heute beinahe unmöglich ist die Münzen korrekt zu datieren. Höchstwahrscheinlich stammen sie aber aus der Regierungszeit des Kaisers Constantius II..

Lange Zeit wurde dieser Münzfund als Beweis angesehen, dass sich eine Schlacht des Jahres 355, zwischen den Truppen Kaiser Constantius II. und den alemannischen Lentiensern, auf dem Gebiet Lustenaus abgespielt hätte. Allerdings ist diese These heute wissenschaftlich nicht mehr haltbar. Auch später wurden noch zahlreiche römische Münzen gefunden; auch diese Funde wurden kaum bis gar nicht dokumentiert.

Mittelalter

Erste urkundliche Erwähnung Lustenaus

Ein vom karolingischen Kaiser Karl III. (dem Dicken) in „Lustenoua“ am 24. Juli 887 unterzeichnetes Schriftstück stellt die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung des Namens „Lustenau“ dar. Die Karolinger mussten, um ihre Herrschaftsansprüche und Rechte geltend zu machen, im gesamten Frankenreich umherreisen. Zu diesem Zwecke errichteten sie Gehöfte, auch Pfalz genannt, von welchen sie wechselhaft ihr Reich regierten. Der Reichshof Lustenau stellte, zumindest unter der Herrschaft von Kaiser Karl III., eine solche Pfalz dar.

Im Jahre 888 (nach anderen Quellen 890) schenkte König Arnulf von Kärnten, nachdem er die Macht im Ostfrankenreich erlangt hatte, den Reichshof Lustenau dem Grafen des Linz- und Argengaus, Ulrich IV aus dem Geschlecht der Udalrichinger, der in Buchhorn (dem heutigen Friedrichshafen) residierte. Dieser vererbte den Hof an seine Nachkommen, die Grafen von Bregenz.

Lustenau fiel im späteren 12. Jahrhundert wieder zurück ans Reich. Im Jahr 1323 befand sich Lustenau im Pfandbesitz der Grafen von Werdenberg, Kaiser Ludwig IV. (der Bayer) bestätigte aber 1334 den Status der Lustenauer als freie Reichsleute.

Lustenau im Besitz der Grafen von Hohenems

Am 20. April 1395 verpfändeten die Werdenberger um 5300 Pfund Heller den Hof Lustenau mit allen damit verbundenen Rechten an Ritter Ulrich II. von Ems. Die Ritter von Ems wandelten den Pfand am 2. März 1526 in einen Kauf um, wurden 1560 in den Reichsgrafenstand erhoben und nannten sich in der Folge Grafen von Hohenems. Am 6. Jänner 1593 wurde das linksrheinische Widnau-Haslach (das Gebiet der heutigen Gemeinden Widnau, Schmitter und Au) von Lustenau abgeteilt, erhielt aber aufgrund der ungleichen Flächenverteilung auch Grundbesitz auf der rechtsrheinischen Seite zugesprochen, das sogenannte Schweizer Ried.

Aufgrund derselben Obrigkeitsverhältnisse galten in Lustenau ähnliche Toleranzbestimmungen für Juden wie in Hohenems. Zwar ließen sich keine Juden im Reichshof nieder, aber sie traten in umfangreichen Ausmaß als Händler und Geldgeber auf. Auch einige Grundstückskäufe und -verkäufe sind dokumentiert. Neben Hohenems war Lustenau das wichtigste jüdische Handelszentrum der Region in der Neuzeit. Daneben bestanden zahlreiche persönliche Kontakte. So dürfte etwa die Rettung der jüdischen Schule in Hohenems auf eine Fürsprache des Lustenauer Pfarrers Franz Joseph Rosenlärcher zurückgehen, welcher 1820 schrieb, die jüdische-deutsche Schule zeichne sich „in allen für die deutschen Schulen allerhöchst vorgeschrieben Lehrgegenständen […] trefflich aus.“[1]

Als am 6. November 1759 mit Franz Wilhelm III. die männliche Linie der Grafen von Hohenems ausstarb, fiel die Grafschaft Hohenems als erledigtes Reichslehen an das Reich zurück, während Lustenau als Allodbesitz auch in weiblicher Linie vererbt werden konnte. Gräfin Maria Rebekka von Harrach-Hohenems und Rohrau, Tochter Franz Wilhelms, musste ihr Erbe von 1766 bis 1786 vor dem Reichshofrat in Wien gegen Besitzansprüche Österreichs verteidigen. Am 22. März 1790 wurde ein Staatsvertrag zwischen Österreich und Lustenau ratifiziert, in dem Österreich Lustenau als selbständiges Gebiet im Eigentum der Gräfin Maria Rebekka anerkannte.

