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Pest#

Im Mittelalter wurde Österreich oft von Epidemien heimgesucht, von denen die Pest wohl die gefährlichste war. Pestjahre waren 888, 1006-09, 1312/13, 1337, 1370, 1381, 1410/11, 1435, 1521, 1529, 1563, 1570, 1586 und 1691 und besonders opferreich die Pestepidemien von 1349, 1541 (1 Drittel der Bewohner von Wien starb), 1588, 1679 (12.000 Tote in Wien, der "liebe Augustin") und 1713/14 (9000 Tote in Wien). Die österreichische Militärgrenze war der erste erfolgreiche Sanitätskordon gegen die Einschleppung der Pest.

Wie stark die Pest Mentalität und Handeln der Menschen bestimmte, zeigte sich in Kunstwerken, Volksglauben und -bräuchen; als Pestheilige galten in Österreich Sebastian, Rochus, Rosalia, die Heilige Dreifaltigkeit und andere; verbreitet waren Amulette (Benediktuspfennig, Valentinkreuzer), Wallfahrten (zum Beispiel Alkoven), Pestbilder (zum Beispiel das große Bild von 1483 im Grazer Dom), Pestkreuze, -Blätter und Pestsäulen sowie Passionsspiele und traditionelle Pestprozessionen (in Schöder, Murau und Knittelfeld). Die Wiener Karlskirche entstand nach einem Gelübde, das Kaiser Karl VI. während der Pest von 1713 abgelegt hatte.

Literatur#

  • P. Heitz, Pestblätter des 15. Jahrhunderts, 1901
  • K. Clement, Die Pest im Volksglauben, Dissertation, Graz 1950
  • K. Bergdolt, Der schwarze Tod in Europa, 1994

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