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Hochmittelalter (907 bis zirka 1250)#

Als Beginn dieser Epoche kann im deutschsprachigen Raum das Aussterben der Karolinger und die Niederlage des bayerischen Heerbanns bei Pressburg am 5. 7. 907 gegen die Ungarn angesehen werden. Das östliche Österreich bis zur Enns und wohl auch Karantanien gehörten ab diesem Zeitpunkt zum Herrschaftsbereich der Magyaren, die im Donautal eine Mark errichteten, in der vielleicht Rüdiger von Bechelaren eine Rolle spielte. Kontakte zwischen den beiden entgegengesetzten Mächten gab es weiterhin, so ertrank 928 ein Bischof von Freising bei Grein, als er Besitzungen im östlichen Österreich aufsuchen wollte. In Bayern wurde Berthold, der Sohn des gefallenen Markgrafen Liutpold, zum Herzog ausgerufen, auch westlich der Enns konnten sich bayerische Adelsgeschlechter entfalten, die später in Kärnten, Steiermark und Niederösterreich eine Rolle spielen sollten. Die Kontinuität wurde in Salzburg gewahrt, wo der Erzbischof noch bis 987 gleichzeitig Abt von St. Peter war. 952 wurde das langobardische Herzogtum Friaul Bayern angegliedert.


Der Sieg Ottos des Großen über die Magyaren bei Augsburg am 10. 8. 955 veränderte die politische Situation grundlegend. Aufgrund der Schwäche Bayerns wegen der Minderjährigkeit von Herzog Heinrich (bis 967) sowie dessen Aufstand gegen Kaiser Otto II. 976 wurden die Auswirkungen des Siegs von 955 erst verspätet im österreichischen Raum spürbar. Nun wurde Karantanien (Kärnten) mit Friaul von Bayern gelöst und zu einem eigenen Herzogtum, das einige Marken gründete (unter anderem die Mark an der Mur). Die Babenberger erhielten die Mark Ostarrichi an der Donau und bauten hier in der Folge ihre Herrschaft aus.


Das 11. Jahrhundert stand im Zeichen der Erschließung und Kolonisierung des Raums, wobei in Bayern ansässige Geschlechter auch in den österreichischen Gebieten Fuß fassten. Auch kirchliche Institutionen wie die Bischöfe von Salzburg, Passau, Regensburg und Freising (später auch Bamberg) sowie mehrere Klöster erweiterten ihren Besitz beträchtlich. Salzburg blieb weiterhin kirchliches Zentrum. Um das Jahr 1000 wurde der schon bestehende Dom auf eine Länge von 75 m erweitert. Weiters kamen das Geschlecht der Wels-Lambacher und nach diesen die Burggrafen von Steyr (Traungauer) in die Steiermark. Sie kolonisierten und regierten das Land bis 1192. Nur in Kärnten fand ein rascher Wechsel der Herzöge statt. Die besonders günstige Entwicklung des Gebiets von Steiermark und Kärnten zeigte sich an den im Vergleich zum Donauraum früheren Klostergründungen: Göss bei Leoben um 1000, St. Georgen am Längsee und Ossiach 1020, Gurk 1043 (ab1072 Bistum), Millstatt 1070-80.


Im gesamten Raum erhielten im 11. Jahrhundert fast alle noch bestehenden Orte ihren Platz, Burgen wurden gegründet, die Grundherrschaften konnten sich entfalten, der eingewanderte Adel löste sich allmählich von den bayerischen Herkunftsorten. Im ausgehenden 10. Jahrhundert war das Volk noch halb heidnisch, halb christlich gewesen, nun wurde die Christianisierung und auch die Eindeutschung des Großteils des heutigen Österreichs vollzogen, wie die Ortsnamen und Bodenfunde aus dieser Zeit beweisen.


