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vom 21.07.2017, aktuelle Version,

Stift St. Georgen

Stift St. Georgen: Luftansicht

Das Stift St. Georgen ist ein Stiftskomplex in der Gemeinde St. Georgen am Längsee in Österreich. Es feierte im Jahr 2003 sein 1000-jähriges Bestehen.

Geschichte

Das Kloster wurde zwischen 1002 und 1008 von der Gräfin Wichburg, der Gattin des Grafen Ottwin von Sonnenburg (Pustertal), als Benediktinerinnenkloster gegründet und 1023 von Erzbischof Hartwig von Salzburg geweiht. Erstmals erwähnt wurde das Kloster in einem heute im Kärntner Landesmuseum ausgestellten Gründungsbericht aus dem frühen 11. Jahrhundert.[1]

1122 wurde das Kloster dem Erzbistum Salzburg unterstellt. Da nur Adelsangehörige ins Kloster aufgenommen wurden, wuchs das Klostervermögen zunächst rasch an. Mitte des 12. Jahrhunderts waren Neubauten erforderlich. 1259 wurde das Stift in einem Krieg geplündert, ebenso 1473 in den Türkenkriegen.

In der Gegenreformation wurde die Zahl der Schwestern im Kloster – dessen Fortbestand zuvor schon gefährdet gewesen war – wieder erhöht, und 1654 begann man damit, die Anlage durch den Baumeister Pietro Francesco Carlone in barockem Stil umzugestalten und wesentlich zu vergrößern. 1720 wurden die Barockbauten um eine Etage aufgestockt und die Kirche barockisiert.

1783 wurde das Kloster durch Kaiser Joseph II. aufgehoben und zunächst vom Religionsfonds verwaltet. Bei der Versteigerung 1788 erhielt der Gewerke Maximilian Thaddäus von Egger den Zuschlag um 163.100 Gulden und begründete den Stiftskomplex zum neuen Stammsitz der Grafen von Egger, in deren Besitz die Anlage bis 1884 blieb. Das Innere wurde schlossartig ausgestattet, ein englischer Garten mit Orangerie angelegt. In den 1880er Jahren richtete man ein Hotel mit über 70 Betten ein.

1909 erwarb Gustav Sichl das Schloss, das 1935 von den Mariannhiller Missionaren gekauft wurde und ab 1938 auch Standort eines Priesterseminars der Diözese Gurk wurde. 1940 wurde das Stift beschlagnahmt und dem Reichsgau Kärnten zugewiesen; bis 1942 blieb das Priesterseminar im Kloster. Der Bibliotheksbestand von 10.000 Bänden musste an die Öffentliche Studienbibliothek Klagenfurt abgeliefert werden, wurde aber nach Kriegsende restituiert. 1943 kaufte die Organisation Todt das Stift vom Land Kärnten und nutzte es als Lazarett. Nach Kriegsende wurde von den Engländern eine Lungenheilanstalt für Displaced Persons eingerichtet.

1948 erhielten die Mariannhiller Missionare das Gebäude wieder zurück. Seit 1959 ist es im Besitz des Bistums Gurk, das dort heute ein Bildungshaus mit angeschlossenem Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb führt.

Baubeschreibung

Ehemaliges Kloster

Es handelt sich um eine große, vorwiegend barocke Anlage um einen Hof, der durch das Kirchengebäude in zweigeteilt ist.

Der Nordwesttrakt mit seinem hofseitigen Renaissancelaubengang wurde 1546 erbaut, ursprünglich zweigeschoßig, im 20. Jahrhundert ausgebaut. Die übrigen drei Seiten der Anlage, mit hofseitigen Pfeilerarkaden, wurden 1654 bis 1658 von Peter Franz Carlone zweigeschoßig errichtet; 1728 wurden sie um ein Stockwerk erhöht. Im Osttrakt befindet sich ein als Kapelle eingerichteter Raum. Ansonsten ist von der Einrichtung und auch vom einstigen barocke Freskenschmuck im Inneren der Gebäude nichts mehr erhalten. In und um das Stift befinden sich einige Inschriften und Reliefs aus der Römerzeit.

Pfarrkirche Hl. Georg

Südost-Ansicht der Kirche
Innenansicht der Kirche
Der Hochaltar

Bauwerk

Die ehemalige Stiftskirche ist ein gotischer Bau aus dem 14. Jahrhundert mit einem romanischen (oder die Romanik nachahmenden?) Portal an der Nordseite. Bemerkenswert ist das spätgotische, ehemals zu einem Kreuzgang führende Kielbogen-Portal mit Fialen und Krabben an der Südseite. In der Barockzeit wurde der Turm errichtet, das Kircheninnere umgestaltet, und ein zweigeschoßiger Laubengang an die Südseite der Kirche angebaut. Das Kirchendach wurde 1996 mit Steinplattln neu gedeckt. Im Innern wird das einschiffige Langhaus nach oben durch ein Kreuzgratgewölbe mit Gurtbogen abgeschlossen. Unter dem Chor der Kirche befindet sich die Krypta aus dem 14. Jahrhundert.

Einrichtung

Der reich geschmückte barocke Hochaltar zeigt am Altarblatt den hl. Georg im Kampf mit dem Drachen. Flankiert wird das Bild von Statuen der Heiligen Benedikt links und Scholastika rechts. Außen stehen die Heiligen Placidus und Maurus, Schüler Benedikts. Über dem Altarbild befindet sich eine figürliche Darstellung von Maria mit des Jesuskind im Strahlenkranz. Im Obergeschoß des Ädikula-Altars stehen die Figuren der Heiligen Katharina und Florian links sowie Johannes Nepomuk und Barbara rechts. Das Aufsatzbild zeigt die Heiligen Martin und Nikolaus.

Auch die Altarblätter der westlichen Seitenaltäre (Annenaltar und Dreikönigsaltar) sind hochwertig.

Grab- und Gedenksteine

In der Kirche fällt links vom Südportal der Grabstein der Äbtissin Afra von Staudach (1562–1591) auf. Sie kam aus dem Kloster Göss und stellte nach einer Krise die klösterliche Gemeinschaft wieder her. An der Außenseite befindet sich links vom Südportal der Gedenkstein für die Äbtissin Maria Antonia von Platz (1711/12–1743). Sie veranlasste die weitere Barockisierung der Kirche und Aufstockung des Klostertraktes um ein Stockwerk. Ein weiterer Grabstein erinnert an die Äbtissin Agnes von Lind, gestorben 1532. An der äußeren Südwand sind auch Epitaphe von Priestern, die während der Klosterzeit hier wirkten, angebracht.

Literatur

  • Johannes Sacherer: 1000 Jahre Stift St. Georgen am Längsee – Festschrift; Frauen zwischen benediktinischem Ideal und monastischer Wirklichkeit; Beiträge des Symposiums zur Geschichte des ehemaligen Benediktinerinnenklosters St. Georgen am Längsee aus Anlass des 1000-Jahr-Jubiläums vom 29. bis 31. Mai 2003. Eigenverlag des Bildungshauses Stift St. Georgen am Längsee, 2003
  • DEHIO Kärnten. Topographisches Denkmälerinventar, bearbeitet von Gabriele Russwurm-Biro. 3., erweiterte und verbesserte Auflage. Verlag Anton Schroll, Wien 2001, ISBN 3-7031-0712-X, S. 728–731.
  • K.K. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung von Kunst- und historischen Denkmalen: Kunst-Topographie des Herzogthums Kärnten. K.K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1889, S. 64.
  • Matthias Kapeller: Kirchen, Klöster und Kultur – Begegnungsräume in Kärnten. Verlag Carinthia, Klagenfurt 2001, ISBN 3-85378-539-5, S. 144–145
  • Edith Pergelier, Mauricio Pergelier: Historische Orgeln der Diözese Gurk-Klagenfurt. Austro Mechana MP-E37, Klagenfurt, S. 23–26.
  Commons: Stift Sankt Georgen am Längsee  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Band 1: Bis zum Jahr 1140. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7030-0469-8, S. 141–146, 161–164 (Text des Gründungsberichts mit ausführlichen Erläuterungen).