Neckenmarkt

Neckenmarkt
Wappen von Neckenmarkt
Neckenmarkt (Österreich)
Neckenmarkt
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Oberpullendorf
Kfz-Kennzeichen: OP
Fläche: 26,9 km²
Koordinaten: 47° 36′ N, 16° 33′ O47.616.546944444444225Koordinaten: 47° 36′ 0″ N, 16° 32′ 49″ O
Höhe: 225 m ü. A.
Einwohner: 1.695 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 63,01 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7311
Vorwahl: 02610
Gemeindekennziffer: 1 08 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausgasse 1
7311 Neckenmarkt
Website: www.neckenmarkt.eu
Politik
Bürgermeister: Hans Iby (ÖVP)
Gemeinderat: (2012)
(21 Mitglieder)
13
8
13 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Neckenmarkt im Bezirk Oberpullendorf
Deutschkreutz Draßmarkt Frankenau-Unterpullendorf Großwarasdorf Horitschon Kaisersdorf Kobersdorf Lackenbach Lackendorf Lockenhaus Lutzmannsburg Mannersdorf an der Rabnitz Markt Sankt Martin Neckenmarkt Neutal Nikitsch Oberloisdorf Oberpullendorf Pilgersdorf Piringsdorf Raiding Ritzing (Burgenland) Steinberg-Dörfl Stoob Unterfrauenhaid Unterrabnitz-Schwendgraben Weingraben Weppersdorf BurgenlandLage der Gemeinde Neckenmarkt im Bezirk Oberpullendorf (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Der Fahnenschwinger von Neckenmarkt
Der Fahnenschwinger von Neckenmarkt
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Neckenmarkt (ungarisch: Sopronnyék, kroatisch: Lekindrof) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Marktgemeinde liegt im Mittelburgenland und umfasst die als Dorf bzw. Markt Ortschaften bildenden Katastralgemeinden Haschendorf sowie Neckenmarkt.[1]

Neckenmarkt zählt, wie seine Nachbargemeinden (Deutschkreutz und Horitschon), zum Blaufränkischland.

Geschichte

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Neckenmarkt dann in der Provinz Pannonia.

Erstmals urkundlich genannt wurde der Ort 1279 in einer Schenkung des Laurentius Aba an das Zisterzienser-Kloster Marienberg. Erwähnt wird auch eine Burg Eckendorf.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Nyék verwendet werden. Nach Ende des ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Als Marktgemeinde wurde Neckenmarkt erstmals 1482 urkundlich erwähnt.[2] Durch das Gemeindestrukturverbesserungsgesetz vom 1. September 1970 wurden Haschendorf und Neckenmarkt zur neuen Gemeinde Neckenmarkt vereinigt.[3] Mit Verordnung vom 24. Jänner 1973 wurde, rückwirkend mit 1. Jänner 1971, Neckenmarkt das Recht zur Führung der Bezeichnung Marktgemeinde weiterverliehen.[4]

Auf touristischem Weg nach Harka in Ungarn. Grenzübertrittspunkt bei Grenzzeichen B 41

Am 1. Dezember 2006 wurde gemäß BGBl. III Nr. 184/2006[5] auf dem nach Harka (Harkau), Ungarn, führenden touristischen Weg ein von Fußgängern und Radfahrern zu nutzender Grenzübertrittspunkt eröffnet.[6]

Brauchtum

Das Fahnenschwingen in Neckenmarkt

Im Jahre 1620 zogen die Türken zusammen mit dem siebenbürgener Fürsten Gabor Bethlen gegen Wien. In Lackenbach stellte sich ihnen Nikolaus Esterhazy mit seinen Soldaten und mit Unterstützung der kaiserlichen Kürassiere entgegen. Als die Bauern in Neckenmarkt davon hörten, brachen sie, mit Dreschflegeln und Sensen bewaffnet, auf, um ihrem Grundherrn zur Seite zu stehen. Die Fahne wurde den Neckenmarktern nach der siegreichen Schlacht im Jahre 1622 übergeben.