Eine wesentliche Zäsur bildete ab 1075 der Investiturstreit, in dem es zu einer Spaltung der kirchlichen und weltlichen Machthaber in Anhänger des Papstes bzw. des Kaisers kam. In Kärnten blieben die Eppensteiner kaisertreu, die Sponheimer waren päpstlich gesinnt, in der Steiermark wechselte Markgraf Otakar II. um 1081 die Partei und unterstützte fortan den Papst, in Österreich schloss sich Markgraf Leopold II. gleichzeitig ebenfalls dem Gegenkönig an, wurde deshalb von Böhmen mit Krieg überzogen und unterlag 1082 bei Mailberg. In dieser Phase entstand mit den Ministerialen ein neuer, von den Landesherren abhängiger Adel; auch entlegenere Gebiete wie die Oststeiermark und das niederösterreichische Waldviertel wurden nun kolonisiert. Erzbischof Gebhard von Salzburg (1060-88) setzte in seiner Diözese die kirchlichen Ansprüche auf die Leistung des Zehents durch und errichtete im Streit gegen kaiserlich gesinnte Hochadelsgeschlechter die gewaltigen Burgen Hohensalzburg, Hohenwerfen und Friesach. Bischof Altmann von Passau stand ebenfalls auf der päpstlichen Seite. In wichtigen Klöstern wie St. Florian, St. Pölten und Kremsmünster wurde die Klosterreform durchgeführt, Melk wurde den Benediktinern übergeben. Neugründungen erfolgten in Admont 1074, Garsten um 1080, Göttweig vor 1083, St. Lambrecht 1096-1103 und Mehrerau um 1097.


Die Mark Österreich errang zu Beginn des 12. Jahrhunderts durch die Heirat Leopolds III. mit der Kaisertochter Agnes eine Vorrangstellung gegenüber anderen Gebieten. Unter anderem kommt dies in der großen Zahl von neuen Klostergründungen zum Ausdruck: Klosterneuburg 1108, Kleinmariazell 1136, Seitenstetten 1112/16, Heiligenkreuz 1133, Zwettl 1138, Altenburg 1144, Geras um 1153/55, Baumgartenberg 1141, Schotten in Wien 1155; in Kärnten wurden Arnoldstein 1107, Eberndorf 1147/49 und Viktring 1143 gegründet, in der Steiermark Seckau 1140 und Rein 1128, im damals noch bayerischen Innviertel Reichersberg 1122, Ranshofen 1125 und Suben 1142. In Tirol wurde um 1140 Innichen von einem Benediktinerkloster in ein Kollegiatsstift, Wilten 1130 aus einem Kollegiatsstift in ein Prämonstratenserkloster umgewandelt, St. Georgen wurde 1138 von den Benediktinern übernommen. Neu gegründet wurden Neustift bei Brixen, Sonnenburg im Pustertal, Au bei Bozen und St. Michael an der Etsch.


An der Donau und im Alpenvorland stiegen Wien, Tulln, Krems, Stein, St. Pölten und Neuburg in den Rang von Städten auf; auch die Anfänge eines Landrechts sind erkennbar. In der Steiermark war die Regierungszeit von Markgraf Leopold I. dem Starken (1122-29), die man die eigentliche Geburtsstunde der Steiermark nennt, ein Gegenstück zum Wirken Leopolds III. in Österreich. Er konnte das reiche Erbe der Eppensteiner erwerben und die Steiermark von Kärnten trennen. Bindungen an Bayern bestanden aber weiter. 1147 fiel die Mark an der Drau, die bis an die Save reichte und das heutige östliche Slowenien umfasste, an den Markgrafen der Steiermark.


In Kärnten, wo 1090 Istrien einem eigenen Markgrafen übertragen worden war und 1093 auch die Mark Krain an Aquileia zurückfiel, starben 1122 die Eppensteiner aus. Nun mussten sich die Sponheimer als neues Herzogsgeschlecht durchsetzen. Ihre Position blieb gegenüber auswärtigen Mächten wie den Patriarchen von Aquileia sowie die Bischöfe von Brixen, Freising und Bamberg, die in Kärnten über großen Einfluss verfügten, schwach. Der Erzbischof von Salzburg besaß in Kärnten besonders große Gebiete und hatte in Gurk einen Suffraganbischof. Er ließ Friesach, das ein Marktrecht erhielt und Münzen prägte, zu seinem Stützpunkt ausbauen. Auf dem Petersberg entstand eine mächtige Burg mit einem gewaltigen Bergfried. Die Fresken der Rupertkapelle gehören zu den bedeutendsten Schöpfungen der Malerei um 1140.