Lustenau wird Teil von Österreich

Zwar fiel im Pressburger Frieden am 26. Dezember 1805 Vorarlberg an Bayern, Lustenau war aber ausgeklammert, da es sich nicht im Besitz der Habsburger befand und keine Enklave war. Am 18. April 1806 verstarb Gräfin Maria Rebekka von Harrach-Hohenems und vererbte Lustenau an ihre Tochter Maria Walburga.

Nachdem Franz II. am 6. August 1806 die Kaiserkrone niederlegte und damit das Ende des Heiligen Römischen Reiches besiegelte, wurde Lustenau für 26 Tage ein vollkommen selbständiger Staat unter der Herrschaft der Gräfin Maria Walburga. Am 1. September 1806 unterwarf Bayern die Grafschaft Lustenau, die aber vorläufig im Besitz der Gräfin Maria Walburga blieb. 1809 beschlagnahmte der König von Bayern Lustenau, gab aber 1811 die Eigentumsrechte und die niedere Gerichtsbarkeit gegen eine Zahlung von 300 Gulden an die Gräfin zurück. 1813 verkaufte diese Lustenau an ihren Gatten Graf Clemens Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems.

Als Vorarlberg 1814 zurück an Österreich fiel, blieb Lustenau vorerst bayrisch, da es ja immer noch nicht zu Vorarlberg gehörte. Österreichisches Militär besetzte daraufhin Lustenau, erkannte aber die Patrimonialgerichtsbarkeit des Grafen Clemens an. Als dieser am 10. März 1817 verstarb, erbte sein Adoptivsohn Maximilian dieses Recht und bot schließlich 1827 seinen Verzicht an. Mit der Annahme des Verzichtes durch Österreich und der Übergabe der Gerichtsakten am 22. März 1830 wurde Lustenau endgültig österreichisch.

1834 wurde die bereits 1806 beschlossene Aufteilung der Gemeindegründe (Allmende) auf die Einwohner von Lustenau durchgeführt. Aus dem Widerstand gegen den von 1824 bis 1831 und von 1834 bis 1860 amtierenden Gemeindevorsteher Josef Fitz und der daraus resultierenden Spaltung in eine liberale „Alte Partei“ (seiner Anhänger) und eine christlichsoziale „Neuen Partei“ (seiner Gegner) entstand das in Lustenau lange vorherrschende Zweiparteiensystem.

Rheinregulierung und Aufstieg Lustenaus zur Stickereihochburg

Hochwasser beim Gasthaus Engel in Lustenau, 1868

Im 19. Jahrhundert wurde Lustenau regelmäßig Opfer des Hochwasser führenden Rheins. Durchschnittlich alle vier Jahre kam es zu einer Hochwasserkatastrophe. Zu dieser Zeit waren die Gemeinden noch selber für den Hochwasserschutz zuständig, sodass die Bürger zu Frondiensten im Wasserschutz herangezogen wurden.

Die ab dem Ende des 19. Jahrhunderts schrittweise umgesetzte Rheinregulierung setzte den regelmäßigen Überschwemmungen und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein Ende und stellte somit eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung in Lustenau dar.

Zur selben Zeit erlebte die Stickereiindustrie ihre erste Hochblüte. Am 13. Juni 1902, zu einem Zeitpunkt, als Lustenau nach Dornbirn und Bregenz die drittgrößte Gemeinde Vorarlbergs war, erhob Kaiser Franz Joseph den Ort zur Marktgemeinde. Zum Land Vorarlberg gehört Lustenau seit dessen Gründung 1861.

Ständestaat

Am 2. Jänner 1931 wurde in Lustenau eine Ortsgruppe der NSDAP-Österreich („Hitlerbewegung“) gegründet, welche in Folge zahlreiche Veranstaltungen abhielt, darunter am 2. August 1932 eine Veranstaltung zum Thema „Das Dritte Reich“.

Im Herbst 1931 fanden mehrere kommunistische Versammlungen statt, auch unter Teilnahme von russischen Kommunisten. Im Frühjahr 1932 gründete sich daraufhin eine Ortsgruppe der KPÖ. Bei den Landtagswahlen vom 6. November 1932 erreichte die KPÖ 4,3 % der Stimmen in Lustenau. Auf die NSDAP entfielen 14,4 % der Stimmen.

