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vom 02.04.2017, aktuelle Version,

Niccolò Pisano

Kanzel im Dom von Siena
Kanzel im Baptisterium von Pisa
Die Fontana Maggiore in Perugia
Arca di San Domenico in Bologna
Niccolò Pisano (Statue in den Uffizien, Florenz)

Nicola Pisano, auch Niccolò Pisano (* 1210/20 in Pisa oder Apulien[1]; † 1278/87), war ein italienischer Bildhauer und Architekt. Er gab der italienischen Plastik einen neuen Aufschwung, der schließlich zu einer vollkommenen Blüte in der Renaissance führte.

Leben

Pisano, Sohn eines Steinmetzen, hat vermutlich in der süditalienischen Bildhauerwerkstatt, die mit der höfischen Kultur Friedrich II. in Verbindung stand, gelernt, evtl. um den Kreis von Niccolò di Bartolommeo da Foggia, von dem u. a. die Kanzel für Ravello stammt. Um 1250 ging er nach Pisa (Name!), wo seine Werkstatt einen Auftrag zur Anfertigung einer Kanzel hatte. Diese wurde 1260 vollendet und war die erste bedeutende italienische Kanzel ihrer Art. Seine plastischen Hauptwerke sind daher die polygonen Marmorkanzeln (Sechseck) im Baptisterium zu Pisa, ferner für den Dom zu Siena (1265–68) mit oktogonalem Grundriss, deren Brüstungen mit figurenreichen Reliefs aus dem Neuen Testament versehen sind. Außerdem schmückte Pisano das Grabmonument des heiligen Dominikus in Bologna, die Arca di San Domenico, mit Reliefs und den Marmorbrunnen (Fontana Maggiore) in Perugia (1277–1280) mit Reliefs und Statuetten, die die Monatszyklen sowie die sieben freien Künste zum Thema haben, und begann 1260 mit dem Bau des Baptisteriums in Pisa.

Seine Schüler waren Arnolfo di Cambio und Fra Guglielmo Agnelli, sowie Pisanos Sohn, Giovanni Pisano, der an dem Bau der Kanzel mitwirkte und nach ihm bedeutende Werke schuf und sogar Dombaumeister wurde.

Der nach 1270 gefertigte Brunnen in Pistoia wurde von den Mitarbeitern Donato und Lapo nach seinen Entwürfen gefertigt. Der Brunnen am Domplatz von Perugia ist ebenfalls ein Gemeinschaftswerk, zusammen mit Giovanni, seinem Sohn, und Arnolfo di Cambio. Pisano ragte weit über seine unmittelbaren Vorgänger hinaus.

Zwar behielt auch er die traditionellen, vorwiegend byzantinischen Kompositionsmotive bei; doch hat er durch das Studium der Antike, speziell der spätantiken Sarkophagplastik, den Anstoß zu einer neuen Formenbildung gegeben, und die er im Relief anwandte, wobei die Gestaltung plastische Formen an Bedeutung über den Grundriss gewann. Die Kanzeln und Brunnen im Allgemeinen, aber besonders die Reliefs beinhalten ein reiches ikonographisches Programm. Die Hochreliefs sind mit ruhig bewegten und natürlich gestalteten Figuren dicht gefüllt, welche auf das unmittelbare Studium der Natur aufbauen. Pisanos einzigartiges Gefühl für körperliche Modellierung wurde in diesen Reliefs offenbar und entspricht dem erwachenden Gefühl für die Würde des Menschen in der Renaissance mit dem sich anbahnenden verstärktem Selbstbewusstsein des Bürgertums.

Über Pisano als Architekt sind wir wenig unterrichtet, da die ihm in den Viten von Vasari[2] zugeschriebenen Bauten fast alle im Lauf der Zeit umgebaut worden sind. Ein sicherer Nachweis über die Mitwirkung bei der Kirche S. Trinità in Florenz oder dem Schloss in Prato bleibt unklar.

Literatur

  Commons: Nicola Pisano  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Über seine Abstammung herrschte im 19. Jahrhundert Unklarheit. Er wurde in Dokumenten als de Apulia bezeichnet, was sich aber auch auf lokale Ortschaften hätte beziehen können; sein erstes bezeugtes Auftreten erfolgte jedoch in Pisa. Vergleiche Pulìa Lucchese, der angebliche Geburtsort Nicola’s Pisano (Wikisource) Sollte er aus Apulien stammen, wäre eine Ausbildung in der apulischen Bildhauerschule Kaiser Friedrichs II. naheliegend, der seinen Steinmetzen erstmals die Anlehnung an die profane Plastik der Antike aufgegeben hatte, etwa beim Skulpturenschmuck des Brückentors von Capua.
  2. Giorgio Vasari: Le vite dei più eccellenti pittori, scultori e architetti. Newton Compton Editori, Rom 2010, ISBN 978-88-541-1425-8, S. 127 ff.
Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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