In kultureller Hinsicht zeichnet sich in diesem Abschnitt des Hochmittelalters der Beginn einer Eigenentwicklung ab. In der Gegend von Melk traten die Klausnerin Ava (. 1127) und der so genannte Heinrich von Melk hervor. Es entstand ein frühes Marienlied, 1123 wurden die Annalen begonnen. In lateinischer Sprache wurden Heiligenlegenden abgefasst, nach 1147 entstand die Vorauer Kaiserchronik. Der aus Österreich stammende Babenberger Otto, zum Bischof von Freising ernannt, verfasste eine Weltchronik und eine zeitgeschichtliche Darstellung der Frühzeit Friedrich Barbarossas. In der Burg Ranna und in Seckau, wo bis 1164 eine mächtige romanische Basilika erbaut wurde, sind Zeugnisse einer einheimischen Baukunst erhalten.


Die Stauferzeit war für das österreichische Gebiet von besonderer Bedeutung. Die Verwandtschaft der Markgrafen mit dem Kaiser kam voll zum Tragen, Babenberger erhielten wichtige Positionen, schließlich wurde Österreich 1156 zu einem Herzogtum erhoben, 1180 erhielt auch der steirische Markgraf diesen Rang. Erneut spitzte sich der Kampf zwischen Kaiser und Papst in den Kontrahenten Kaiser Friedrich I. und Papst Alexander III. zu, wobei sich der Erzbischof von Salzburg, Eberhard I. (1147-64), ebenso wie der Babenberger Konrad II. (1164-68), der Partei des Papstes anschlossen und dies mit der Verwüstung der Stadt und der Zerstörung des Doms büßen mussten.


Die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde in Österreich durch Heinrich II. (1141-77) und seinen Sohn Leopold V. (1177-94), in der Steiermark durch Otakar III. (1129-64) geprägt, der die Randgebiete des mittleren Murbeckens durch Rodung in seine Markgrafschaft einbezog.


Salzburg hatte in Erzbischof Konrad III. (1177-83) einen der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters. Dieser ließ in seiner kurzen Regierungszeit den Bau eines neuen Doms, einer Kreuzturmbasilika mit 5-schiffigem Langhaus, einem östlich gelegenen Querschiff und einem 8-eckigen Vierungsturm beginnen. Es war dies der größte romanische Kirchenbau des Reichs, der nur mit burgundischen Bauwerken der Zeit vergleichbar ist. Weiters errichtete Konrad die Bürgerstadt mit der Getreidegasse als Zentrum.


Auch in anderen Gegenden entstanden in diesen Jahrzehnten eindrucksvolle Bauten der Romanik, so in Tulln, Mödling, Zwettl, Heiligenkreuz, Klosterneuburg, bei den Schotten in Wien, in Admont, Pürgg und Gurk. Bewegliche Kunstwerke wurden noch importiert. Das bedeutendste davon ist jene Verkleidung eines Ambo der Stiftskirche von Klosterneuburg, die jetzt als Verduner Altar bekannt ist, andere Objekte kamen aus Sizilien.


Im ausgehenden 12. Jahrhundert legte man auch im Grenzbereich von Österreich und der Steiermark eine Anzahl von befestigten Burgstädten an. Die älteren davon besitzen meist einen Dreiecksplatz, im 13. Jahrhundert wurde dann der Rechteckplatz bevorzugt. Ebenso entstanden mächtige Höhenburgen, deren Kapellen mit Fresken geschmückt waren (zum Beispiel Ottenstein).


Um 1180 kam es zu einer neuerlichen politischen Umgestaltung: Der Sturz des Welfen und Bayernherzogs Heinrich des Löwen führte zu einer weiteren Teilung Bayerns, die Steiermark wurde zum Herzogtum und löste sich damit von Bayern.


