Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast
vom 28.06.2020, aktuelle Version,

Südtiroler Unterland

Südtiroler Unterland von Castelfeder aus gesehen
Mitterberg von Auer aus gesehen

Als Südtiroler Unterland (oft auch Bozner Unterland, italienisch Bassa Atesina) wird ein Abschnitt des Etschtals in Südtirol zwischen Bozen, Salurn und Tramin bezeichnet. Als Weinanbaugebiet ist es international bekannt und die Südtiroler Weinstraße führt durch das Tal. Es ist unter anderem das Herkunftsgebiet des Gewürztraminers.

Geographie

Das Unterland wird von der Etsch, der Brennerautobahn und der Brennerbahn durchquert. Als Hauptort des Unterlandes gilt Neumarkt. Der größte Ort bzw. die einzige Stadt ist Leifers.

Zum Unterland im engeren Sinne gezählt werden die talnahen Gemeinden Auer, Branzoll, Kurtatsch, Kurtinig, Leifers, Margreid, Neumarkt, Pfatten, Salurn und Tramin. Für die enge Beziehungen zu den Talgemeinden pflegenden, ostseitig in den Berggebieten zwischen Etschtal und Fleimstal liegenden Gemeinden Aldein, Altrei, Montan und Truden ist die Bezeichnung Unterland-Berg gebräuchlich.

Die Gebiete der Gemeinden Kaltern und Eppan, die der Mitterberg zum Talboden der Etsch hin abgrenzt, werden nicht zum Unterland gezählt, sondern als Überetsch bezeichnet. Unterland und Überetsch bilden zusammen die Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland. Nicht zu verwechseln ist das Südtiroler Unterland mit dem Tiroler Unterland.

Teile der ostseitigen Talflanken des Unterlands sind im Naturpark Trudner Horn unter Schutz gestellt.

Geschichte

Seit dem Frühmittelalter war das Unterland, gemeinsam mit dem Überetsch und dem südlichen Abschnitt des Burggrafenamts, als sogenannter Deutscher Anteil nördlichster Distrikt der Erzdiözese Trient, politisch aber seit dem 13. Jahrhundert an die Grafschaft Tirol bzw. seit dem 14. Jahrhundert an die Habsburgermonarchie gebunden.[1] Die kirchliche Zugehörigkeit zu Trient endete erst 1964 mit der Zuteilung des Gebiets zur Diözese Bozen-Brixen. Von 1868 bis 1919 gehörte das gesamte Unterland zum Bezirk Bozen. Mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Saint-Germain kam das Gebiet 1920 zu Italien. Als 1927 die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde der Großteil des Unterlands (alle Gemeinden bis auf Leifers und Pfatten) der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Diese Maßnahme wurde vom faschistischen Regime beschlossen, um die Italianisierung der sogenannten „gemischtsprachigen Gebiete“ zu forcieren. Am 30. Mai 1946 wurde mit der von der Südtiroler Volkspartei organisierten Protestkundgebung von Castelfeder die Angliederung des gesamten Unterlandes bis zur Salurner Klause an die Provinz Bozen bzw. Südtirol gefordert, was im Jahr 1948 schließlich auch erfolgte.[2]

Literatur

  • Südtiroler Kulturinstitut (Hrsg.): Das Südtiroler Unterland (Jahrbuch des Südtiroler Kulturinstitutes). Bozen: Athesia 1980.
  • Erich Egg: Kunst im Südtiroler Unterland. Bozen ²1991.
  • Gunther Langes: Überetsch und Bozner Unterland: Landschaft und Leben im unteren Etschtal (= Südtiroler Landeskunde. Band 3). 5. Auflage. Bozen: Athesia 1991. ISBN 88-7014-215-9
  • Helmut Stampfer (Hrsg.): Bauernhöfe in Südtirol. Band 5: Bozner Weinleiten, Überetsch und Etschtal. Athesia, Bozen 2004, ISBN 88-8266-229-2.
  • Magdalena Hörmann (Hrsg.): Tiroler Burgenbuch. Band 10: Überetsch und Südtiroler Unterland. Bozen-Innsbruck: Athesia-Tyrolia 2011. ISBN 978-88-8266-780-1

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hannes Obermair: How to Record a Conflict? The Communities of the German Part of the Diocese of Trent during the Late Middle Ages. In: Marco Bellabarba, Hannes Obermair, Hitomi Sato: Communities and Conflicts in the Alps from the Late Middle Ages to Early Modernity (= Fondazione Bruno Kessler. Contributi/Beiträge. 30). Il mulino – Duncker & Humblot, Bologna-Berlin 2015. ISBN 978-88-15-25383-5, S. 101–118, bes. S. 103–105.
  2. Gemeinde Kurtinig (Hrsg.): Kurtinig – Ein Dorf an der Sprachgrenze in Vergangenheit und Gegenwart. Athesia Verlag, Bozen 1998.