Als am 19. Juni 1933 die NSDAP in ganz Österreich verboten wurde, existierten in Lustenau zahlreiche Parteigliederungen, unter anderem SS mit 4 Mitgliedern, SA mit 90 Mitgliedern, HJ mit 19 Mitgliedern, sowie diverse andere Untergliederungen. Als Reaktion auf das Verbot kam es am darauffolgenden Tag zu einer Demonstration von 200 Nationalsozialisten auf dem Kirchplatz, welche von der Gendarmerie aufgelöst wurde. In den Monaten darauf folgten zahlreiche Anschläge der illegalen NSDAP auf Institutionen und Anhänger des austrofaschistischen Ständestaats, darunter ein Sprengstoffanschlag auf den Lustenauer Heimwehrführer. Die Jahn-Turnhalle entwickelte sich zu einem Versammlungsort der Nationalsozialisten, sodass sie mehrmals von der Gendarmerie gestürmt wurde und kurzfristig sogar vom Bundesheer besetzt wurde.

Schon vor der NSDAP war am 26. Mai 1933 die KPÖ verboten worden. Mehrere Lustenauer wurden daraufhin vom Ständestaat wegen angeblicher oder tatsächlicher „kommunistischer Betätigung" verhaftet. Daraufhin kam es zur Bildung einer illegalen kommunistischen Gruppe in Lustenau, welche sich in vier Zellen gliederte. Die personelle Stärke dieser Gruppe blieb allerdings relativ gering.

Lustenau im Nationalsozialismus

Am 12. März 1938 erhielt Lustenau einen kommissarisch eingesetzten NS-Bürgermeister. Mit mehreren Großkundgebungen versuchte die NSDAP Stimmung für die kommende Abstimmung über den „Anschluss“ an das Deutsche Reich zu machen. Am 10. April 1938 votierten 98,9 % der Lustenauer Wahlberechtigten für den Anschluss an das Deutsche Reich

In Lustenau wurden zwei NSDAP Ortsgruppen eingerichtet, Ortsgruppe Kirchdorf und Ortsgruppe Rheindorf. In Folge gründeten sich mehrere Gliederungen der NSDAP, darunter ein NS Fliegerkorps mit gut 70 Mitgliedern. Das Theresienheim der Pfarre Kirchdorf wurde beschlagnahmt und in ein SS-Heim umgewandelt. Im Herbst 1939 nahmen die Optischen Werke C. A. Steinheil & Söhne aus München die Produktion von Zielgeräten für Kampfflugzeuge in Lustenau auf. Am 9. September 1940 kam es zum ersten Bombenangriff durch einen britischen Bomber auf Lustenau, allerdings blieben die Schäden relativ gering. Im Frühjahr 1942 wurde ein Zwangsarbeiterlager in Lustenau errichtet. Die Zwangsarbeiter wurden sowohl zu Arbeiten für die Gemeinde, als auch für die Optischen Werke eingesetzt. Im Herbst 1943 „beschäftigten“ bereits 81 Betriebe ZwangsarbeiterInnen.

Viele Lustenauer und Lustenauerinnen kamen aus den unterschiedlichsten Gründen in Gestapo-Haft oder wurden in Konzentrationslagern inhaftiert und zu Tode gebracht. Im April 1942 wurde der Schulwart Anton Hofer ins KZ Dachau eingeliefert und dort ermordet. Im Juli 1944 wird der Zöllner Hugo Paterno wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ hingerichtet. Es kam sowohl zu Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche und Exponenten des ehemaligen Ständestaates als auch zur Verfolgung von sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern.

Ähnlich wie in anderen Gemeinden und Städten verfolgten die Nationalsozialisten auch in Lustenau große Ausbaupläne, welche aber in der Praxis nie wirklich umgesetzt wurden. So planten die Machthaber den Lustenauer Bahnhof als „Tor zu Bayern“ und „Visitenkarte Deutschlands“ sechsgleisig auszubauen. Auch von einem Landesstadion war damals die Rede. Beide Projekte wurden nicht realisiert. Auch der Friedhof der Pfarre Kirchdorf im Gemeindezentrum sollte durch einen Aufmarschplatz ersetzt werden und das Zentrum großzügig umgestalten. Auch dieses Projekt kam nicht über das Planungsstadium hinaus.

Am 1. Mai 1945 kam es zum Angriff von französischen Tieffliegern, am selben Tag noch wurden weiße Flaggen gehisst. Nachdem bekannt wurde, dass eine SS Einheit unterwegs nach Lustenau war, wurden die Flaggen eingeholt. Am 2. Mai 1945 rückten französische Truppen nach Lustenau ein.