Der Tag der Fahne ist in Neckenmarkt seit der Schlacht von Lackenbach der Sonntag nach dem Fronleichnamsfest. An diesem Tag wird das berühmte Fahnenschwingen abgehalten. Es wird der Gemeinde Neckenmarkt hoch angerechnet, dass sich dieser schöne Brauch nun schon dreieinhalb Jahrhunderte gehalten hat.

Die Fahne ist der Obhut der ledigen jungen Männer anvertraut. Sie bilden die Burschenschaft des Ortes. Die Vorbereitungen für das Fahnenschwingen beginnen nach genau festgelegten Regeln am Pfingstmontag. Die jungen Männer wählen aus ihrer Mitte einen Fähnrich und die übrigen Vorsteher, den Kommandanten, zwei Wachtmeister und zwei Kellner. Sie tragen beim Fest die blaue Uniform, Fellmütze, Fangschnüre und Waffen.

Die Aufnahme der Jungburschen erfolgt durch die Einladung der beiden Wachtmeister. Diese erbitten von den Eltern die Erlaubnis zum Beitritt der Burschenschaft. Die Jungburschen, die geladen werden, heißen Sterzträger, weil sie früher für Speis und Trank zu sorgen hatten.

In früheren Zeiten hat es ein eigenes Burschenhaus für die Versammlung gegeben. Jetzt ist das ehemalige Gemeindegasthaus, mit dem großen Saal, der Ort für die Zusammenkunft und für die Festfeier. Auf dem Platz beim Gasthof wird am Vorabend der Burschbaum aufgestellt. Dabei handelt es sich um die höchste Fichte im Wald. Die als Vorsteher gewählten Kellner müssen für die nötige Menge Wein Vorsorge treffen. An dieses ihrer besonderen Tafelamt erinnert der Robisch-Stock Das ist ein mit bunten Seidenbändern geschmücktes Holz, das die Kellner das die Kellner in ihren Stiefelschaft stecken. Der Robisch-Stock ist ein Kerbholz. Der Gastwirt hat auf ihm durch Einschnitte eine Menge des ausgeschenkten Weines vermerkt.

Neckenmarkt Kreisverkehr mit Fahnenschwenker

Am Fronleichnamsonntag legen die Vorsteher die überlieferte Tracht an: die schwarze Stiefelhose und die hohen Stiefel, eine kurze dunkelblaue rot gefütterte Jacke, die mit hellblauem Schnurbesatz und alten großen Messingknöpfen geziert ist und das weiße Hemd sehen lässt und eine niedere braune Pelzmütze mit dunkelgrünem Samtdeckel. Der führt einen historischen Säbel und als besonderen Schmuck die Kartusche, die kleine silberne Tasche der Kavallerieoffiziere mit dem vergoldeten E der Esterházy. Gemäß dem alten Privileg tragen die Wachtmeister und die Kellner Gewehre. Diese sind zur Gänze aus Holz. Die Gewehrmündungen dienen nur dazu, um am Feiertag Blumen hineinzustecken. Zur Tracht des Fähnrichs gehört als besondere Zierde eine Schürze, das Fürtuch, ein schillerndes gefranstes Seidentuch. Die ganze Montur der Vorsteher wird durch Fangschnüre oder dunkelroten Schnurschärpen, auch Husarengürtel genannt, vervollständigt.

Das Fähnrichmädl hat die Fahne mit Blumen geschmückt und den Fahnenbändern ein Seidenband mit ihrem eingestickten Namen und der Jahreszahl hinzugefügt. Beim Gang der Fahne schweigt noch die Musik. Der Fähnrich und die Vorsteher sind noch gegürtet, die Waffen tragen sie unter den Arm. Sie sind noch nicht in Amt und Würde als Beschützer der Fahne. Erst nach der Übernahme der Fahne rüstet sich dann die Burschenvorstehung. Das erste Schwingen der Fahne geschieht zur Ehrung des Fähnrichmädels. Die Musikkapelle spielt, dann klingt Trommelwirbel und die Fahne wird dreimal nach rechts und ebenso nach links geschwenkt. Zum Schwenken der Fahne gehört Kraft und Geschicklichkeit.

