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vom 11.01.2017, aktuelle Version,

Johann Ferdinand von Schönfeld

Johann Nepomuk Ferdinand Ritter von Schönfeld (* 20. Juli 1750 in Prag; † 15. Oktober 1821 in Wien) war ein österreichischer Unternehmer, Kunstsammler und Schriftsteller. Er war ein Angehöriger des böhmischen Adelsgeschlechts von Schönfeld.

Angehörige

Johann von Schönfeld, der Sohn des Prager Buchdruckers Anton Johann von Schönfeld, Bruder des Franz Expedit Edler von Schönfeld, SJ (* 7. März 1745 in Prag; † 27. August 1807 in Reichstadt (Zakupy) bei Böhmisch Leipa als Dechant), Angehöriger des Ordens der Jesuiten, Dr. theol. (Universität Prag), u.a. Professor der Dichtkunst (Gymnasium Prager Neustadt, Universität Prag); Vater des Ignaz von Schönfeld (* 1779; † 11. November 1839 in Wien, Jurist (Universität Prag), 1813 in Tarnow und Czernowitz, u.a. leitete er 1813 bis 1818 die nach ihm benannte Schönfeldsche Druckerei in Prag) und Großvater des Anton von Schönfeld (1827–1898), 1883 Feldmarschall-Leutnant, 1886 Feldzeugmeister.

Biographie

Johann Nepomuk Ferdinand von Schönfeld absolvierte eine Buchdrucker- und Buchhändlerausbildung. Er heiratete Johanna Lehnert (Löhnert), die Tochter eines Glockengießers in Prag, mit deren Mitgift in unbekannter Höhe er in den 1770er Jahren eine Offizin und eine Buchhandlung in Prag gründete und als Familienunternehmen zum größten Verlag Prag (1787 mit 17 Pressen) ausbaute.

In der Druckerei mit dem Schwerpunkt auf Zeitungen und populären Werken religiöser, belehrender und unterhaltender Literatur produzierte er preiswerte Massenlektüre für breite Bevölkerungsgruppen, die meist aus Nachdrucken religiöser katholischer und evangelischer Texte bestand. 1775 druckte er auch die erste Zeitung Prags für Angehörige des jüdischen Glaubens.

Seit 1783 war Johann Ferdinand von Schönfeld im Besitz der Exklusivrechte zur Herstellung von Drucksachen des Gubernium in Prag. Von 1785 bis 1825 verlegte er die K. und K. Oberpostamts-Zeitung, die später in der Prager Zeitung einen Nachfolger gefunden hat, mit der tschechisch-sprachigen Fassung Cis. karl. postovske noviny (1786–1789), die von Vaclav Matej Kramerius redigiert wurde. 1794 druckte er das Prager-Intelligenzblatt für die gebildeten Kreise. Im Jahr 1800 wurden beide Publikationen vereint. Als erfolgreicher, vielseitiger Unternehmer, errichtet er das Lustschloss Rosental (Ruzodol) und die damals modernste böhmische Papierfabrik in Karolinenthal, war Kunstsammler und Mäzen.

Er gründete eine Niederlassung in Wien, 1788 in Karlsbad, dem aufstrebenden Kurort in Westböhmen. In den 1780er Jahren erwarb er mehreren Häusern in der Prager Altstadt, ein Gut in Karolinenthal, damals einem Vorort von Prag, erbaute dort das Lustschloß Rosental (Ruzodol) mit tschechisch-sprachigen Theater-Darbietungen, gründete eine Papiermanufaktur und einen Vergnügungspark für die Prager Bevölkerung. Im Jahr 1790 erhielt er als erfolgreicher Kaufmann den Titel eines k. u. k. Hoflieferanten.

Neben den wirtschaftlichen Erfolgen erreichte Johann (seit 1814) Ritter von Schönfeld auch eine Verlautbarung (Intimation) des an seine Vorfahren von Schönfeld aus den österreichischen Niederlanden im Jahr 1594 verliehenen Adelsstand. 1814 wurde der Adelstitel auch im Kaisertum Österreich anerkannt (siehe bei: Schönfeld in Böhmen).

Umzug nach Wien

Um 1780 kaufte Johann von Schönfeld einen Teil der bemerkenswerten Sammlung, die Kaiser Rudolf II. (HRR) in Prag angelegt hatte. Sie bildeten den Grundstock des Schönfeldschen Technologischen Museums, in dem sich auch kunsthandwerkliche Gegenstände und Kuriositäten befanden. Um 1799 verlegte von Schönfeld seinen Wohnsitz nach Wien, wo er die Sammlung in seiner Wohnung aufstellte. Im Jahr 1805 zog er in eine Sommervilla in Baden bei Wien. Die nahe der Stadt liegende Burgruine Rauhenstein und die Umgebung ließ er auf seine Kosten als Ausflugsziel vor dem Verfall retten. Teile seiner Ausstellung sind auch heute noch in Baden im Rollettmuseum zu besichtigen. Auch ein Diplomatisch-heraldisches Adelsarchiv stammte von ihm. Es wurde von seinem Sohn Ignaz von Schönfeld weitergeführt.

In Österreich ansässig, beschäftigte er sich als Unternehmer auch mit der Produktion von Industrie- und Handelsgütern. Die Druckereirechte übernahmen im Jahr 1811 die beiden Brüder Franz und Felix Stöckholzer von Hirschfeld. Die Druckerei in Prag, die im Annenhof, einem ehemaligen Kloster untergebracht war, wurde von seinem Sohn Jakob von Schönfeld 1821 übernommen. Sie wurde von diesem im Jahr 1835 an die Firma Gottlieb Haase und Söhne weiterveräußert. 1814 wurde von Johann von Schönfeld ebenfalls in Prag auch eine Leihbücherei eingerichtet. In Franzensthal bei Ebergassing in Niederösterreich betrieb Schönfeld um 1816 eine Papierfabrik.

Während der Napoleonischen Kriege stagnierte sein Unternehmen und er trennte sich von großen Teilen seines Prager Besitzes. Aus den Verkäufen der Häuser in Prag und des Besitzes in Karolinenthal wird geschlossen, dass Schönfeld nach den Franzosenkriegen mit seinen verzweigten Unternehmen wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten sein dürfte.

Sonstiges

Johann Nepomuk Ferdinand von Schönfeld war auch schriftstellerisch tätig. Er verfasste landwirtschaftlich-wirtschaftspolitische Schriften. Auch das Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag aus dem Jahr 1796 dürfte von ihm stammen. Dieses Werk war für die Musikszene der beiden Städte so bedeutend, dass das Buch im Jahr 1976 auf Initiative von Otto Biba nachgedruckt wurde.[1]

Werke (Auswahl)

  • Nachricht von einer neuen Buchdruckerei, 1782
  • Die Industrie an Ungarns Edle, 1802
  • Die alte Hilfe der Böhmen und Mährer, 1808

Literatur

Einzelnachweise

  1. Herausgegeben von Otto Biba Musikverlag Emil Katzbichler, München-Salzburg abgerufen am 11. August 2009