Lustenau in der Zweiten Republik

In den ersten demokratischen Nationalratswahlen nach dem Krieg, erreichte die ÖVP in Lustenau 62 % aller Stimmen. Bei der Wahl 1960 schaffte die FPÖ unter Robert Bösch die Wende. Für die nächsten 50 Jahre wurde Lustenau durchgehend von freiheitlichen Bürgermeistern und einer freiheitlichen Mehrheit in der Gemeindevertretung regiert. Lustenau bekam den Ruf eine freiheitliche Erbpacht zu sein, auch wenn bei überregionalen Wahlen stets die ÖVP die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Im Jahr 2000 verlor die FPÖ die absolute Mehrheit im Rathaus. Bei den Bürgermeisterwahlen 2010 gewann mit Kurt Fischer, erstmals nach 50 Jahren, wieder ein Kandidat der ÖVP im ersten Wahlgang das Bürgermeisteramt. In der zeitgleich abgehaltenen Gemeindevertretungswahl schaffte die ÖVP einen Erdrutschsieg und gewann die absolute Mehrheit.

Im Jahr 1969 wurde die Gemeinde im Zuge der Bezirksreform Teil des neugegründeten Bezirkes Dornbirn, davor gehörte sie zum Bezirk Feldkirch.

Die Strukturkrise der Textil- und Stickereiindustrie gegen Ende des 20. Jahrhunderts brachte große Veränderungen für die Gemeinde mit sich. Wirtschaftlich gelang es Lustenau sich seitdem als Standort für Betriebe aus dem Bereich der Hochtechnologie zu positionieren.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Lustenaus spricht überwiegend einen markanten alemannischen Dialekt. Das Lustenauerische unterscheidet sich stark von den im Rest Vorarlbergs gesprochenen Dialekten, wird aber von einem stetig sinkenden Teil der Bevölkerung gesprochen. Abgrenzungsmerkmal zu den umliegenden Dialekten ist vor allem die Verwendung von Triphthongen (z.B. Wäiög - Weg, schöüö - schön, Weiöntr - Winter, Gauöß - Geiß) und eines eingeschobenen „n“ in zahlreichen Wörtern (Muns - Muus (Vorarlbergisch) - Maus). Vermutlich geht der eigentümliche Dialekt noch auf Lustenaus Rolle als Reichshof und die daraus resultierende Isolation von der Umgebung zurück.

Die blühende Stickereiindustrie hatte im 20. Jahrhundert eine starke Zuwanderungsbewegung aus der Türkei zur Folge. Der Anteil ausländischer Staatsbürger ist jedoch inzwischen wieder rückgängig. Betrug er 1990 noch 18,8%, so war er 2002 auf 16,0% und 2010 auf 14,9% gesunken.

Bevölkerungsentwicklung


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

  • Das Museum Rhein Schauen zeigt die Geschichte der Rheinregulierung.
  • Dem hohen Stellenwert der Stickereiindustrie in Lustenau wird durch das Stickereimuseum Rechnung getragen.
  • Die Galerie Stephanie Hollenstein beherbergt über 1000 Exponate aus dem Nachlass der expressionistischen Künstlerin Stephanie Hollenstein.
  • Im Radiomuseum sind rund 400 Objekte, von den ersten Empfängern bis zu modernen Geräten, ausgestellt.

Musik

Der Ortspfarrer von Lustenau und spätere Dekan Franz Joseph Rosenlächer gab nicht nur den Anstoß zur Pflege der Kirchenmusik, sondern auch zur weltlichen Musik, zumindest zur Pflege der Blasmusik in Lustenau. Das Vorarlberger Blasmusikwesen hatte seine Vorbilder in der Schweiz und im Bodenseeraum. Im Jahr 1819 wurde im Schweizer Ort Berneck ein Musikverein gegründet. Im selben Jahr wird von Pfarrer Rosenlächer in die Pfarrchronik folgende Eintragung gemacht: „Im September 1819 munterte ich mehrere hiesige Jünglinge auf, bei einem dafür angetragenen Musikmeister den kommenden Winter über Musik zu erlernen, was von diesen gern angenommen wurde.“ Zwei Jahre später ist in der Pfarrchronik zu lesen: „Den 21. Juni 1821, am Fest Corpus Christi, hat die hiesige Musik- und Schützengesellschaft sich zum ersten Mal in türkischer Musik produziert.“ Dies war das Gründungsjahr des Musikverein Harmonie Lustenau.

Im Jahr 1886 folgte die Gründung eines zweiten Musikvereines, des Musikverein Cäcilia Lustenau. Grund waren politische Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Alten Partei (Liberal) und Anhängern der Neuen Partei (Christlichsozial), woraufhin letztere den neuen Verein gründeten. Nachdem die „Cäcilia“ im Jahr 1938 aus politischen Gründen von der NSDAP aufgelöst worden war, kam es 1947 zur Neugründung des Vereins unter dem neutralen Namen Musikverein Lustenau, dem sowohl Musikanten der „Harmonie“, als auch der „Cäcilia“ angehörten.

Bereits im Jahre 1899 war es zur Gründung eines dritten Musikvereines gekommen, dem Musikverein Concordia Lustenau, nachdem sich in der Bevölkerung des Ortsteiles Rheindorf immer mehr der Wunsch nach einer eigenen Musikkapelle geregt hatte.

Bauwerke

Kirchen und Kapellen

Pfarrkirche St. Peter und Paul
Lorettokapelle
Erlöserkirche

Lustenau wurde bis ins 20. Jahrhundert wiederholt Opfer des Hochwasser führenden Rheins. Die ältesten Kirchen wurden 1206 und 1548 durch Hochwasser zerstört. Daraufhin wurden Kirchen aus Holz errichtet.

Der älteste erhaltene Sakralbau Lustenaus ist die barocke Lorettokapelle, die 1645 von der Familie des Hofamann Hagen gestiftet wurde. Die kleine Kapelle gehört heute zur Pfarrgemeinde Rheindorf.

Im Jahr 1832 wurde der Neubau der Pfarrkirche St. Peter und Paul nach Plänen von Alois Negrelli errichtet. 1872 bis 1875 wurde sie in eine Hallenkirche mit Flachdecken verändert und 1951 bis 1954 wurde sie nach Plänen von Otto Linder renoviert. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche beim vorerst letzten Umbau 1991. Dieser radikalen Renovierung und Modernisierung gingen große Streitigkeiten innerhalb der Pfarrgemeinde voraus.

Von 1898 bis 1901 wurde die St. Antoniuskapelle am Wiesenrain errichtet.

Mit der Erlöserkirche, die zwischen 1933 und 1935 nach Plänen von Willibald Braun und Emanuel Thurnherr gebaut wurde, erhielt der nördliche Teil Lustenaus („Rheindorf“) eine eigene Pfarrei. Damals wurde bereits eine Orientierung der zukünftigen Gemeindeentwicklung Richtung Norden erkannt.

1969 bis 1975 schließlich wurde im südlichen Teil Lustenaus, „Hasenfeld“, die Guthirtenkirche nach Plänen von Heinrich Tritthart gebaut.

Profanbauten

Kirchpark mit dem teilweise überdachten Blauen Platz

Vom Einkaufszentrum Kirchpark im Zentrum Lustenaus ragt Europas größtes ungestütztes Vordach über den Kirchplatz, der wegen seiner blauen Färbung im Volksmund Blauer Platz genannt wird. Sowohl die Errichtung des Kirchparks, als auch die Neugestaltung des Kirchplatzes wurde sehr kontrovers diskutiert. Obwohl sich in einer Volksabstimmung eine knappe Mehrheit der Bevölkerung gegen die Neugestaltungspläne votierten, wurde der Bau fortgesetzt.

Sport

In Lustenau steht ein Fußballstadion, in dem die heimischen Klubs SC Austria Lustenau und FC Lustenau 07, Vorarlbergs ältester Fußballverein, spielen. Das Reichshofstadion gilt seit 1952 als Heimstätte der Austria. Seit 2003 spielt auch der FC im Stadion, da das im Eigentum der Gemeinde stehende und bis dahin als Spielstätte des FC Lustenau genutzte Stadion an der Holzstraße nicht den Anforderungen der österreichischen Ersten Liga entsprach. Im Reichshofstadion befand sich auch eine Laufbahn, die aber einer Erweiterung der Tribünenkapazität weichen musste. Der FC und die Austria spielen beide in der zweitklassigen Ersten Liga und die Austria ist seit über 10 Jahren in Österreichs Profiligen vertreten. So stieg die Austria 1997 zum ersten Mal nach über 23 Jahren ohne Vorarlberger Beteiligung in die Bundesliga auf. Dort konnte sie sich drei Jahre lang halten.

Das Parkbad (Freibad) und die Rheinhalle (Eislauf-/Eishockeyhalle) bilden die Kernelemente des Sportzentrums Lustenau. Der Eishockeyclub Lustenau (EHC Lustenau) bestreitet seine Heimspiele in der Rheinhalle, der Handballclub Lustenau (HC Lustenau) in der Dreifach-Sporthalle des Bundesgymnasiums Lustenau, das ebenfalls im Sportzentrum beheimatet ist. In naher Zukunft steht eine Erweiterung des Sportzentrums an. Errichtet werden soll eine Leichtathletikanlage, sowie ein Sportplatz für das anliegende Bundesgymnasium. Eventuell könnte auch ein neues Fußballstadion als neue Heimstätte für den FC Lustenau 07 errichtet werden. Ein weiterer Plan sieht die Errichtung eines Budō-Zentrums für fernöstliche Kampfsportarten vor.

