unbekannter Gast
vom 29.03.2017, aktuelle Version,

Leopold von Lützow

Leopold Wichard Heinrich von Lützow auch Leo von Lützow genannt (* 26. März 1786 in Berlin; † 27. August 1844 in Gotha) war ein jüngerer Bruder von Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow. Wahrscheinlich war er der einzige deutsche Offizier, der in vier Armeen diente, um gegen Napoleon Bonaparte zu kämpfen.

Leben

Im Jahr 1803 trat Leopold von Lützow in die preußische Armee ein und kämpfte im Vierten Koalitionskrieg 1806 bis 1807 gegen Napoléon. Im Jahr 1809 war er Leutnant im Quartiermeisterstab.

Gemeinsam mit seinem Bruder Adolf von Lützow schloss er sich am 30. April 1809 dem 2. Brandenburgischen Husarenregiment unter Major Ferdinand von Schill an. Die Nachricht vom Aufstand in Hessen unter Wilhelm von Dörnberg hatte Schill zum Aufstand gegen die französische Besetzung veranlasst. In der Schlacht bei Dodendorf wurde Adolf von Lützow schwer verwundet. Er wurde von seinem Bruder Leopold gefunden und in Sicherheit gebracht.

Im weiteren Verlauf kam es zu Differenzen zwischen Schill und Leopold von Lützow, weil sie über die militärische Strategie unterschiedliche Auffassungen hatten. In Stralsund verließ Leopold von Lützow die Schillschen Jäger, da Schill auf einer Verteidigung Stralsunds bestand, anstatt mit seinen Truppen nach Rügen überzusetzen, um später erneut gegen Napoléon zu kämpfen. Schill wurde von in französischen Diensten stehenden dänischen und holländischen Truppen geschlagen und fiel im Kampf.

Leopold von Lützow schloss sich der österreichischen Armee an. Nach der Niederlage Österreichs 1809 ging er nach Spanien und kämpfte dort von 1810 bis zum Beginn des Jahres 1812 gegen die französische Armee. Durch die Kapitulation von Valencia am 13. Januar 1812 geriet er in französische Gefangenschaft, aus der er fliehen konnte. Über die Schweiz, Deutschland und Polen reiste er, mitten durch die aufmarschierenden Truppen der Grande Armée, nach Russland. Im Juli 1812 erreichte er die russische Armee bei Drissa und wurde als Oberstleutnant übernommen. Er diente im Russlandfeldzug Napoléons und den folgenden Befreiungskriegen in der russischen Armee. Dabei zeichnete er sich in den ersten Schlachten und Gefechten des Jahres 1813 so aus, dass ihn (und 160 andere russ. Offiziere) der russische General Graf Wittgenstein dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. mit Bericht vom 30. September 1813 zur Auszeichnung vorschlug. Mit Allerhöchster Kabinettsorder vom 8. Dezember 1813 antwortete der König „…Ich übersende Ihnen anliegend das Verzeichnis derjenigen 161 Kaiserlich Russischen Offiziere, welche Ich für Auszeichnung in den ersten Schlachten und Gefechten in Sachsen und Schlesien die dabei benannten Orden verliehen habe…“. In der Liste der 67 Verleihungen mit dem Orden pour le merite befand sich auch Leopold von Lützow.[1]

Im Jahr 1815 trat er erneut in die preußische Armee ein und nahm im Generalstab Blüchers an der Schlacht bei Ligny und der Schlacht bei Waterloo teil. 1817 wurde er Mitglied der Gesetzlosen Gesellschaft in Berlin. Diese Gesellschaft wurde 1809 gegründet und trug ihren Namen, weil sie keine Statuten hatte. Zu ihren Mitgliedern gehörten unter anderem Wilhelm von Humboldt, Carl von La Roche, Friedrich Carl von Savigny und August Neidhardt von Gneisenau. Leopold von Lützow wurde 1829 Generalmajor und 1834 Leiter der allgemeinen Kriegsschule. Im Jahr 1836 erhielt er das Kommando über die 9. Preußische Brigade. Zwei Jahre später wurde er Kommandeur der 9. Division und Kommandant der Festung Glogau. Im Jahr 1839 wurde er Generalleutnant, 1843 Gouverneur von Berlin und Chef der Landgendarmerie. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Militär-Verdienstorden für seine Beteiligung an der Völkerschlacht bei Leipzig und das Eiserne Kreuz. Ferner wurde er durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Glogau ausgezeichnet.[2] Er starb am 27. August 1844 in Gotha.

Familie

Sein Vater war der preußische Generalmajor Johann Adolph von Lützow (1748–1819), seine Mutter Wilhelmine, geb. von Zastrow (1754–1815). Am 9. April 1815 heiratete er Bertha von La Roche (* 5. April 1793; † 30. Juni 1830). Mit ihr hatte er sieben Kinder, von denen drei im Kindesalter starben.

  • Sophie (* 5. Januar 1816; † 5. August 1855) ∞ 1840 Karl von Richthofen (1811–1888)
  • Leo Adolf Marquardt (* 1. September 1817; † 17. Januar 1891) preußischer Kreisgerichtsrat ∞ 1847 mit Maria von Orville (Marie d'Orville, Sängerin) (* 26. August 1819; † 11. April 1890)
  • Otto (* 1818)
  • Mathilde (* 1822)
  • Agnes (1825–1826)
  • Editha (1828–1830)
  • Max (1829–1830)

Am 6. Februar 1835 heiratete er in zweiter Ehe Therese von Richthofen (* 25. Januar 1816; † 25. September 1839), mit der er einen Sohn hatte.

  • Kurt Heinrich Karl (* 10. Juni 1836; † 3. Juli 1907), Generalmajor
∞ Margarethe von Werder (* 18. Dezember 1840; † 18. August 1872)
∞ Gertrud von Hoverbeck genannt von Schönaich (* 22. Juli 1856)

Seine Frau war die Schwester des Germanisten Karl von Richthofen (1811–1888).

Literatur

  • Wichard Freiherr von Lützow: In vier Armeen gegen Napoleon - Leopold von Lützow, Epee Edition e.K. - ISBN 978-3-943288-16-2
  • Carl von Clausewitz: Der Russische Feldzug von 1812, Magnus Verlag Essen – ISBN 3-88400-162-0
  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon, Dritter Band, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1834 S. 503, Digitalisat
  • Beiträge zur Kriegsgeschichte der Feldzüge 1813 und 1814, Verlag der Realschulbuchhandlung, Berlin 1815
  • Die Schlacht von Hohenfriedberg, Verlag Ferdinand Riegel, Potsdam 1845
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1860. Zehnter Jahrgang, S.517f

Einzelnachweise

  1. Gustav Lehmann: Die Ritter des Ordens pour le merite, Band 2, Verleihungen unter König Friedrich Wilhelm III., Seite 145 ff, Nr. 1028, Mittler, Berlin, 1913
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Band F XVI, Seite 175, C.A. Starke-Verlag, Limburg, 1992