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vom 19.01.2018, aktuelle Version,

Bayerischer MBCL

Bayerischer MBCL / SETG MBC
DR-Baureihe ET 184.0
Ein MBC in Parsch, 1909
Ein MBC in Parsch, 1909
Nummerierung: K.Bay.Sts.B. 101–109,
SETG 1–13
Anzahl: 9 (K.Bay.Sts.B.)
13 (SETG)
Hersteller: MAN / AEG (101–109)
MAN / ÖSSW (1–10)
Simmering / ÖSSW (11–13)
Baujahr(e): 1907–1911
Achsformel: Bo
Gattung: BCiL
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 10.250 mm
Länge: 9370 mm
Gesamtradstand: 4500 mm
Leermasse: 17.000 kg
Dienstmasse: 17.200 kg
Reibungsmasse: 17.200 kg
Radsatzfahrmasse: 8600 kg
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Stundenleistung: 88 kW
Dauerleistung: 74 kW
Anfahrzugkraft: 1800 kg
Treibraddurchmesser: 850 mm
Stromsystem: 1000 Volt Gleichstrom
Stromübertragung: Oberleitung
Anzahl der Fahrmotoren: 2
Antrieb: Tatzlager
Bremse: elektr., Kpbr
Zugheizung: elektrisch
Kupplungstyp: Trichterkupplung
Sitzplätze: 32
Klassen: 2./3.

Die Bayerischen MBCL waren elektrische Triebwagen der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen für den Betrieb der Königsseebahn und der Lokalbahn Berchtesgaden–Hangender Stein. Identische Fahrzeuge wurden von der Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft (SETG) als Reihe MBC in Dienst gestellt. Bei der Deutschen Reichsbahn (DR) waren sie ab 1940 in die Baureihe ET 184.0 eingeordnet.

Geschichte

Erhaltene Museumswagen der Salzburg AG

Die Triebwagen wurden zwischen 1907 und 1911 in zusammen 21 Exemplaren für die drei genannten Bahnstrecken gebaut. Der Wagenkasten der ersten 19 Triebwagen stammte von MAN. Die elektrische Ausrüstung der bayerischen Triebwagen lieferte AEG, die der Salzburger Triebwagen kam von den Österreichischen Siemens-Schuckert-Werken (ÖSSW) und wurde erst nach Auslieferung der Wagen in Salzburg montiert. Durch dieses Vorgehen sparte sich die SETG den Zoll, der beim Import der elektrischen Ausrüstung aus Bayern fällig geworden wäre. Die drei letzten Triebwagen der Reihe (MBC 11–13) wurden von Simmering in Lizenz für die SETG gebaut.

Die Triebwagen hatten die Achsfolge Bo, sie entsprachen von dem Konzept her der Anordnung von Überlandstraßenbahnen. Sie führten die 2. und 3. Wagenklasse. Die bayerischen Wagen unterschieden sich äußerlich von den österreichischen lediglich durch die Farbgebung. Während die Wagen der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen einen Wagenkasten in grün-beige besaßen, waren diejenigen der SETG rot-beige lackiert. Durch die unterschiedliche Motorisierung ergaben sich allerdings unterschiedliche Leistungen: Die österreichischen Triebwagen konnten drei, die bayerischen Triebwagen dagegen nur zwei Beiwagen mitführen. Die fünf bayerischen Triebwagen der zweiten Bauserie (105–109) erhielten eine Vielfachsteuerung, so dass Zugkompositionen aus zwei Triebwagen und bis zu fünf Beiwagen möglich waren. Als sechstes Triebfahrzeug mit Vielfachsteuerung stand der Gepäcktriebwagen MPL 1501 zur Verfügung, damit konnten drei Garnituren gebildet werden.

1938 wurde der Betrieb auf der Strecke Berchtesgaden–Hangender Stein eingestellt, 1942 die Königsseebahn auf Wechselstrombetrieb umgestellt. Anschließend wurden die drei Fahrzeuge der Deutschen Reichsbahn zur Strecke Hohenfurth–Lippnerschwebe im Sudetenland umgesetzt, drei kamen zur SETG, die sie unter den Nummern MBC 14–16 in den Bestand einreihte.

1950 wurden die drei bayerischen und ein österreichischer Triebwagen (MBC 5) durch die SETG modernisiert. Übergänge und Zweite-Klasse-Abteil entfielen, außerdem erhielten die Triebwagen stärkerer Motoren. In dieser Ausführung wurden sie als Baureihe MC weiterbetrieben.

Bei der SETG-Nachfolgegesellschaft Salzburg AG sind insgesamt vier Fahrzeuge erhalten geblieben, eines davon in der Umbauvariante als MC. Ein ehemals bayerisches Fahrzeug wurde äußerlich (mit Ausnahme der Stromabnehmer) in den Originalzustand der bayerischen Triebwagen zurückversetzt. Weitere Triebwagen sind im Besitz des Bayerischen Localbahnvereins und der Museumstramway Mariazell–Erlaufsee.

Literatur