Nachdem 1192 Österreich und die Steiermark als Folge der Georgenberger Handfeste unter den Babenbergern vereinigt worden waren, entwickelte sich ein neuer Machtbereich, der in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Gegenden nördlich der Donau über das Murtal und Slowenien bis nach Friaul (Pordenone) und nahe an die Adria reichte. Zur Zeit Herzog Leopolds VI. (1194/98-1230) entstanden wie in ganz Mitteleuropa auch im österreichischen Raum neue Städte, nicht nur Burgstädte im Grenzbereich (Freistadt, Zwettl, Waidhofen an der Thaya, Eggenburg, Laa, Bruck an der Leitha, Friedberg), sondern auch westlich der Enns Linz, Enns, Steyr, Wels und Eferding. Leopold VI. wurde zum Schiedsrichter zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papst in Apulien, wo er 1230 in San Germano starb. Auch Kärnten verfügte mit Herzog Bernhard (1202-1256) über einen außergewöhnlich tatkräftigen Fürsten. Villach, St. Veit, Klagenfurt, Wolfsberg und Völkermarkt wurden zu Städten, wenn auch unter verschiedenen Stadtherren. Ebenso entstanden in den westlichen Gebieten, in Tirol und Vorarlberg, städtische Siedlungen, wie Innsbruck, Bozen, Bludenz, Feldkirch und Bregenz. Eine Reihe anderer Städte, wie Waidhofen an der Ybbs, Hainburg, Tulln, St. Pölten, vor allem aber Wien, wurden planmäßig erweitert. Diese Städte waren wirtschaftliche Zentren und Gerichtsstätten, weiters erhielten sie bescheidene Gemeinschaftseinrichtungen. Das noch wenig entwickelte Wohlfahrtswesen lag in den Händen der Kirche. Neue Klöster wurden vorwiegend in Städten gegründet. Die einfachen Wohnbauten der Bevölkerung bestanden weitgehend aus Holz, seit etwa 1200 wurden in Städten auch Gebäude aus Stein errichtet. Im Sakral- und Burgenbau kam der Einfluss der Kreuzzüge zur Geltung, aus dem Orient stammende Typen wurden in bescheidenem Maß nachgeahmt, vorherrschend blieb aber der Typus der staufischen Ministerialenburg. Von den bedeutenden kirchlichen Bauten ist vor allem die Kirche von Schöngrabern bemerkenswert. Am Bau von Stift Lilienfeld ist die Entwicklung von der Romanik zur Frühgotik erkennbar. Im Bereich der Dichtkunst erlebte um die Wende zum 13. Jahrhundert der Minnesang einen Höhepunkt, später gewann gegenüber dem Minnesang das große Heldenepos (Nibelungenlied und Kudrun) die Oberhand.


Zur Zeit Herzog Leopolds VI. wurde das österreichische Landrecht aufgezeichnet; die Abkoppelung von Bayern und die eigene Landwerdung kommt damit zum Ausdruck.


Als die Grafen von Peilstein, bisher Vögte des Erzbistums Salzburg, 1218 ausstarben, erklärte Erzbischof Eberhard II. (1200-1246) die Vogtei für erloschen und baute die Landeshoheit aus, in die auch der Lungau einbezogen wurde. Die in anderen Herzogtümern liegenden Besitzungen mussten sich aber dem jeweiligen Landesherrn unterstellen. In Salzburg blühte der Bergbau auf, besonders die Gewinnung von Salz bei Hallein, von Kupfer bei Mühlbach und Gold bei Rauris. Der Erzbischof gründete 3 neue Suffraganbistümer.


Ein umgekehrter Prozess vollzog sich in Tirol: Hier teilten sich die als Vögte der Bistümer Trient und Brixen aufgestiegenen 3 Herrengeschlechter die Macht. Als die Grafen von Eppan ausgestorben sowie die Andechs-Meranier gestürzt worden waren und 1248 ebenfalls ausstarben, konzentrierten sich alle Funktionen in Graf Albert von Tirol (1248-53). Nach dessen Tod teilten sich seine beiden Schwiegersöhne die Macht, doch ging Meinhard III. von Görz (1253-58) als Sieger hervor, während die Hirschberger bald ausgeschaltet wurden. Auch die Landwerdung von Tirol kam in diesem Jahrhundert zum Abschluss.


Das Ende des Hochmittelalters markieren die gewichtigen politische Veränderungen aller österreichischen Länder um 1250. Gleichzeitig wurde in der Kunst die Romanik von der Gotik abgelöst.


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