Im Rahmen der Weltgymnaestrada 2007 wurden im Reichshofstadion die Großgruppenvorführungen abgehalten. Nebenbei diente Lustenau als National Village für die Schweizer Athleten und Athletinnen.

Jährlich im Juni findet in Lustenau seit 1989 das Luschnouar Ironmännli statt – ein Sprint-Triathlon (500 m Schwimmen, 19,2 km Radfahren, 5,2 km Laufen). Weiters gibt es zwei Leichtathletikvereine, die Turnerschaft Lustenau sowie die Turnerschaft Jahn Lustenau.

Regelmäßige Veranstaltungen

Der Kultur- und Jugendverein „Szene Lustenau“ veranstaltet jeden Sommer mit dem Szene Openair das größte Open-Air-Festival Vorarlbergs.

Jedes Jahr am 2. Sonntag im Oktober findet die Lustenauer Kilbi statt. Die Kilbi, das Kirchweihfest der Pfarre St. Peter und Paul, ist eines der größten Volksfeste Vorarlbergs und zieht jährlich tausende Besucher an.

Von Juni bis August findet jedes Jahr die wöchentliche Veranstaltung „Sommer am Platz“ im Zentrum der Gemeinde statt. Dabei wird abwechslungsreiches musikalisches Programm geboten, das teils auch von heimischen Bands und der ansässigen Musikschule bestritten wird.

Seit 1975 finden regelmäßig Jazzkonzerte statt, veranstaltet vom Jazzclub Lustenau. So sind Weltstars wie Dexter Gordon, Michel Petrucciani oder Chet Baker schon in Lustenau aufgetreten.

Kulinarische Spezialitäten

  • Käsdönnala (außerhalb Lustenaus Käsefladen genannt) sind ein mit einer Käse-Zwiebel-Mischung belegter Hefeteig.
  • Riebel ist ein Schmarren aus Maisgrieß (selten Weizengrieß) und war im 19. Jahrhundert das Hauptnahrungsmittel der Rheintaler Bauern.
  • Mehrere Lustenauer Gasthäuser bieten von Zeit zu Zeit unter dem Titel „Alt Luschtnouar Kosch“ traditionelle Gerichte an.
  • Lustenauer Senf, ein Produkt aus traditionellem Familienbetrieb, der seit 1911 Senf in verschiedenen Variationen herstellt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Lustenau liegt abseits der Hauptverkehrsachse durch das Rheintal (BregenzDornbirnFeldkirch), ist jedoch ein wichtiger Grenzort zur Schweiz.

Straßenverkehr

Wiesenrainbrücke anlässlich der Ballontage 2008

Die Rheinstraße (L 203) durchzieht Lustenau von Süden nach Norden und stellt die Verbindung nach Hohenems und Hard dar. Die von Dornbirn kommende, außerhalb des Ortsgebiets vierspurig ausgebaute Lustenauer Straße (B 204) mündet im Süden der Gemeinde in die B 203 und zweigt nach etwa 1,7 km zur Bundesgrenze zur Schweiz ab. Die Transitroute München – Zürich führt auf diesen beiden Straßen mitten durch das Gemeindegebiet Lustenaus. Die zunehmende Belastung durch den Schwerverkehr ist zu einem stetig wachsenden Problem geworden.

Die vier Brücken über den Rhein führen (von Norden nach Süden) nach Höchst, Au (CH), Widnau (CH) und Diepoldsau (CH). Weitere wichtige Straßenverbindungen bestehen nach Dornbirn und Wolfurt.

Schienenverkehr

Bahnhof Lustenau

Der unbesetzte Bahnhof Lustenau liegt an der eingleisig ausgebauten Eisenbahnstrecke Bregenz - St. Margrethen. Während alle der stündlich zwischen Bregenz oder Lindau und St. Margrethen verkehrenden Regionalzüge im Bahnhof Lustenau halten, fahren die EuroCity-Züge der Verbindung MünchenZürich ohne Halt durch. Die Haltestelle Lustenau Markt wurde im Jahr 2011 aufgelassen.

