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vom 01.02.2020, aktuelle Version,

Pfarrkirche Oberndorf bei Salzburg

Pfarrkirche hl. Nikolaus (2011)

Die Pfarrkirche hl. Nikolaus ist eine römisch-katholische Kirche in der Gemeinde Oberndorf bei Salzburg im Bezirk Salzburg-Umgebung im Land Salzburg. Sie steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Die 1798 eingeweihte Schifferkirche St. Nikola

Eine im Jahr 1120 urkundlich nachweisbare Kirche wurde 1160 erstmals als Nikoleikirche aktenkundig. Später wird sie als „hochangesehene ‚Schifferkirche‘“ St. Nikola (auch: St. Nicola) bezeichnet und als Filiale der Pfarrkirche Laufen geführt.

Einem Brand am 1. April 1769, bei dem 79 Häuser, 20 Nebengebäude, das Mesnerhaus und der Wasserturm vernichtet wurden, fiel auch die Kirche zum Opfer. In den Jahren danach bauten der Trostberger Maurermeister Franz Alois Mayr (1723–1771) und dessen Schwiegersohn Franz Joseph Lindmayr die Kirche neu auf, sie wurde am 28. Oktober 1798 vom Chiemseer Bischof Sigmund Christoph von Waldburg zu Zeil und Trauchburg konsekriert. Ab 1816 diente diese als Seelsorgestation Österreichisch-Laufens, ab 1850 als Pfarrkirche, bis sie 1903 geschlossen und 1906 demoliert wurde.[1] Am Heiligen Abend 1818 erklang in ihr erstmals das Lied Stille Nacht, heilige Nacht.

Wiederholt hatte Hochwasser St. Nicola bedroht, insbesondere eine Folge der 1851–1873 vollzogenen Flussregulierung, die Carl von Schwarz im oberen Verlauf der Salzach hatte durchführen lassen. Nach dem Hochwasser 1899 fiel der Entschluss, an einer höher gelegenen Stelle flussaufwärts ein neues Ortszentrum zu schaffen und durch Matthäus Schlager eine neue Pfarrkirche zum hl. Nikolaus aufzubauen. Obwohl schon im Bau befindlich, erfolgte die offizielle Grundsteinlegung erst am 19. März 1906, die Kardinal Johannes Baptist Katschthaler vornahm. Am 25. November 1907 wurde sie dann von Weihbischof Balthasar Kaltner konsekriert. Auf dem Schuttkegel der abgerissenen alten Kirche steht jetzt die 1937 eingeweihte Stille-Nacht-Kapelle.

Architektur

Pfarrkirche Oberndorf, Innenraum

Die Kirche ist ein einschiffiger Bau mit einem Turm im Norden. An das Langhaus mit einem Satteldach schließt ein eingezogener Chor mit geradem Schluss an. Die Fassade ist einheitlich mit Doppelpilastern und großen rundbogigen Doppelfenstern gegliedert. Die Westfassade mit einem Dreieckgiebel trägt in einer großen rundbogigen Nische die Figur hl. Rupert aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Hauptportal hat Bronzegriffe vom Bildhauer Josef Zenzmaier (1968). Die rundbogigen Seitenportale im Norden und Süden sind vorgezogen und mit einem Dreieckgiebel bekrönt. Der fünfgeschossige Turm mit einem Zeltdach schließt direkt im Norden an den Chor an. Östlich des Chores ist eine eingeschossige Sakristei angebaut.

Das vierjochige Langhaus unter einem Tonnengewölbe mit Stichkappen mit einer Orgelempore im Westen hat weit in den Raum hineinstehende seitliche Pfeiler mit rundbogigen Durchgängen. Hinter dem rundbogigen Triumphbogen schließt der einjochige kreuzgratgewölbte Chor an.

Die Kirche ist nahezu baugleich mit der ebenfalls von Schlager errichteten Pfarrkirche Kleinmünchen in Linz.

Die Kirche ist ein einschiffiger Bau mit ca. 54 m Länge und 19 m Breite in West-Ost-Richtung. Der Turm der Kirche besteht aus fünf unterschiedlich hohen Geschoße, jedes der einzelnen Geschoße ist außen durch Gesimse getrennt. Damit hat der Turm mit dem Kreuz eine Gesamthöhe von 59 m. Das vierte Geschoß beherbergt ein vierstimmiges Geläut.

Glocken

Im vierten Obergeschoß des Turmes hängen insgesamt 4 Glocken vom Typ Sext-Glocke, sie hängen auf 2 Ebenen und bestehen aus Stahl.

