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vom 16.04.2020, aktuelle Version,

Grabmal Kaiser Maximilians I.

Kenotaph Kaiser Maximilians I. in der Hofkirche Innsbruck

Das Grabmal Kaiser Maximilians I. ist ein monumentales Werk mit zahlreichen Bronzefiguren (daher im Volksmund: "Schwarze Mander" = schwarze Männer), das sich im Hauptschiff der Hofkirche Innsbruck befindet. Das Grabmal wurde von Kaiser Maximilian I. (1459–1519) bereits zu seinen Lebzeiten für die St. Georgs-Kapelle in der Burg in Wiener Neustadt in Auftrag gegeben, blieb jedoch unvollendet. Erst sein Enkel, Kaiser Ferdinand I. (1503–1564), ließ das Prunkgrabmal nach Innsbruck bringen und als Kenotaph in der eigens dafür von ihm erbauten Hofkirche aufstellen.

Geschichte

Kolorierter Stich (19. Jh.) des Inneren der Hofkirche mit dem Grabmal
Fotografie (1898) des Inneren der Hofkirche mit dem Grabmal
Inneres der Hofkirche mit dem Grabmal

Idee Kaiser Maximilians I.

Kaiser Maximilian I. hatte keinen festen Regierungssitz, sondern war meist dort zu finden, wo er politisch benötigt wurde. Tirol mochte er besonders gerne, hier konnte er jagen, klettern und fischen. Speziell Innsbruck zählte zu seinen Lieblingsorten, obwohl er nur selten dort war. So ließ er etwa in Innsbruck das Goldene Dachl und das Zeughaus an der Sill erbauen. Bereits während seiner Regierungszeit ließ sich Maximilian I. zahlreiche Denkmäler setzen. Besonders beschäftigte ihn jedoch schon zu Lebzeiten die Idee eines Grabdenkmals. Ursprünglich plante der Kaiser sein Grabmonument als eine Art Gralsburg am Falkenstein bei St. Wolfgang. Dort sollten auch die Statuen seiner Vorfahren aufgestellt werden, die er in Innsbruck gießen ließ. Die Grabwache sollten die Mitglieder des St. Georgs-Ritterordens übernehmen. Diese Pläne wurden durch den Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach durchkreuzt und kurz vor seinem Tod im Jahre 1519 in der oberösterreichischen Burg Wels verfügte der Kaiser, dass sein Leichnam in der Sankt-Georgs-Kapelle in der Wiener Neustädter Burg unter den Altarstufen beigesetzt werden sollte. Seinem Wunsch nach einer Bestattung in der Wiener Neustädter Burg wurde entsprochen, doch die Bronzefiguren waren für diese Kapelle – die im Obergeschoß der Burg über einer Durchfahrt liegt – zu schwer.

Aufstellung in Innsbruck

Maximilians Enkel, Kaiser Ferdinand I. ließ das leere Grabdenkmal nach Innsbruck bringen und dafür eine eigene Grabeskirche, die Hofkirche, errichten. Um das Grabmal wurden die schlussendlich 28 gegossenen Bronzefiguren gruppiert. Das Kenotaph wurde erst 1584 unter Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595) vollendet.

Zweiter Weltkrieg

Wegen des immer näher kommenden Kriegsschauplatzes des Zweiten Weltkriegs wurden die "Schwarzen Mander" in einen Felsenkeller einer Brauerei im etwa 55 km entfernten Kundl im Unterinntal verbracht. Ab 25. Dezember 1943 wurden dort täglich zwei Figuren eingelagert. Der Rücktransport in die Hofkirche erfolgte nach Kriegsende, am 11. November 1945 wurde die Hofkirche wieder geöffnet.[1]

Beschreibung

Bronzefigur von Kaiser Maximilian auf seinem Grabmal
Marmortafel mit Ereignissen aus dem Leben Kaiser Maximilians
Figuren vom Grabmal Kaiser Maximilians

Das Monument besteht aus einer leeren Tumba, auf welcher die Statue Kaiser Maximilians I. in "ewiger Anbetung" kniet. Die Tumba und die umgebenden Säulen bestehen aus Adneter Marmor, einem österreichischen Kalkstein. Rundherum verläuft ein reich gearbeitetes schmiedeeisernes Gitter mit Marmortafeln mit Ereignissen aus dem Leben des Kaisers. Rings um diese Anlage sind heute 28 überlebensgroße Bronzefiguren gruppiert; der ursprüngliche Entwurf sah 40 derartige Figuren vor.

Konzeption

Für sein Grabmal gab Maximilian den Guss von 40 überlebensgroßen Bronzefiguren in Auftrag. Die dargestellten Persönlichkeiten symbolisieren:

Pia Maria Plechl verglich das im 17. Jahrhundert in Stift Stams geschaffene „Österreichische Grab“ aufgrund seiner Gestaltung mit lebensgroßen Portraitfiguren mit dem Grabmal Kaiser Maximilians I.[2]

Künstler

Die Planung und Ausführung des Grabmals leitete nach heutiger Ansicht der Plastiker Gilg Sesselschreiber, einzig das Modell für die Figur der Zimburgis ist möglicherweise dem Rottweiler Bildhauer Conrad Rötlin zuzuschreiben.[3] Die Standfiguren goss nach der Überlieferung der Stückgießer Gregor Löffler.[4] Die Entwürfe für die Standfiguren stammen unter anderem von Peter Vischer d. Ä. und Albrecht Dürer (Figur des Königs Artus). Von den umgebenden Marmortafeln mit den Ereignissen aus seinem Leben schufen die Gebrüder Bernhard und Arnold Abel aus Köln vier Stück, sie holten auch den Marmor aus Carrara dazu. Ihr Werk führte der Bildhauer Colin von Mecheln weiter. Die Statue Maximilians schuf 1582 Ludwig del Duca. Das Grabmal wurde jedoch nur zum Teil ausgeführt und blieb letztlich unvollendet.

Statuetten der Heiligen des Hauses Habsburg

Neben den ursprünglich 40 überlebensgroßen Bronzefiguren wurden 100 Statuetten der habsburgischen Heiligen in Auftrag gegeben. Entworfen wurden diese 1514/15 vom Hofmaler Jörg Kölderer. Zwischen 1515 und 1528 wurden 23 Statuetten gegossen, die restlichen 77 Entwürfe wurden nicht ausgeführt. Sie sind zwischen 66 und 69 cm groß. Die Figuren befinden sich heute auf der Nordempore in der Innsbrucker Hofkirche, oberhalb des Kenotaphs.[5]

Die 23 Figuren umfassen:

Liste der Bronzefiguren

Statuen von Albrecht II., Friedrich III., Leopold dem Heiligen und Albrecht IV.
Statuen von Albrecht, Rudolf, Philipp und Chlodwig
Die Burgunderherzöge Philipp der Gute und Karl der Kühne

Entgegen der umgangssprachlichen Bezeichnung Schwarze Mander (schwarze Männer) befinden sich auch Frauen unter den dargestellten Personen. Die 28 Figuren umfassen:

Kenotaph

Das Kenotaph in der Innsbrucker Hofkirche zählt zu den bedeutendsten Renaissancedenkmälern Europas und war ein Bau über Generationen hinweg. Maximilians Enkel und Testamentsvollstrecker, Kaiser Ferdinand I., der Innsbruck als Aufstellungsort des Denkmals bestimmt hatte, ließ nicht nur die Hofkirche erbauen, sondern fügte in das Konzept seines Großvaters auch ein prunkvolles Hochgrab ein. Die Marmorreliefs sollten wichtige Szenen aus dem Leben des Kaisers ins Gedächtnis rufen, die bereits in der von Albrecht Dürer geschaffenen „Ehrenpforte“ –  hier jedoch vom Hochformat in ein Querformat gewandelt – dargestellt wurden. Dargestellt sind

  • die Schlacht von Guinegate, 1479;
  • die Rückeroberung österreichischer Gebiete von den Ungarn 1477 und 1485;
  • die Einnahme von Stuhlweißenburg 1490;
  • die Hochzeit 1496 von Maximilians Sohn Philipp des Schönen mit Johanna von Kastilien;
  • der Kampf um Geldern 1492/93;
  • der Schweizer Krieg 1499;
  • der Krieg um die Krone von Neapel 1503 und
  • der Bayerischen Krieg 1504.

Die Fertigstellung zog sich über Jahrzehnte und so war es schließlich Erzherzog Ferdinand II., der 1584 dieses Großprojekt seines Urgroßvaters vollendete.

Mit der Ausführung der Tumba wurden 1561 die Brüder Abel beauftragt: Florian schuf die Vorzeichnungen, Bernhard und Arnold sollten diese als Marmorreliefs ausführen. Bis zu ihrem Tod waren aber erst drei der insgesamt 24 Reliefs vollendet, weshalb schließlich der Hofkünstler Alexander Colin das Werk vollendete. Diese Vorzeichnungen, die s.g. "Visierung" auf Papier in riesiger Originalgröße hat sich ungewöhnlicherweise bis heute erhalten. Diese grafische Rarität des 16. Jahrhunderts ist in der Kunst- und Wunderkammer von Schloss Ambras Innsbruck ausgestellt.[6]

Imperatorenbüsten

Ursprünglich waren für das Grabmal Maximilians I. 34 Imperatorenbüsten aus Bronze geplant gewesen. Ihre Vorbilder findet man in den Herrscherbildnissen antiker Münzen. Kaiser Maximilian I. leitete seine Herkunft von den antiken Imperatoren ab und legitimierte dadurch seine eigene Herrschaft. Sein Enkel und Testamentsvollstrecker Kaiser Ferdinand I. verzichtete darauf, die Büsten in der Innsbrucker Hofkirche aufzustellen. So befanden sie sich zur Zeit Erzherzog Ferdinands II. zunächst in Schloss Ruhelust, bis sie 1695 ins Antiquarium von Schloss Ambras Innsbruck gelangten, wo sich bis heute 20 erhalten haben; eine weitere gelangte ins Bayerische Nationalmuseum München.

Siehe auch

Literatur

  • Gottfried Primisser: Denkmähler der Kunst und des Alterthums in der Kirche zum heiligen Kreuz in Innsbruck. Wagner, Innsbruck 1812. (Digitalisat)
  • Norbert Hölzl: Das goldene Zeitalter. Der Traum Kaiser Maximilians 1502–2002, Das größte Kaisermonument des Abendlandes. Edition Tirol 2001, ISBN 3-85361-064-1.
  • Monika Frenzel: Kenotaph – Das Hochgrab Kaiser Maximilians I. in der Hofkirche zu Innsbruck. 2013, Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft mbH.
Commons: Tomb of Maximilian I, Holy Roman Emperor  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kundl life, Ausgabe 6/2005, S. 8 abgerufen am 8. März 2014
  2. Pia Maria Plechl, Land der Berge. Die schönsten Paß- und Höhenstraßen Österreichs, Wien 1973.
  3. Heinrich Adrion: Der Rottweiler Bildhauer Kaiser Maximilians Conrad Rötlin, 2000, S. 65
  4. Gottfried Primisser: Denkmähler der Kunst und des Alterthums in der Kirche zum heiligen Kreuz in Innsbruck. Wagner, Innsbruck 1812. ›Abschnitt Grabmal‹ etc.
  5. Erich Egg: Die Hofkirche in Innsbruck. Das Grabdenkmal Kaiser Maximilian I. und die Silberne Kapelle.
  6. Haag, Sabine, Sandbichler, Veronika, Kunsthistorisches Museum Wien, Schlosssammlung Ambras,: Maximilian I : "Zu Lob und ewiger Gedachtnus". [Innsbruck], ISBN 978-3-99020-190-9.


Siehe auch

-- Lanz Ernst, Freitag, 25. September 2020, 17:54