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Naturhistorisches Museum #

Naturhistorisches Museum
Naturhistorisches Museum, © Ewald Judt

Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, der Gemahl Maria Theresias, kaufte etwa um 1750 die damals größte und berühmteste Naturaliensammlung der Welt von dem Florentiner Gelehrten Johann Ritter von Baillou um neben dem bereits bestehenden "Physikalischen Cabine"t und jenem für "Münzen und Antiken" eine eigene Naturaliensammlung am Wiener Hof einzurichten.

Die Sammlung Baillou’s wurde nach Wien transferiert und in einem Saal des Augustiner Traktes der Hofbibliothek aufgestellt.

Diese rund 30.000 Objekte, darunter seltene Fossilien, Schnecken, Muscheln und Korallen sowie kostbare Mineralien und Edelsteine waren der Grundstein des neuen "Naturalien-Cabinets", zu dessem ersten Direktor Johann von Baillou auf Lebenszeit bestellt wurde.

In den frühen Anfängen war die Wiener Naturaliensammlung eine private Sammlung des Kaisers, zu seiner Erbauung und für sein stetes Interesse an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen bestimmt. Er soll beträchtliche Geldmittel zum Ausbau seiner Sammlungen bereitgestellt haben und war auch verschiedenen naturwissenschaftlichen Fragestellungen gegenüber durchaus aufgeschlossen.

So ließ Franz Stephan – er gründete u.a. auch die Menagerie in Schönbrunn (1752) und den Botanischen Garten (1753) - auch die erste wissenschaftliche Expedition nach Übersee ausrüsten. In seinem Auftrag reiste Nikcolaus Joseph Jacquin 1755 in die Karibik, zu den Antillen, nach Venezuela und Kolumbien. Von dieser Reise brachte Jacquin viele lebende Tiere und Pflanzen für die Menagerie und den Botanischen Garten sowie insgesamt 67 Kisten mit Naturalien.

Nach dem Tod ihres Gemahls führte Maria Theresia führte die Tradition der Wiener Naturaliensammlung fort; sie übergab die von Anfang an nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten streng systematisch geordnete Sammlung dem Staat und machte sie in der Hofburg öffentlich zugänglich.

Joseph II. setzte die Sammlungstradition, die nun zunehmend eine wissenschaftliche Profilierung erhielt, fort. Er veranlasste auch mehrere Expeditionen nach Nord- und Mittelamerika sowie nach Afrika, die hauptsächlich zoologische, botanische und ethnographische Objekte für die Wiener Sammlungen erbrachten.

Franz II. – der spätere Franz I. von Österreich fügte 1796 eine Zoologische und 1803 eine Botanische Sammlung hinzu ("Vereinigtes Naturalien-, Physikalisches und Astronomisches Cabinet").

Im Laufe der Zeit konnten alle Sammlungen ihre Bestände stetig vergrößern, so dass die Raumnot immer spürbarer wurde. Unter Kaiser Franz Joseph wurden die getrennten Bestände als "Naturhistorisches Museum" in einem prunkvollen Neubau an der Wiener Ringstraße zusammengeführt - am 10. August 1889 nahm der Kaiser die feierliche Eröffnung des Museums vor.

Naturhistorisches Museum davor Denkmal Kaiserin Maria Theresia
Naturhistorisches Museum davor Denkmal Kaiserin Maria Theresia
Foto: © Österreich Werbung / Diejun

Das Gebäude wurde 1871 bis 1881 von den Architekten Gottfried Semper und Carl Hasenauer als eines der beiden Hofmuseen - naturhistorisches und kunsthistorisches - errichtet; spiegelbildlich angelegt und von gleicher Dimension waren sie ursprünglich als Teil eines viel größeren Projektes - des "Kaiserforums" - geplant, das aber nicht vollständig realisiert wurde.

Im neuen Haus kamen eine Anthropologische und eine Prähistorische Sammlung hinzu (die u.a. die Venus von Willendorf, Funde aus dem Gräberfeld bei Hallstatt und Langobardengräber aus Niederösterreich enthält).

Das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie brachte auch für das ehemalige k.k. Hofmuseum einschneidende Veränderungen mit sich, die Struktur des Verwaltungsapparates wurde geändert, 5 Abteilungen geschaffen (zoologische, botanische, mineralogisch-petrographische, geologisch-paläontologische und anthropologisch-ethnographische Abteilung).

2003 erhielt das Museum unter dem Namen "Naturhistorisches Museum" laut Bundesmuseengesetz die Vollrechtsfähigkeit als wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts.

Ab Juli 2003 war Bernd Lötsch Geschäftsführer; seit 2010 ist Christian Köberl Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer.

Das Wiener Naturhistorische Museum ist eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Museen der Welt: eines der weltweit größten und kostbarsten Archive der Artenvielfalt, der Mineralien, Meteoriten und der urgeschichtlichen Zeugnisse wird in den wissenschaftlichen Sammlungen aufbewahrt (ca. 20 Millionen Sammlungsstücke sind es bereits und immer noch kommen neue bei Forschungsfahrten und Grabungen dazu!

Berühmte und unersetzbare Exponate wie die 25.000 Jahre alte Venus von Willendorf, die vor über 200 Jahren ausgestorbene Stellersche Seekuh, riesige Saurierskelette und vieles mehr zählen heute zu den Höhepunkten eines Rundganges durch 39 weiträumige Schausäle.

Das Museum gliedert sich heute in folgende Abteilungen:

  • Antropologische Abteilung
  • Archiv für Wissenschaftsgeschichte
  • Botanische Abteilung
  • Geologisch-paläontologische Abteilung
  • Mineralogisch-Petrographische Abteilung
  • Prähistorische Abteilung
  • 1. Zoologische Abteilung (Wirbeltierabteilung)
  • 2. Zoologische Abteilung (Entomologie)
  • 3. Zoologische Abteilung (Wirbellose ohne Insekten)
  • Zentrale Forschungslaboratorien

Neben der Sammlungstätigkeit ist das Naturhistorische Museum eine bekannte Stätte naturwissenschaftlicher Forschung - es ist eine der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen Österreichs.

Das Gebäude#

Das Zentrum des Gebäudes bilden eine etwa 60 Meter hohe Kuppel, die den griechischen Sonnengott Helios zeigt, sowie Statuen berühmter Wissenschaftler im Stiegenhaus. Die Fassade und die Stuckdekorationen in den Innenräumen sollen die historische Erschließung von Welt und Weltraum zeigen. Des Weiteren befinden sich in den Ausstellungsräumen über 100 Ölgemälde berühmter Maler mit Motiven aus der Welt der Wissenschaft.

Weiterführendes#