unbekannter Gast
vom 30.05.2017, aktuelle Version,

Eduard Schöningh (Offizier)

Eduard Schöningh

Eduard Schöningh (* 4. Dezember 1823 in Meppen; † 21. April 1900 ebenda) war ein Pionier der Hochmoorkultivierung im Emsland, Offizier der österreichischen Marineartillerie und Bürgermeister von Meppen/Ems.

Leben

Er war der jüngste Sohn von Heinrich Jakob Schöningh (1782–1833), Amtmann des Amtes Meppen im Herzogtum Arenberg-Meppen, und dessen Gattin Josephine geb. Coppenrath (1789–1851), Tochter des Buchhändlers und Verlegers Joseph Heinrich Coppenrath (1764–1853) aus Münster. Sein ältester Bruder Josef Schöningh wurde Richter am Obergericht Meppen. Ferdinand Schöningh (Verleger, 1815), ein weiterer Bruder, betätigte sich als Publizist und Verleger. Er gründete den heute noch existierenden Verlag Ferdinand Schöningh. Eduard Schöningh war mit Elisabeth geb. Lampe aus Lingen (Ems) verheiratet; ihr Sohn Eduard Schöningh (1874–1956) lebte als Gutsbesitzer in Meppen.

Nachdem Schöningh zunächst zum Buchhändler ausgebildet worden war und fünf Jahre als Buchhandelsgehilfe in der Coppenrathschen Buchhandlung in Münster gearbeitet hatte, nahm er als Freiwilliger im Bracklow'schen Scharfschützencorps an der Schleswig-Holsteinischen Erhebung teil. Nach dem Waffenstillstand von Malmö (26. August 1848) trat Eduard Schöningh in das Mariniercorps der von der Frankfurter Nationalversammlung aufgestellten Reichsflotte unter Admiral Karl Rudolf Brommy ein und erreichte dort den Dienstgrad eines Secondeleutnants.[1] Nach der Auflösung der Reichsflotte trat Schöningh in österreichische Dienste. Ab dem 16. Dezember 1852 war er Offizier der Marineartillerie in der k.k. Kriegsmarine, stationiert in Venedig, Triest und Pula, wobei er zeitweise auch auf der Fregatte SMS Novara diente. Dort wurde er u. a. für die Bekämpfung eines 1866 an Bord ausgebrochenen Brandes vom österreichischen Kaiser belobigt.[2] Er nahm als österreichischer Offizier am Deutsch-Dänischen Krieg und am Deutschen Krieg teil und erreichte den Rang eines Hauptmanns im Marine-Zeug-Corps.[3]

1867 nahm Schöningh seinen Abschied vom aktiven Dienst und kehrte nach Meppen zurück. Dort wirkte er im heimatlichen Emsland als Pionier der Hochmoorkultivierung. Eduard Schöningh und sein Bruder Ferdinand gründeten die Moorkolonie Schöninghsdorf. Die Friedrich Krupp AG eröffnete 1877 auf seinen Vorschlag hin einen Schießplatz in Meppen, aus dem die heutige Wehrtechnische Dienststelle 91 entstand. In seinen letzten Lebensjahren war er Bürgermeister seiner Heimatstadt. Er war schon früher zum Bürgermeister gewählt worden, konnte das Amt aber nicht antreten, weil die preußischen Behörden die Bestätigung der Wahl mit der Begründung verweigerten, er sei Staatsbürger eines Feindstaates. Schöningh besaß als österreichischer Offizier neben der preußischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Für seine Verdienste im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurde Eduard Schöningh zum Ehrenbürger von Wyk auf Föhr ernannt.[4] Aus demselben Anlass wurde er wegen seiner „besonderen Leistungen während der Expedition gegen die Inseln an der Westküste von Schleswig vom 11. bis 20. Juli 1864“ mit dem Österreichischen Militärverdienstkreuz ausgezeichnet.[3]

Auszeichnungen und Ehrungen

Auszeichnungen durch die Schleswig-Holsteinische Armee

Auszeichnungen im Dienst der K.k.Marine

Auszeichnungen im Königreich Preußen Provinz Hannover

  • Roter Adlerorden IV. Klasse (Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen lt. Eintrag im K.k. Marine-Grundbuch am 3. Dezember 1890 im Heeresgeschichtlichen Museum Wien)

Sonstige Ehrungen

  • Ehrenbürgerrecht des Fleckens Wyk auf Föhr“ (Erlaubnis zur Annahme der Ehrung am 18. Mai 1865 (K.k. Marine-Grundbuch und Kreisarchiv Husum))
  • Die "Hauptmann-Schöningh-Straße" in der Stadt Meppen wurde nach ihm benannt.

Literatur

  • Horst Heinrich Bechtluft: Eduard Schöningh, Seemann, Bürgermeister und Moorkolonist, in: Emsländische Geschichte, Jahrgang 10, 2003, Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte e.V., ISBN 3-9808021-1-6; (Findhinweis)
  • Horst Heinrich Bechtluft, Art. Schöningh, Eduard, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte, Bd. 10, Haselünne 2003, S. 336-344.
  • Schöningh sin Dörp, 1876 1976, 100 Jahre Schöninghsdorf, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1976.
  • Festausschuß 125 Jahre Schöninghsdorf (Hrsg.):125 Jahre Schöninghsdorf 1876–2001, Fege, Meppen 2001.
  • Hans Altmeppen-Többen: Die Geschichte des Kruppschen Schießplatzes und der Wehrtechnischen Dienststelle in Meppen. Goldschmidt-Druck, Werlte 1988, ISBN 3-927099-06-6.

Einzelnachweise

  1. Max Bär: Die Deutsche Flotte von 1848–1852. Hirzel, Leipzig 1898. (Eduard Schöningh in der Offiziersliste).
  2. Personal-Veränderungen in der k. k. österreichischen Armee. (Vom 15. Juni bis 15. Juli 1866.). In: Österreichische Militärische Zeitschrift. Band 7, Nr. 2. Wien 1866, S. 126 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 5. März 2017]).
  3. 1 2 Personal-Veränderungen in der k. k. österreichischen Armee. (Aus dem Armee-Verordnungsblatte Nr. 41, vom J. 1864.). In: Österreichische Militärische Zeitschrift. Band 5, Nr. 3. Wien 1864, S. 138 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 5. März 2017]).
  4. Gerd Stolz: Die "Eroberung" der nordfriesischen Inseln im Jahre 1864: eine Affaire aus dem deutsch-dänischen Krieg, Band 10 von: Heimatkundliche Schriften des Nordfriesischen Vereins für Heimatkunde und Heimatliebe, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 1988, Seite 62