Die Fahne wird hierauf feierlich zum Burschenhaus getragen. Nach Beendigung eines Marschmusikstückes wird jeweils Halt zum Marsch in der Kirche geordnet. Voran schreitet die Musikkapelle, es folgen die Kommandanten, der Fähnrich und die Burschen, alle in gleicher Festkleidung. Den Zug der Burschen beschließen die Kellner. Dem Festzug zum Umgangsgottesdienst schließen sich auch die Freiwillige Feuerwehr und der Männergesangsverein an. Bis zum Ersten Weltkrieg haben auch sämtliche Handwerkszünfte des Herrschaftsgebietes Landsee mit ihren Fahnen am Fronleichnamsumgang in Neckenmarkt teilgenommen. Auch die Zunftfahnen wurden in der Pfarrkirche Neckenmarkt aufbewahrt. Im Jahre 1933 sind 16 Zunftfahnen an das Burgenländische Landesmuseum in Eisenstadt abgeliefert worden.

Beim Kriegerdenkmal findet eine Heldenehrung statt. Darauf wird der Pfarrer von zwei Wachtmeistern zum Kirchtag eingeholt. Vor dem Pfarrhof wir die Fahne dreimal geschwenkt. Zwischen den Wachtmeistern zieht der Pfarrer mit der ganzen Burschenschaft in die Kirche ein. Beim Umgang mit dem Allerheiligsten begleitet die Burschenschaft stramm und ernst unseren Herrn in der Brotgestalt. Nach der Fronleichnamsprozession wird der Pfarrer heimgeleitet. Es wird wieder die Fahne geschwenkt. Der Festzug löst sich beim Burschenhaus auf.

Auch zum Nachmittagsgottesdienst ziehen die Burschen mit der Fahne auf. Anschließend folgt der Zug zur Fahnenmutter und dann zum Bürgermeister. Auch zu ihrer Ehre wird die Fahne geschwenkt. Vom Bürgermeister wir die Tanzerlaubnis erbeten. Die Sterzträger holen zur Eröffnung des Tanzes das Fähnrichmädl ein. Die übrigen Jungburschen müssen die Fahne bewachen. Nach dem Eröffnungstanz tragen die Jungburschen die Fahne in aller Stille in die Kirche zurück.

Die Wahl des Fähnrichs war früher mit einem Wettschießen verbunden. Es wurden dabei Waffen von den in der Gemeinde einquartierten Militär verwendet. Der beste Schütze aus der Reihe der Burschen ist dann Fähnrich geworden. Vielleicht wurde auch die Generaldecharge bei der Fronleichnamsprozession durchgeführt und beim Segen mit dem Allerheiligsten eine Salve abgefeuert. Das hat mit dem Jahr 1730 aufgehört. Seither werden nur mehr Gewehrattrappen getragen.

Frau Theresia Pantzer, geb. Draxler, Herrengasse 8, hat berichtet, dass aus ihrer Familie ein Bursche bei einem solchen Wettschießen tödlich verunglückt ist. Daraufhin habe ich in den Sterbebüchern, die bis zum 1764, Tom. I. e., im Pfarrarchiv aufbewahrt sind, nachgesucht, aber nicht gefunden. Zur Sühne dieses Totschlags, so erzählte Frau Pantzer, sei vom Vater des Getöteten die Aufstellung eines Gedenksteins verlangt worden. Der Sockel dazu stehe seit ihrer Kindheit, 1982, im Haus Herrengasse 18. Am Sockel findet sich folgende Inschrift:

„Anno 1730 an den H. Fronleichnams
Doch ist der Hans Draxler von
dem Steffan Schachter geschossen
worden, welches Bild er zu
Ehren denen zwei Heiligen
hat machen lassen“
Steffan Schachter

Die genannten zwei Heiligen sind die Schmerzhafte Mutter mit dem Leichnam ihres Sohnes und der heilige Antonius. Die Standbilder sind wie der genannte Sockel aus Sandstein gemeißelt. Auf dem Sockel ist eine Vertiefung zur Befestigung sichtbar. Die Aufstellung der beiden Standbilder erfolgte zuerst an der Landstraße Ödenburg bei dem der Familie Draxler gehörigen Brücklacker. Die Standbilder sind dann neben die Dreifaltigkeitssäule auf dem Kirchenplatz versetzt worden. Im Jahre 1935 wurde das Standbild der Schmerzhaften Mutter in einer Außennische an der Haschendorfer Kirche angebracht und zu einem Denkmal des ermordeten Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß bestimmt. 1938 musste das Symbol der vaterländischen Front, das Krukenkreuz und die Inschrift entfernt werden. Das Standbild des heiligen Antonius wurde in die Nische des Turmeinganges der Pfarrkirche gestellt. An der gegenüberliegenden Säule des Orgelchores ist die Antoniuskasse zur Unterstützung der Armen angebracht. Die Verehrung des großen Heiligen zeigt sich in den Opfern der Gläubigen.

