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vom 09.01.2019, aktuelle Version,

Österreichischer Gewerbeverein

Osterreich   Österreichischer Gewerbeverein (ÖGV)p1
Staatliche Ebene Bundesebene, Land
Stellung Gemeinnütziger Verein, Interessensvertretung
Rechtsform Verein
Gründung 1839
Hauptsitz Wien, Palais Eschenbach
Leitung Andreas Gnesda (Präsident), Stephan Blahut (Generalsekretär)
Website www.gewerbeverein.at
Palais Eschenbach, Sitz des Gewerbevereins

Der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV), früher Niederösterreichischer Gewerbeverein, ist ein überparteilicher Verein mit freiwilliger Mitgliedschaft. Er wurde 1839 gegründet und ist die älteste Unternehmervereinigung in Österreich. Die Mitglieder des Gewerbevereins kommen aus Industrie, Gewerbe, Handel und den Freien Berufen. Der Sitz ist in Wien im Palais Eschenbach.[1]

Allgemeines

Im Mittelpunkt der Aufgaben des Österreichischen Gewerbevereins steht die Vertretung von Anliegen der Mitglieder in der öffentlichen Meinungsbildung. Dies wird durch Interessenvertretung, Lobbying-, und Medienarbeit für die Unternehmer erreicht. Neben den großen Pflichtvertretungen in Österreich gibt es auf der

Freiwillige Interessenvertretung übernehmen ferner:

Struktur des ÖGV

Der Österreichische Gewerbeverein gliedert sich in folgende Organe[2]:

  • Generalversammlung
  • Verwaltungsrat
  • Präsidium
  • Wahlkommission
  • Rechnungsprüfer
  • Generalsekretär
  • Schiedsgericht

Alle Organfunktionen können ausschließlich von Vereinsmitgliedern ausgeübt werden.

Abteilungen

Im Österreichischen Gewerbeverein gibt es folgende Abteilungen, die serviceorientierte Aufgaben erfüllen[3]:

Foren

Das Forum Frau im ÖGV ist das Netzwerk für Unternehmerinnen in Österreich und unterstützt diese in unternehmerischen Agenden. Das Forum Jungunternehmer im ÖGV unterstützt innovative Ideen junger Unternehmer und dient als Schnittstelle zwischen erfahrenen Selbstständigen, Paten und Jungunternehmern.

Referate

Diese sind fakultative Hilfsstellen für wirtschafts- und sozialpolitische Fachgebiete sowie für Fachgebiete der wirtschaftlichen Praxis. Hauptgebiete für die Tätigkeit der Referate sind Wirtschaftspolitik, Finanzpolitik, Verwaltung, Bildung, Unternehmensführung, Infrastruktur, Forschung und Entwicklung, Nachhaltigkeit sowie die Europäische Union.

Finanzierung

Der österreichische Gewerbeverein finanziert sich durch die Beiträge der Mitglieder, die Verpachtung des Palais Eschenbach, die Vereinszeitung und durch Sponsoring.

Geschichte

Der ÖGV wurde 1839 mit der Bezeichnung Niederösterreichischer Gewerbeverein gegründet, da unter Metternich Vereinigungen verboten waren, deren Tätigkeit sich auf das gesamte Staatsgebiet erstreckte.

Der Anfang und Hochblüte
Ehemaliger Sitz des Technologischen Gewerbemuseums in der Währinger Straße

Die Grundidee führte Direktor Professor Johann Joseph von Prechtl in seiner Rede bei der ersten Eröffnung der Vorlesungen am k.k. Polytechnischen Institut in Wien am 6. November 1815 aus: "Auf diese Art stellt also das polytechnische Institut in seiner verschiedenen Beziehung eine technische Lehranstalt, ein technisches Museum und eine Akademie der technischen Wissenschaften vor. In all diesen Beziehungen wird seine Wirkung fruchtbringend sein." Die Realisierung dieser Grundidee fand vom Polytechnikum aus über die technische Hochschule in die Technische Universität im Gewerbeverein (1839), im Technologischen Gewerbemuseum (1879) und im Technischen Museum Wien (1918) ihre endgültige Ausprägung.

Im Dezember 1839 beschloss die Generalversammlung die Geschäftsordnung und richtete die Bitte an Erzherzog Franz Karl, das Protektorat, und an Staatsminister Graf Kolowrat, die Kuratorstelle anzunehmen.

