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vom 18.12.2017, aktuelle Version,

Bilder im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums (Wien)

Mihály von Munkácsy: Apotheose der Renaissance (Deckenmalerei im Kunsthistorischen Museum, 1890)
KHM ― Nordwand: Lünettenbilder von Makart (links nach rechts): Michelangelo mit der Erweckung Adams, Allegorie der profanen und religiösen Malerei, Tizian. Unten Zwickel-und Interkolumnienbilder von Gustav Klimt (links nach rechts): Römisches und Venezianisches Quattrocento, Griechische Antike und Aegypten, Altitalienische Kunst
KHM ― Südwand: Lünettenbilder von Hans Makart (links nach rechts): Holbein, Allegorie der Bildhauerei, Dürer. Unten Zwickel- und Interkolumnienbilder von Matsch (links nach rechts): Nordische Gotik des späteren Mittelalters, Romanische und byzantinische Kunst & Römische Antike, Karolingische und burgundische Zeit
KHM ― Ostwand: Lünettenbilder von Hans Makart (links nach rechts): Van Dyck (?), Velázquez, Leonardo da Vinci. Unten Zwickel- und Interkolumnienbilder von E. Klimt (links nach rechts): Die deutsche Renaissance, Spanien und Niederlande, Italienische Hochrenaissance
KHM ― Westwand: Lünettenbilder von Hans Makart (links nach rechts): Raffael, Rembrandt, Rubens. Unten Zwickel- und Interkolumnienbilder (links nach rechts): Gustav Klimt — Florentinisches Cinquecento und Quattrocento, Matsch — Barock und Rokoko, Ernst Klimt — Holländische und Vlämische Schule
Anordnung der Bilder im Stiegenhaus des KHM (Grafik)

Das Stiegenhaus (Treppenhaus) des Kunsthistorischen Museums in Wien ist mit Zwickel- und Interkolumnienbildern von Gustav Klimt, Ernst Klimt sowie Franz Matsch, Lünettenbildern von Hans Makart und einem Deckengemälde von Mihály Munkácsy ausgestattet.

Entstehung

Das Wiener Hofbau-Comité beauftragte Mitte des Jahres 1881 Hans Makart mit der Gesamtausstattung des großen Stiegenhauses. Da dieser jedoch 1884 starb, konnten nur die bis dahin von ihm fertiggestellten Lünettenbilder an die Wände des Museums angebracht werden. Für die weiteren Bilder musste man andere Künstler suchen. 1885 wurde zunächst Hans Canon mit dem Deckengemälde betraut, aber auch dieser verstarb wenige Monate später. Schließlich erhielt Mihály Munkácsy den Auftrag für die Deckenmalerei, Apotheose der Renaissance, die Mitte des Jahres 1890 vollendet war. Die Maler-Compagnie, in der sich die Brüder Gustav und Ernst Klimt sowie Franz Matsch zusammengeschlossen hatten, sollte die Zwickel- und Interkolumnienbilder ausführen. Der Auftrag dafür wurde im Februar 1890 erteilt und sollte binnen fünf Monaten erfüllt werden, fertiggestellt waren die Werke allerdings erst 1891. Hierbei seien die Schwierigkeiten der Auftraggeber erwähnt, Künstler zu finden, die Projekte solcher Größenordnungen überhaupt durchführen konnten, was die Fähigkeiten der jungen Maler-Compagnie unterstreicht.[1]
Konzept und Namensgebung der Innenausstattung stammen von Albert Ilg.[2]

Deckengemälde: Mihály Munkácsy

Munkácsys Apotheose der Renaissance scheint wie ein Renaissance-Gebäude mit Kuppel, die sich zum Himmel öffnet. In einer Loggia ist der Papst zu sehen, darunter Michelangelo, Leonardo da Vinci und Raffael. Tizian erteilt Malunterricht, auf einem Gerüst ist Paolo Veronese stehend beim Malen dargestellt. Darüber schweben personifizierte Darstellungen von Ruhm und Ehre der Künste - Fama und Gloria.

Lünettenbilder: Hans Makart

Makarts insgesamt zwölf auf Leinwand und goldenem Hintergrund gemalte Lünettenbilder bestehen aus zehn Gemälden von italienischen, spanischen, deutschen und niederländischen Künstlern des 16. bis 17. Jahrhunderts und deren Modellen bzw. Lieblingsthemen sowie aus zwei personifizierten Darstellungen, den Allegorien der Malerei und Bildhauerei.[3] Obwohl die einzelnen Werke weder in direktem inhaltlichen Zusammenhang stehen noch chronologisch geordnet sind, fällt bei der Positionierung der Bilder auf, dass in der Nord-Süd-Achse die Allegorien der Malerei und Bildhauerei bzw. in der Ost-West-Achse Velázquez und Rembrandt einander gegenübergestellt sind.

Nordwand

Südwand

Ostwand

Westwand

Zwickel und Interkolumnienbilder: Brüder Klimt, Matsch

Die Gemälde von Matsch und der Brüder Klimt beruhen inhaltlich auf verschiedenen Stilepochen, ein Hinweis auf die vielfältige Kunstsammlung der Habsburger. Gezeigt werden Kostüme, Schmuck, Kunstgewerbe, Waffen und Plastik.[6] Die Bilder sind auf Leinwand gemalt und an die Wände des Stiegenhauses geklebt. Die Auftraggeber stellten an die Maler-Compagnie folgende Anforderungen: Die Zwickel- und Interkolumnienbilder sollten sowohl mit den Größenverhältnissen der Darstellungen als auch der Farbgebung der bereits vorhandenen Werken Munkácsys sowie Makarts harmonieren. Außerdem sollten die jungen Künstler Material und Farbe der Säulen des Stiegenhauses berücksichtigen. Kunsthistorisch besonders bemerkenswert sind die Werke des damals achtundzwanzigjährigen Gustav Klimt, denn sie gelten als Beispiel für die Entwicklung von der Historienmalerei zum Jugendstil. Sein Bruder Ernst sowie Matsch hingegen blieben in ihren Darstellungen noch historischen Traditionen treu.

Nordwand: Gustav Klimt

Südwand: Franz Matsch

  • links: Nordische Gotik des späteren Mittelalters
  • Mitte: Romanische und byzantinische Kunst, Römische Antike
  • rechts: Karolingische und burgundische Zeit

Ostwand: Ernst Klimt

  • links: Die deutsche Renaissance
  • Mitte: Spanien und Niederlande
  • rechts: Italienische Hochrenaissance

Westwand: Brüder Klimt, Matsch

Literatur

  • Otmar Rychlik: Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Kunsthistorischen Museum. Katalog zur Sonderausstellung (Klimt-Brücke). Edition Kunst im Auftrag des Kunsthistorischen Museums, Wien 2012.
  • Beatrix Kriller, Georg Johannes Kugler: Das Kunsthistorische Museum, die Architektur und Ausstattung. Verlag C. Brandstätter, Wien 1991, S. ?.
  • Patrick Bade: Gustav Klimt. Parkstone International, 2011, S. ?-? Buchvorschau auf Google.

Einzelnachweise

  1. Otmar Rychlik: Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Kunsthistorischen Museum. Katalog zur Sonderausstellung (Klimt-Brücke), Seite 12. Edition Kunst im Auftrag des Kunsthistorischen Museums, Wien 2012.
  2. Das Unsichtbare sichtbar machen. Artikel von Beatrix Kriller-Erdrich, S. 5. Kunsthistorisches Museum, Wien 1991.
  3. Die Lünettenbilder im Stiegenhaus des KHM Artikel von Hedwig Abraham auf der Webseite des Viennatouristguide, Februar 2009. Mit Fotos aller Lünettenbilder. Abgerufen am 23. Dezember 2013.
  4. Stiegenhaus / Lünetten / Hans Makart. Broschüre von Rotraut Krall und Ilona Neuffer-Hoffmann, Seite 9. Kunsthistorisches Museum, Wien 2011.
  5. Die Lünettenbilder im Stiegenhaus des KHM Artikel von Hedwig Abraham auf der Webseite des Viennatouristguide, Februar 2009. Mit Fotos aller Lünettenbilder.
  6. Die Zwickel- und Interkolumnienbilder im Stiegenhaus des KHM. Artikel von Hedwig Abraham auf der Webseite des Viennatouristguide, Juli 2002. Abgerufen am 23. Dezember 2013.
  Commons: Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien