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vom 11.10.2018, aktuelle Version,

Ondřej Cikán

Ondřej Cikán

Ondřej Cikán (* 20. Juni 1985 in Prag) ist ein österreichisch-tschechischer Autor, Filmregisseur, Verleger und Übersetzer aus dem Tschechischen und Altgriechischen.

Leben

Ondřej Cikán lebt seit 1991 in Wien. 2013 schloss er das Master-Studium der Gräzistik ab[1] und begann mit der Dissertation über den byzantinischen Roman bei Claudia Rapp und Carolina Cupane am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien.

2000 wurde sein erstes Theaterstück Tragödieninsel in der damaligen Spielbar des Wiener Volkstheaters aufgeführt.[2] 2002 gründete er gemeinsam mit Anatol Vitouch die Literatur- und Theatergruppe Die Gruppe, aus der der Verein zur Unterstützung märchenhaften Theaters entstand. Seitdem absolvierte Cikán zahlreiche Lesungen, Theateraufführungen und Publikationen u. a. mit Der Gruppe. 2009 nahm er an der Finalrunde des Berliner Open-Mike-Literaturwettbewerbs teil.[3] 2018 gründete er im Rahmen des Vereins zur Unterstützung märchenhaften Theaters den auf poetische Übersetzungen spezialisierten Verlag Kētos.

Zum Werk

Seine Texte sind nach eigener Aussage durch den Surrealismus und den tschechischen Poetismus beeinflusst.[4]

Sein Roman Menandros und Thaïs orientiert sich an „altgriechischen Schundromanen“.[5] Der Aufbau ähnelt am ehesten den Romanen Ephesiaka von Xenophon von Ephesos und Chaireas und Kallirhoë von Chariton, jedoch ist Cikáns Roman um zusätzliche Ebenen bereichert, unter anderem um eine Handlung in der heutigen Gegenwart. Das Werk ist unter dem Titel Menandros & Thaïs abendfüllend verfilmt worden (Regie: Antonín Šilar, Ondřej Cikán).[6]

Mit dem Kurzepos Prinz Aberjaja baute Cikán das tschechische Märchen Princ Bajaja von Božena Němcová (1820–1862) aus und brachte es in Versform. Ferner ist das Kurzepos auch von dem Film Princ Bajaja von Antonín Kachlík inspiriert.[7] Eine Szene aus Prinz Aberjaja wurde zum gleichnamigen Kurzfilm mit Paula Beer in der Hauptrolle verarbeitet (Regie: Anatol Vitouch, Ondřej Cikán).[8]

Aus dem Tschechischen übersetzte Cikán zum Beispiel das Epos Mai von Karel Hynek Mácha, Gedichte von J.H. Krchovský oder den Roman Valerie und die Woche der Wunder von Vítězslav Nezval.[9]

Aus dem Altgriechischen übersetzte er gemeinsam mit Georg Danek den Roman Daphnis und Chloë von Longos, wobei das Besondere an dieser Übersetzung darin liegt, dass Danek und Cikán die antike Kunstprosa des Longos in Verse gegliedert und somit die rhythmische Struktur sowie stilistische Mittel wie den Endreim sichtbar gemacht und ins Deutsche übertragen haben.[10]

Eigenständige Publikationen

Filmregie

Übersetzungen ins Deutsche

Übersetzungen ins Tschechische

  • Digenis Akritis – Byzantský epos o Dvojrodém Hraničáři, übersetzt und kommentiert von Ondřej Cikán und Markéta Kulhánková, Červený kostelec, 2018

Publikationen durch den Verein zur Unterstützung märchenhaften Theaters

  • Frühling, Gedichte, Wien, 2005
  • Dracula, Romänchen, Wien, 2006
  • Wüste, Gedichte, Wien, 2006
  • Marmor, Theaterstücke Pyrrha und Gorgo, Wien, 2006
  • Das Ungeheuer, Romänchen, Wien, 2007
  • Karel Čapek: Der Dichter / Básník, Wien 2007
  • Billige Geschichten 1, Prosa, Wien, 2008
  • Frankensteins Unhold Frankenstein, Romänchen, Wien, 2008
  • Im Bad, Theaterstücke Tragödienwanne und Batseba, Wien, 2008
  • Gedichte aus New Mexico, Gedichte, Wien, 2009
  • Dunkle Geschenke, Gedichte, Wien, 2010
  • Opferung, Gedichte, Wien, 2010
  • Der Obszöne Urlaub, Gedichte von Ondřej Cikán und Anatol Vitouch, Wien, 2011

Theateraufführungen und szenische Lesungen (Auswahl)

  • Tragödieninsel, ehem. Spielbar des Wiener Volkstheaters, 2000
  • Prinzessinnen, Festsaal des AkG, Wien, 2002
  • Im Bad (Tragödienwanne, Batseba), Kabelwerk, Wien, 2003
  • Marmor (Pyrrha, Gorgo), Café Nil, Wien, 2006
  • Menandros und Thaïs, Rote Bar des Wiener Volkstheaters, 2011

Sonstige

  • Bei einem Teich, Lied, vertont von Jury Everhartz, 2003[11]
  • Gedichte aus New Mexico, erschienen im Sammelband 17. Open Mike (Hg. Literaturwerkstatt Berlin), München, 2009, ISBN 978-3-86906-075-0
  • Gongyla, Erzählung, erschienen im Sammelband Blinde Liebe (Hg. Anna Maria Wallner), Wien, 2010, ISBN 978-3-99001-011-2
  • Odysseus – Die Straßenbahnfahrt, Hörspiel-CD, Wien, 2011
  • Einige Übersetzungen tschechischer Lyrik und etwas mehr hat in den Roman Küss mich, Libussa von Sophie Strohmeier Eingang gefunden, Wien, 2013, ISBN 978-3-99001-059-4
  • Duben, Übersetzung des Gedichts über den Monat April aus einem neulateinischen Kalender ins Tschechische, erschienen in Fasti Austriae 1736, Wien, 2015, ISBN 978-3-70690-843-6
  • Unter anderem der Text des Kaninchenlieds und eine erweiterte Übersetzung von Sappho 94D fanden Eingang in den von Hans Wagner komponierten Soundtrack zum Film Menandros & Thaïs, 2016[12]
  • Musische Heiligengeschichten oder Die Wiese der Musen, Sammlung von Erzählungen, erschienen im deutschen Original sowie in englischer Übersetzung von Emma Rault im Band Jürgen Kleft: Shellpunk, Hamburg, 2017, ISBN 978-3-86485-182-7
  • Das Nachwort zu J.H. Krchovský: Mumie auf Reisen (s. o.) enthält Neuübersetzungen von Einzelgedichten von Egon Bondy, František Gellner, Otokar Březina und der lateinischen Carmina Priapea.
  • Der Kommentar zu Longos: Daphnis und Chloë (s. o.) enthält Neuübersetzungen einiger Gedichte von Sappho, Anyte, Nossis u. v. m.

Einzelnachweise

  1. Versuch einer Rekonstruktion des Aufbaus des Romans von Antonios Diogenes. In: ubdata.univie.ac.at. 28. August 2014, abgerufen am 4. Januar 2015.
  2. palka.at: theaterarbeit. In: palka.at. Abgerufen am 4. Januar 2015.
  3. Berlin Literaturwerkstatt: 17. Open Mike. BoD Books on Demand, 2009, ISBN 978-3-86906-075-0, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Die Gruppe: Mitglieder. In: cikanvitouchgruppe.blogspot.co.at. Abgerufen am 4. Januar 2015.
  5. Isabelle Daniel: Küsse unterm Kirschbaum. In: goethe.de. Mai 2012, abgerufen am 4. Januar 2015.
  6. Menandros & Thaïs. In: menandros.cz. 5. Oktober 2014, abgerufen am 17. März 2016.
  7. Siehe vordere Buchflappe der ersten Auflage bzw. Seite 2 der zweiten Auflage von Ondřej Cikáns Prinz Aberjaja, Wien, 2013
  8. imdb.com: Prinz Aberjaja. Abgerufen am 3. Dezember 2017.
  9. Dieser Roman diente als Vorlage für den Film Valerie – Eine Woche voller Wunder von Jaromil Jireš.
  10. Der Endreim war in der Antike ein Mittel der Prosa, nicht der Dichtung.
  11. sirene Operntheater: Everhartz, Jury. In: sirene.at. 30. September 2000, abgerufen am 4. Januar 2015.
  12. Menandros & Thaïs: Soundtrack. In: bandcamp.com. 1. April 2016, abgerufen am 10. April 2016.