Am 25. Jänner 1840 erfolgte die endgültig konstituierende Vollversammlung mit der Wahl von Professor Jakob Reuter zum ersten Sekretär. Am 3. August 1840 stellte Joseph Madersperger die erste Nähmaschine vor und erhielt dafür eine Bronzemedaille vom Niederösterreichischen Gewerbeverein. Am 4. Dezember 1843 wurde die Webschule Copier-Anstalt eröffnet. Der Titel wurde gewählt, damit die Schule nicht in den staatlichen Schulbereich "gezwängt" werden konnte. Im Jahr 1846 erwirkte der Vereinssekretär Prof. Jakob Reuter die Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der Lage der jugendlichen Arbeiter und der Kinder in den Fabriken. Am 29. Februar 1848 richtete Michael Spörlin unter dem Eindruck der Nachrichten aus Paris über die Revolution, den Sturz der Juli-Dynastie und die Ausrufung der Republik sowie der Stimmung in Wien folgende Worte an die Vollversammlung: "Wir Bürger vergrössern nicht die Verlegenheiten des Staates, wenn wir gerade jetzt, im Augenblicke der Bedrängnis, unsere Stimmen erheben und es vor aller Welt bekennen, dass wir mit dem Regierungssystem unzufrieden sind. Bleibt die jetzige Regierung, dann ist der Staat und sind wir Alle verloren. Es muss eine starke, eine dem Zeitgeiste angemessene Regierung an die Stelle der jetzigen gesetzt werden. Wir sind es dem Kaiser, dem Vaterlande, unseren Familien schuldig, darauf zu dringen." Im selben Jahr wurde eine Petition an die niederösterreichischen Stände beschlossen, worin die Gründung von Handelskammern vorgeschlagen wird. Darüber hinaus erwirkte Theodor Hornbostel im Ministerrat die Genehmigung der provisorischen Bestimmungen in Betreff der Errichtung von Handelskammern, welche die Grundlage für den Erlass des Handelsministeriums vom 15. Dezember 1848 und ihre Verlautbarung im Reichsgesetzblatt bildeten. Am 10. Februar 1849 erschien die Zeitschrift des niederösterreichischen Gewerbevereines zum ersten Mal. Im selben Jahr hatte der Gewerbeverein die Federführung bei den Vorbereitungen der Vorschläge für die Wahlen in die Handelskammer und bei ihrer Konstituierung.[4]

1862 entstand die Idee eines Technologischen Gewerbemuseums, nachdem Wilhelm Exner auf der Rückreise von der Londoner Weltausstellung das Pariser "Conservatoire des arts et métiers" kennen lernte. Dieses wurde am 26. Oktober 1879 im Vereinshaus eröffnet.[4]

Am 26. November 1872 erfolgte die feierliche Eröffnung des Vereinshauses durch Kaiser Franz Joseph. Im Jahr 1873 veranstaltete der Gewerbeverein im Rahmen der von ihm organisierten Weltausstellung in Wien zwei Spezialausstellungen: die additionale Ausstellung Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Österreichs und eine über Abfallverwertung. Am 18. April 1879 beschloss die Monatsversammlung das Organisationsstatut, dessen erster Punkt lautete: "Der n.ö. Gewerbeverein errichtet ein Technologisches Gewerbemuseum zur Förderung der technischen Seite des Gewerbes, nachdem jahrelange Bemühungen, von staatlichen Stellen Unterstützung zu erhalten, ergebnislos waren." Die Leitung des Museums unterlag dem jeweiligen Vereinspräsidenten. Im selben Jahr erfolgte die feierliche Eröffnung des Technologischen Gewerbemuseums im Vereinshaus.[4]

Im Jahr 1883 fand im Festsaal der Beletage der erste öffentliche Testflug des Flugmodells von Wilhelm Kress statt. 1897 errichtete der Reform-Klub, die Jugendgruppe des Gewerbevereines das populärwissenschaftliche Institut Urania. Nach der Ausstellung wurde diese Idee, bis zur Realisierung im Gebäude bei der Aspernbrücke, weitergetragen.[4]

Seit 1921 verleiht der ÖGV jedes Jahr die Wilhelm Exner Medaille:

„Die Verleihung soll an Persönlichkeiten erfolgen, welche die Wirtschaft unmittelbar oder mittelbar durch besondere wissenschaftliche Leistungen in hervorragender Weise gefördert haben. Insbesondere sind jene Leistungen zu würdigen, die im Bereich des unternehmerischen Mittelstandes von Bedeutung sind.[5]

Am 10. März 1927 hielt die Hauptstelle gewerblicher Arbeitgeberverbände im Gewerbeverein die ordentliche Jahresvollversammlung ab. Ihr gehörten 59 Verbände an, womit die arbeitsrechtliche Organisation geschlossen erschien. Die Hauptstelle führte im Jahr 1926 für 36 Arbeitgebergruppen Lohnverhandlungen durch.[4] Am 21. Februar 1928 beschloss die Industriesektion des Niederösterreichischen Gewerbevereins in Anwesenheit von Vertretern der Technischen Hochschule den Antrag Wilhelm Exners auf Schaffung einer Lehrkanzel für Geschichte der Technik.[4]

Der Gewerbeverein war und ist als elitäre Wirtschaftsinteressenvertretung Kristallisationspunkt zahlreicher Initiativen, wie etwa Weltausstellung 1873 im Wiener Prater, Gewerbeausstellung 1880 in Wien, Jubiläumsgewerbeausstellung 1888 in Wien, Jubiläumsausstellung 1898, Gründung der Urania (Wien), Technologisches Gewerbemuseum (TGM), Technisches Museum Wien, Gründung der Wiener Handelskammer (deren erster Präsident, Theodor von Hornbostel war Funktionär des ÖGV).

1938–45

Der Niederösterreichische Gewerbeverein wird von der NS Regierung stillgelegt. Er wird in das Haus der Mode umgewandelt, das seinen Sitz im Palais Lobkowitz hatte. Eine Luftnachrichteneinheit der deutschen Luftwaffe wurde im Vereinshaus untergebracht. Bis Ende 1938 fanden persönliche Zusammenkünfte von Funktionären in der Mitgliedsfirma Café Museum statt.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 19. Februar 1946 erging aufgrund des Vereinsreorganisationsgesetzes das Dekret zur Erlaubnis der Wiedererrichtung des Gewerbevereins. Im Jänner 1947 wurde der Verein wieder errichtet.[6] Am 20. Mai 1949 beschloss die Hauptversammlung über Antrag des Verwaltungsrates die zeit- gemäße Abänderung des Vereinstitels in Österreichischer Gewerbeverein.[4]

Am 17. Mai 1956 wählte die Hauptversammlung Heinrich Sequenz zum Geschäftsführer der Wilhelm-Exner-Medaillen Stiftung. Sequenz realisierte sein international ausgerichtetes Konzept "die Medaille, der undotierte Nobelpreis der Wirtschaft". Am 19. Dezember 1959 erhielt der Nobelpreisträger Otto Hahn aus den Händen von Bundeskanzler Julius Raab namens des Gewerbevereins die Wilhelm-Exner-Medaille.[4]

Am 11. September 1963 fand die konstituierende Hauptversammlung der Vereinigung Österreichischer Farbenfachhändler statt. Am 4. Dezember 1964 fand die Festversammlung 125 Jahre Österreichischer Gewerbeverein statt. Die Festrede hielt Bundeskanzler Dr. Josef Klaus.[4]

Am 14. Juni 1976 wählte die Hauptversammlung Dkfm. Dr. Ernst Pöcksteiner zum Präsidenten. Schwerpunkte seines wirtschaftspolitischen Programms waren die Mittelstandspolitik und die Exportwirtschaft. Auf seine Initiative gehen die seit 1981 jährlich stattfindenden Klausurtagungen des Präsidiums und Präsidialrates zurück. Am 14. Dezember 1979 fand die Festversammlung 140 Jahre Österreichischer Gewerbeverein statt. Die Festrede hielt Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger.[4]

Am 27. Mai 1982 wurde Dr. Walter Lammel zum Präsidenten gewählt. Sein Hauptziel war die Gesamtsanierung und totale Renovierung des 120 Jahre alten Vereinshauses bis zum 150. Bestandsjubiläum. Am 24. Jänner 1984 startete er eine Protestaktion des Gewerbevereins im Interesse der gewerblichen Klein- und Mittelbetriebe gegen die am 14. Dezember 1983 im Parlament beschlossene 7. Handelskammergesetznovelle. Am 5. Dezember 1989 genehmigte die Hauptversammlung den Abschluss eines Bestandsvertrages mit der neu gegründeten ÖGV-Leasing GmbH mit dem Ziel der Revitalisierung des traditionsreichen Hauses des ÖGV in der Eschenbachgasse.[4]

Am 3. Mai 1990 fand nach dem Motto Mit Privatinitiative in das dritte Jahrtausend ein Symposium der Wilhelm-Exner-Medaillen Träger anlässlich des 150-jährigen Bestandsjubiläums des Gewerbevereins statt.[4]

Gegenwart

Heute ist der Gewerbeverein ein überparteilicher Verein für Unternehmer mit freiwilliger Mitgliedschaft.

Sonstiges

  • Die Wilhelm-Exner-Medaille ist eine österreichische Auszeichnung und wird von der Wilhelm-Exner-Stiftung des Österreichischen Gewerbeverein vergeben.
  • Das Palais Eschenbach ist der Hauptsitz des Österreichischen Gewerbevereins und wurde in den 1860er Jahren als eigenes Vereinshaus nach den Plänen von Architekt Otto Thienemann im Stile des palladianischen Klassizismus erbaut.

Literatur

  • P. Müller: 110 Jahre Österreichischer Gewerbeverein, 1949.
  • J. Bittner: Festschrift 150 Jahre Gewerbeverein, 1989.
  • E. Engelmann: Der Österreichische Gewerbeverein, Diplomarbeit, Wien 1989.
  • H. Kainz, Bedeutender Protagonist, in: Austria innovativ 4, 1994.

Einzelnachweise

  1. Satzung (PDF)
  2. Organe (PDF)
  3. Abteilungen (PDF)
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 170 Jahre Österreichischer Gewerbeverein
  5. Statuten des ÖGV (Memento vom 21. November 2007 im Internet Archive)
  6. Zeittafel des ÖGV (Memento vom 23. November 2007 im Internet Archive)