Öffentlicher Nahverkehr

Neun Buslinien des Landbus Unterland führen durch Lustenau und ermöglichen eine umsteigefreie Fahrt nach Gaißau, Höchst, Fußach, Hard, Bregenz, Dornbirn, Hohenems, Götzis, Heerbrugg und Widnau. Daneben existieren Ortsbuslinien die vollkommen in das Landbussystem integriert sind. Wichtigster ÖPNV-Knotenpunkt ist der Bahnhof Lustenau an dem getaktete Anschlüsse in alle Richtungen bestehen.

Von 1902 bis 1938 existierte die Elektrische Bahn Dornbirn–Lustenau, das „Tram“, ehe es der Massenautomobilisierung zum Opfer fiel. Es existieren Pläne für die Neuerrichtung einer Ringstraßenbahn im unteren Rheintal. Das vorliegende Konzept würde sowohl eine Linie Lustenau – Dornbirn, sowie eine Linie Lustenau – Höchst – Bregenz vorsehen. Im Jahr 2008 wurde das Projekt für den Staatspreis für Verkehr des österreichischen Verkehrsministeriums nominiert.[2] In den 60er Jahren kursierten bereits Pläne für die Errichtung eines Trolleybusnetzes, das Lustenau mit den Nachbargemeinden verbinden hätte sollen. Derzeit favorisiert die Vorarlberger Landesregierung die Errichtung eines „Bus Rapid Transit“-Systems, das in etwa dieselben Korridore wie die Ringstraßenbahn abdecken würde.

Ansässige Unternehmen

In der Gemeinde gab es im Jahr 2003 570 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 4.964 Beschäftigten und 260 Lehrlingen. Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 8.556. Der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen an der Gesamtfläche liegt bei 58,4 %.

Industriegebiet Millennium Park

Nachdem gegen Ende des 20. Jahrhunderts die in Lustenau vorherrschende Stickereiindustrie in eine schwere Strukturkrise geraten war, wurde durch die Schaffung von Industriegebieten (Rasis Bündt, Millennium Park) und Gewerbeparks (Impulszentrum Fabrik, Life Center, vis a vis) gezielt die Ansiedlung neuer Betriebe aus den verschiedensten Branchen gefördert.

Die größten Unternehmen in Lustenau sind (nach Körperschaftsteueraufkommen, Stand Ende 2003):

  • Walter Bösch KG (Heizungs-, Reinigungs- und Klimatechnik)
  • Fulterer GmbH (Schubladenführungen)
  • Alge Elastic GmbH (Gummibandweberei)
  • KRAL AG (Pumpen und Durchflussmessgeräte)
  • NewLogic Technologies GmbH (Informationstechnologie)
  • Saeco Austria AG (Österreich-Ableger des Kaffeemaschinenherstellers)
  • SIE GmbH (Technologieunternehmen)

Bildung

Das Bundesgymnasium in Lustenau

In Lustenau gibt es fünf Volksschulen (Hasenfeld, Kirchdorf, Private Volksschule Elia, Rheindorf und Rotkreuz), drei Hauptschulen (Hasenfeld, Kirchdorf und Rheindorf) und ein Sonderpädagogisches Zentrum, sowie ein Bundesgymnasium und eine Handelsschule und Handelsakademie.

Die Rheintalische Musikschule und das Seminar für Jazz und Popmusik (Jazzseminar) sowie eine Volkshochschule ergänzen das Bildungsangebot.

Politik

Gemeindevertretung

Die Gemeindevertretung besteht aus 36 Mitgliedern. Nach der Wahl 2010 verteilen sich die Sitze wie folgt:

Gemeindevorstand

Außer Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) und Vizebürgermeister Walter Natter (ÖVP) gehören dem Gemeindevorstand seit der Wahl 2010 noch Dietmar Haller, Susanne Andexlinger, Janine Gozzi und Daniel Steinhofer von der ÖVP, Ernst Hagen, Sieglinde Maksymovicz und Wolfgang Bösch von der FPÖ und Thomas Mittelberger von den Grünen an.

Bürgermeister

Der im Jahre 1395 urkundlich erwähnte Ammann Hans Benst ist das erste bekannte Oberhaupt der Gemeinde Lustenau. Bis 1806, also solange Lustenau ein freier Reichshof war, wurden die Ammänner aufgrund von Vorschlägen der Gemeindebürger vom Landesfürsten bestimmt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich nach und nach ein demokratisches Wahlrecht, und der Begriff des „Ammanns“ wurde mit der Zeit von der Bezeichnung „Ortsvorsteher“ abgelöst. Nach der Markterhebung Lustenaus 1902 schließlich setzte sich die Amtsbezeichnung „Bürgermeister“ durch.

Die folgende Grafik zeigt die Ortsvorsteher bzw. Bürgermeister seit der Markterhebung 1902.