Außer dem Umgangssonntag leistet die Burschenschaft am Anbetungstag in Uniform die Ehrenwache bei Gottesdiensten. Bei außergewöhnlichen Anlässen, wie Bischofsbesuch oder großen Heimatfesten wird auch die Burschenfahne hervorgeholt und zur Ehre von Neckenmarkt geschwenkt. Am Grabe eines verstorben Burschen wird die Fahne zum letzten Gruß gesenkt.

Wappen

Das Wappen von Neckenmarkt, das bei der Markterhebung im Jahre 1578 verliehen worden ist, zeigt drei Türme auf rotem Feld. In der jüngsten Zeit ist aber immer mehr der Fahnenschwenker zum Sinnbild unserer Marktgemeinde geworden. Die neue Schule schmückt das Mosaikbild des Fahnenschwingers mit der entfalteten Fahne. Als Wegweiser entbietet er an der Lackendorfer Straße den ersten Willkommensgruß von Neckenmarkt Erde, dem köstlichen Wein.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Politik

Bürgermeister ist Hans Iby von der ÖVP.

Die Mandatsverteilung (21 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 8, ÖVP 13, FPÖ 0, Grüne 0 und andere Listen 0 Mandate.

Neckenmarkt und Haschendorf (rechts oben) um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Pfarrkirche Neckenmarkt

Haschendorfer Bronzegerät

Das Haschendorfer Kultgerät zählt zu den bemerkenswertesten (und mysteriösesten) bronzezeitlichen Funden in Mitteleuropa. Es handelt sich dabei um eine Bronzescheibe mit Bronzereif und gelochtem Unterteil samt Speichenrädern.

Gesamthöhe: 27,8 cm, Durchmesser: ca. 41 cm, Gewicht: ca. 4,7 kg

Über den ursprünglichen Zweck des Geräts wird gerätselt.[7] Die Deutungen reichen von Tempelgefäß, Schemelaufsatz, Trommel, Pauke oder Gong bis zur Bronzekrone. Das Haschendorfer Bronzegerät ist im Liszt-Ferenc-Museum in Sopron, Ungarn ausgestellt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. 86. Neckenmarkt. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich, Wien 2002–.
  2. Marktgemeinde Neckenmarkt: Ortsgeschichte. Erste urkundliche Erwähnung. In: neckenmarkt.eu, abgerufen am 25. September 2012.
  3. Bgld LGBl 1970/44 § 4 Z 11.
  4. Bgld LGBl 1973/5.
  5. Gesamte Rechtsvorschrift für Grenzübertritt auf grenzüberschreitenden touristischen Wegen an der gemeinsamen Staatsgrenze.
  6. Bundesministerium für Inneres: Grenzübergänge nach Ungarn in Schattendorf und Neckenmarkt eröffnet. In: bundespolizei.gv.at, 1. Dezember 2006, abgerufen am 25. September 2012.
  7. Gabriele Zipf: Zwei Mysteriöse Objekte – Die Becken aus Haschendorf und Balkåkra. In: Harald Meller (Hrsg.), Juraj Lipták (Fotogr.): Der geschmiedete Himmel. Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600 Jahren. Begleitband zur Ausstellung: Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle (Saale), 15. Oktober 2004 bis 24. April 2005, Dänisches Nationalmuseum, Kopenhagen, 1. Juli 2005 bis 22. Oktober 2005, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim, 10. März 2006 bis 16. Juli 2006, Historisches Museum Basel, Barfüsserkirche, 29. Oktober 2006 bis 29. Januar 2007. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1907-9, S. 74–77.

Weblinks

 Commons: Neckenmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien