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vom 27.02.2020, aktuelle Version,

St. Magdalener

Weingüter von St.  Magdalena bei Bozen mit St.  Justina und Rosengarten im Hintergrund

Der St. Magdalener (italienisch Santa Maddalena) ist ein leichter, fruchtiger und regionaltypischer Rotwein aus dem Südtiroler Weinbaugebiet, der aus Spielarten der Vernatschsorten gewonnen wird. Angebaut wird er um das Weindorf St. Magdalena bei Bozen in Südtirol. Die Geschichte dieses Weines ist mehr als ein Jahrhundert dokumentiert und dürfte bis in das Mittelalter zurückreichen. Seit dem 11. August 1971 ist der Wein als D.O.C. (Q.b.A.) geschützt und kontrolliert.

Bozner Weinwerbung von 1904 mit der Bezeichnung St. Magdalena- Hörtenberg

Traditionell sind im gemischten Satz (d. h. bereits im Weinberg) etwa fünf Prozent Lagrein-Trauben enthalten, die dann gemeinsam vinifiziert werden. Heute wird oft auch ein Verschnitt (teils auch als Cuvée bezeichnet), d. h. die Vernatsch- und Lagreintrauben werden getrennt vinifiziert und als fertige Weine zusammengefügt. Gesetzlich sind bis zu 15 % Verschnitt mit den Sorten Lagrein oder Blauburgunder erlaubt. Wegen des heißen Klimas im Bozener Kessel und des kleinen Anteils von kräftigem Lagrein ist der Magdalener voller und intensiver als die anderen Vernatschweine Südtirols. Im Volksmund wird der Wein daher auch als „Königin des Vernatsch“ bezeichnet. Die lockeren Moränenschüttböden sind optimal für eine volle Reife der Trauben. Als Folge des schlechten Wasser-Rückhaltevermögens dieser Böden wurde dort 1929 die erste Großberegnungsanlage Europas erbaut.

  • Farbe: rubinrot
  • Erziehung: fast ausschließlich auf Pergel
  • Alkoholgehalt: 12–13,5 Volumenprozent
  • Trinktemperatur: 14–17 °C

Geschichte Bozner Weine

Bozner wird als Wein bereits um das Jahr 1000 im Bodenseeraum genannt und im Spätmittelalter mehrfach als besonders guter Rotwein im süddeutschen Raum an Klöstern und adeligen Höfen erwähnt. Wahrscheinlich war dies ein gemischtsatziger (mehrere Rebsorten) Vorgänger des St. Magdalener, der vielleicht auch Vernatsch und Lagrein in sich hatte, was aber bisher nicht belegbar ist. Wahrscheinlich ist auch, dass über die Jahrhunderte klimatologische, ertragliche, verwaltungstechnische und marktverändernde Verhältnisse den Wein langsam aber stetig verändert haben. Vor dem 20. Jahrhundert waren zusätzlich zu den Vernatschspielarten und dem Lagrein viele zusätzliche heute teils unbekannte bzw. nicht mehr angebaute Sorten in den Weinbergen vorhanden. Nicht einmal die ungefähren Mengenverhältnisse dieser unterschiedlichen Sorten lassen sich vor dem 19. Jahrhundert rekonstruieren.

Seit 1923 existiert eine Winzergenossenschaft zum Schutz des Weines, welche 1978 in das „Freiwillige Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena“ umgewandelt wurde. Ein Großteil der Produzenten, Kellereien und Vermarkter dieses Weines ist in diesem Konsortium zusammengeschlossen. In der Zeit des Faschismus (1931) wurde der Wein, wohl vorwiegend aus politischen Überlegungen, zu den drei besten Italiens erklärt.

Anbaugebiet

St. Magdalener Cl. Flasche mit Glas bei der Bozner Weinkost

Weine, die aus den ursprünglichen Anbaugebieten St. Magdalena, St. Justina, Leitach, Rentsch und St. Peter an den südlich ausgerichteten Hängen am Stadtrand von Bozen und Teilen der Gemeinde Ritten stammen, dürfen die Zusatzbezeichnung "Klassischer" (ital.: Classico) verwenden.[1][2] Das gesamte Anbaugebiet umfasste im Jahre 2018 etwa 186 Hektar (1978 noch 457 Hektar).[3]

Seit Jahrzehnten ausgezeichnete Produzenten aus dem klassischen Gebiet mit Angabe der Selektionslinie bzw. von Lagenweinen: Kellerei Bozen "Moar" und "Huck am Bach", H. Rottensteiner "Premstallerhof", Ansitz Waldgries "Antheos", Glögglhof/Gojer "Rondell", Erbhof Unterganzner "Heilmann", Pfannenstielhof "AnnVer", Untermoserhof "Hub", Obermoser "Nobilis", Griesbauerhof "Isarcus", Fliederhof "Gran Marie", Kandlerhof "Schloterpöck".

Neuere Produzenten mit Auszeichnungen: Plonerhof "Alte Reben", Wassererhof, Larcherhof.

Literatur

  • Martin Kilchmann: Südtirols Freie Weinbauern. Gelebte Weinkultur in den Alpen. Folio Verlag, Bozen 2009, ISBN 978-3-85256-482-1.
  • Produktionsregeln des D.O.C. Südtirol (Qualitätsweinbestimmungen: disciplinare di produzione della denominazione di origine controllata dei vini Alto Adige («Südtirol o Südtiroler»)), Erlass vom 19. September 2007

Einzelnachweise

  1. Gebiet St. Magdalener, Freiwilliges Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena, ca. 2011, Archivierte Kopie (Memento vom 26. August 2016 im Internet Archive)
  2. Karte Produzenten St. Magdalener, Freiwilliges Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena, ca. 2011, Archivierte Kopie (Memento vom 27. August 2016 im Internet Archive)
  3. Produktion St. Magdalener, Freiwilliges Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena, ca. 2011, Archivierte Kopie (Memento vom 26. August 2016 im Internet Archive)