Kurt Fischer (ÖVP) Hans-Dieter Grabher Robert Bösch (Politiker) Ferdinand Jussel Josef Peintner Karl Bösch Josef Hollenstein

Wappen

Wappen lustenau.gif
Siegel des Hofammans Hans Hagen aus dem 17. Jhdt. Im unteren Drittel ist das Schild mit dem Wappenlöwen zu sehen.

Das Wappen der Marktgemeinde Lustenau zeigt einen gekrönten, auf den Hinterbeinen stehenden Löwen, der zwischen seinen Vorderpranken ein silbernes Schild hält, auf dem drei mit einer roten Schleife zusammengebundene Ähren abgebildet sind.

Am 14. Jänner 1902 verlieh der Staat Österreich der Gemeinde das Recht zur Führung des althergebrachten Lustenauer Wappens, welches eine Modifizierung des reichshöfischen Siegels darstellt. Der im Zentrum stehende Löwe dürfte ursprünglich aus dem Wappen des Hofamanns Mang Hagen stammen, das diesem 1599 verliehen worden war.

Auch die Krone, die der Löwe trägt, weist in die reichshöfische Zeit zurück. Die drei Ähren im Schild erinnern an die einstige Bedeutung der Landwirtschaft in Lustenau.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Prälat Friedrich Anton Eugen Hillmann (1855–1936)
  • Philipp Krapf (1854–1939), Rheinbauleiter
  • Josef Bösch (1889–1969), Altbürgermeister
  • Robert Bösch (1922–1983), Altbürgermeister
  • Dieter Alge (* 1940), Altbürgermeister
  • Hans-Dieter Grabher (* 1947), Altbürgermeister

Söhne und Töchter der Gemeinde

Literatur

  • Alfred Bösch (Redaktion); Kulturreferat der Marktgemeinde Lustenau (Hrsg.): Lustenau und seine Geschichte Band 1 – 4, Kulturreferat der Marktgemeinde Lustenau, Lustenau 1988-1996.
    • Band 1.: Alfred Bösch: Lustenau und seine Schulen 1988
    • Band 2.: Erich Schneider: Musik und Theater in Lustenau 1989. ISBN 3-900954-01-1.
    • Band 3.: Adolf Bösch: Unser Gemeindearchiv, Kirchengeschichte in Lustenau, die Flurnamen von Lustenau. 1992. ISBN 3-900954-02-X.
    • Band 4.: Adolf Bösch: Geschichten aus dem alten Lustenau 1996. ISBN 3-900954-04-6.
  • Hansgeorg Prix: Elektrische Bahn Dornbirn – Lustenau. Die EBDL 1902 - 1938, Heyn, Klagenfurt 1988, ISBN 3-85366-560-8.
  • Robert Rollinger, Franz Joseph Rosenlächer: Römische Münzen aus Lustenau und der Beginn der Beschäftigung mit der römischen Geschichte in Vorarlberg. Eine Spurensuche. In: Montfort [Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs] Heft 1, Dornbirn 2002. S. 7-31.
  • Wolfgang Scheffknecht: 100 Jahre Marktgemeinde Lustenau 1902 bis 2002. Eine Chronik. Marktgemeinde Lustenau, Lustenau 2003. ISBN 3-900954-06-2.
  • Wolfgang Scheffknecht: Modernisierung und Verbürgerlichung. Lustenau 1860 bis 1914. In: Stadt und Bürgertum im Bodenseeraum. Forschungsberichte – Fachgespräche; Dokumentation zur Internationalen Tagung „Stadt und Bürgertum im Bodenseeraum“, 6. Dornbirner Geschichtstage, 19. bis 21. November 2003. Amt der Stadt Dornbirn, Stadtarchiv, Dornbirn 2008, S. 185-209.
  • Franz Stetter: Lustenauer Sippenbuch. Von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Federsee, Bad Buchau 2000. ISBN 3-925171-46-0 (online - Version).
  • Priscilla Waldburg-Zeil: Der Palast von Hohenems Licht und Schatten. – Aus der Familiengeschichte Waldburg-Zeil-Hohenems und Schönborn-Wiesentheid, Győr, ISBN 963-86305-9-0 (496 Seiten).

Weblinks

 Commons: Lustenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Ballontage Wiesenrain 2008 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Lustenau – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. Burmeister, Karl Heinz, Die jüdische Gemeinde in Hohenems und ihre Auswirkungen auf Lustenau, Montfort 41 (3/4. Heft), 1989, S. 289 - 301
  2. Ringstrassenbahn Unterland: Staatspreis für Verkehr, 28. Januar 2009