Die Glocken der Pfarrkirche: Glocke 1 Ø140 cm, ca. 1620 kg Glocke 2 Ø110 cm, ca. 810 kg Glocke 3 Ø91 cm, ca. 480 kg Glocke 4 Ø83 cm, ca. 340 kg

Ausstattung

Kanzel

Die Ausstattung kommt teils aus der ehemaligen Pfarrkirche. Der Hochaltar aus 1829 zeigt das Altarbild hl. Nikolaus kniend vor der Trinität mit darunter Bittenden, die den Heiligen anflehen vom Maler Christian Wink (1775) und trägt seitlich Konsolfiguren der Heiligen Petrus und Paulus von Johann Giner (1829) und zeigt das Oberbild Herz-Jesu vom Maler Josef Gold (1905). Der seitlich in den Bogenfeldern stehende Tabernakel aus 1819 zeigt adorierende Engel von Josef Gold (1906). Die Seitenaltaraufbauten aus 1827 zeigen links das Altarbild Wunder des hl. Rupertus des Malers Franz Ignaz Oefele (1775) und das Mensabild Maria vom Guten Rat aus dem späten 18. Jahrhundert und rechts das Altarbild hl. Maximilian tauft die Heiden von Christian Wink (1775) und das Mensabild hl. Joseph des Malers Isfried Jaud (1872).

Die Kanzel trägt Statuetten der vier Kirchenväter (Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und Gregorius) des Bildhauers Johannes Piger (1908). Es gibt ein Kruzifix und die Figur Christus an der Geißelsäule aus dem frühen 19. Jahrhundert und die Figurengruppe Pietà von 1906. Die Konsolfiguren hl. Anna Selbdritt und hl. Michael sind aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vier Figuren der Evangelisten schuf Johann Giner 1827. Die Kreuzwegreliefs schuf die Werkstatt von Jakob Adlhart der Ältere (1906). Drei Bilder um 1775 zeigen die Wetterheiligen Johannes, Paul und Donatus.

Der Taufstein, die Bänke und Beichtstühle sind von 1906.

Orgel

Stille-Nacht-Orgel 1982

Das ursprüngliche Orgelwerk aus dem Jahre 1913 baute Albert Mauracher, es ist nicht erhalten. Das Orgelgehäuse war, wie die Kirche, von Matthäus Schlager entworfen, vom Salzburger Tischlermeister Josef Ripper angefertigt und vom Oberndorfer Maler Ripper gefasst worden. Im Jahr 1982 wurde in dieses Gehäuse die sogenannte Stille-Nacht-Orgel von der Firma Rieger Orgelbau eingebaut. Die drei mittigen, nur durch Säulen gegliederten leeren Felder wurden dabei in den Orgelprospekt einbezogen, die drei gelblich verglasten Fenster mussten folglich verblendet wurden. Die Planungen zum Orgelneubau, unter der Leitung von Pfarrer Josef Erharter, sahen im stummen obersten Pfeifenfeld ein Kronwerk oder ein Glockenspiel vor, was aber aus Kostengründen nicht realisiert werden konnte.[2] Die im Herbst 1982 eingeweihte Stille-Nacht-Orgel war in einer Rundfunk- und Fernsehübertragung des ORF anlässlich der Christmette 1982 österreichweit zu hören und zu sehen.

Disposition 1982:

I Hauptwerk C–g3
Bourdon 16′
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Octav 4′
Koppelflöte 4′
Sesquialtera II[Anm. 1] 223′ + 135
Superoctav 2′
Mixtur IV 223
Trompete 8′
Tremulant
II Schwellwerk C–g3
Copel 8′
Gamba[Anm. 2] 8′
Prinzipal 4′
Blockflöte 4′
Nazard 223
Gemshorn 2′
Terz 135
Scharff IV 1′
Dulcian 8′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Gedackt 8′
Choralbass 4′
Hintersatz IV 2′
Fagott 16′
Anmerkungen
  1. Quinte 223′ als Halbzug
  2. C–H gemeinsam mit der Copel 8′

Literatur

Einzelnachweise

  1. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 185.
  2. Gerhard Walterskirchen: Eine „Stille-Nacht-Orgel“ für Oberndorf. In: Blätter der Stille-Nacht-Gesellschaft, Folge 6, Jg. 1980, S. 4.
Commons: Pfarrkirche hl. Nikolaus, Oberndorf bei Salzburg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien