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vom 16.09.2016, aktuelle Version,

Burgruine Sarmingstein

Burgruine Sarmingstein
Blick auf die Altburg Sarmingstein

Blick auf die Altburg Sarmingstein

Entstehungszeit: 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts (erste urk. Erwähnung)
Burgentyp: Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Gemeinde St. Nikola an der Donau
Geographische Lage 48° 14′ 5″ N, 14° 56′ 27″ O
Burgruine Sarmingstein (Oberösterreich)
Burgruine Sarmingstein

Die Burgruine Sarmingstein ist die Ruine einer Felsenburg auf einer Felsenkuppe etwa 200 m oberhalb der Donau im Ortsteil Sarmingstein in der Gemeinde St. Nikola an der Donau im Bezirk Perg in Oberösterreich.

Die Ruine erreicht man über einen steilen, markierten Wanderweg, der von der nach Waldhausen im Strudengau führenden Sarmingstraße (L575) etwa 500 Meter nach einer Serpentine abzweigt. Die Burgruine Sarmingstein besteht aus einer Altburg, einer Vorburg sowie einer vorgelagerten Artilleriestellung (dem sogenannten Kanonenrondell).

Geschichte

Die Burg ist unter den Sommerauern (Summerauern) in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts fassbar. 1296 gehört sie zu jenen Burgen, die im Zuge des Adelsaufstand gegen Herzog Albrecht I. zerstört worden waren. Danach traten Burg und Herrschaft erst wieder im späten 15. Jahrhundert in Erscheinung, als die sich in landesfürstlichem Besitz befindliche Burg ab den 1470er-Jahren oder 1481 durch die Herren von Prüschenk verwaltet wurde.

1488 erteilte Kaiser Friedrich III. dem Siegmund und Heinrich von Prueschenk den Auftrag zur Errichtung der Burg Sarmingstein. Für einen raschen Aufbau spricht die Tatsache, dass die Herren von Prueschenk die Burg während des Baus der Greinburg ab 1491 als Wohnsitz nutzten. Mit der Fertigstellung von Greinburg 1493 wurde der Herrschaftsmittelpunkt der Prueschenks nach Grein verlegt.

1513 übergab Kaiser Maximilian I. Sarmingstein an das Stift Waldhausen. 1534 wurden im Auftrag von Kaiser Ferdinand I. unter Propst Konrad von Waldhausen die Burg, die Turmanlagen und die Basteien wieder instandgesetzt. Neben der Kernburg bestanden damals das massive feldseitige Vorwerk sowie der Turm im Ortsgebiet.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Anlagen durch die Schweden 1645 oder 1648 zerstört und blieben fortan Ruine.[1]

Burgruine Sarmingstein heute

Die Altburg von Sarmingstein umfasst ein polygonales Areal von etwa 48 × 28 Metern, das durch Reste einer blockhaft geschichteten Ringmauer eingeschlossen wird. Zu den ehemaligen Innenausbauten gehören Fundamentreste im Inneren des Nordberings auf einer schmalen felsigen Terrasse, die auf einen ehemaligen Palas hindeuten.

Auch auf der gegenüberliegenden Seite sind schmale Gebäude mehrerer Etappen (spätes 13. Jahrhundert) zu vermuten. Zwei auf zwei 50 bzw. etwa 300 Meter weiter nördlich liegenden Felsköpfen errichtete Türme (sogenannte Halseinzeltürme) waren der Burg vorgelagert.

Der Turm im unmittelbaren Vorfeld besaß Mauern, die zur Angriffsseite fast fünf Meter stark waren. Der viereckige Grundriss zeigt abgekantete Ecken und einen winzigen, dezentral gelegenen Innenraum. Der Rundturm des äußeren Vorwerks zeigt ebenfalls einen winzigen viereckigen Innenraum mit elf Metern Durchmesser. An den älteren Rundturm schließt ein ovales Plateau an, das durch einen steilen Wall mit innen liegenden Mauerresten umkränzt wird. Unterhalb des inneren Vorwerkes besteht noch eine etwa siebzig Meter lange Vorburg, die durch kleine Rondelle geschützt war. In der Vorburg finden sich die Ruinen von Wirtschaftsbauten sowie der große Mauerkranz einer Zisterne. Das Vorwerk wurde um 1500 ausgebaut.

Kanonenrondell Sarmingstein

Kanonenrondell der Burg Sarmingstein

Das „Kanonenrondell“ ist eine vorwiegend aus Erdwerk bestehende Artilleriestellung. Die einzigartige Befestigungsanlage, die bereits für große Geschütze eingerichtet worden war, dürfte unter Propst Konrad von Waldhausen zur Verstärkung der Burg Sarmingstein gebaut worden sein.

Das noch in den 1980er-Jahren bestens erhaltene Kanonenrondell ist mittlerweile durch Bringungswege erheblich beschädigt worden. Die Anlage steht nicht unter Denkmalschutz, obwohl sie für Oberösterreich einzigartig ist. Das Rondell steht etwa 300 Meter südöstlich des Hofes Burgner im Wald und ist nicht zugänglich, da das Grundstück mittlerweile weitläufig eingezäunt ist.

Ein Grundrissplan der Burg findet sich auf Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstituts,[2] weitere Bilder sind auf einer Datenbank über Ruinen in Österreich zu finden.[3]

Literatur

  • Norbert Grabherr: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. Ein Leitfaden für Burgenwanderer und Heimatfreunde. 3. Auflage. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1976, ISBN 3-85214-157-5.
  • Christian K. Steingruber: Eine kritische Betrachtung des Historisch-Topographischen Handbuches der Wehranlagen und Herrensitze Oberösterreichs. Ober-Österreichisches Landesarchiv, Linz 2013.

Einzelnachweise

  1. Christian K. Steingruber, 2013, S. 215.
  2. Eintrag von Thomas Kühtreiber zu Sarmingstein in der EBIDAT, der wissenschaftlichen Datenbank des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 16. September 2016.
  3. Sarmingstein
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