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vom 26.03.2017, aktuelle Version,

Walter Arlen

Walter Arlen (* 31. Juli 1920 in Wien) ist österreichischer und US-amerikanischer Musikkritiker und Komponist.

Leben

Walter Arlen wurde am 31. Juli 1920 als Walter Aptowitzer in Wien-Ottakring geboren und wuchs im Kaufhaus seiner Großeltern Leopold und Regine Dichter („Kaufhaus Dichter“, Brunnengasse 40)[1] auf, wo er ein eigenes Zimmer mit einem Klavier hatte. Sein Großvater hatte das musikalische Talent Walters entdeckt und auf Anraten des Musikwissenschaftlers Otto Erich Deutsch (1883–-1976) dem Knaben Klavierunterricht erteilen lassen. Walter befreundete sich mit seinem gleichaltrigen Schulkollegen Paul Hamburger, dessen Musikkenntnisse ihn stark beeinflussten.

Während seine Eltern und seine Schwester Edith Arlen Wachtel nach dem sogenannten „Anschluss“ 1938 in London lebten (Walters Vater war nach zweimonatiger Lagerhaft in Buchenwald freigelassen worden und die Familie mit von Walter vor dessen Ausreise besorgten Visa emigriert), gelangte Walter zu Verwandten nach Chicago, wo er die Kriegszeit verbrachte. Da ihm das geliebte Komponieren nicht möglich war, verfiel er in Depressionen; auf Anraten eines Psychoanalytikers suchte er einen Lehrer und studierte bei Leo Sowerby, gewann in der Folge einen Studienaufenthalt als „Composer in residence“ bei Roy Harris und blieb vier Jahre bei diesem.

Nach dem Krieg zog er nach Santa Monica, um an der University of California, Los Angeles zu studieren. Schon bald wurde ihm empfohlen, für die Los Angeles Times als Musikkritiker zu arbeiten; daneben studierte er weiter bei Lukas Foss. Da er das Dasein als Musikkritiker unvereinbar fand mit der Tätigkeit als Komponist, unterrichtete er an diversen lokalen Colleges und Universitäten, bis er eingeladen wurde, an der Loyola Marymount University ein Music Department einzurichten und ihm vorzustehen. 1986 vertonte er spontan einige Gedichte des hl. Johannes vom Kreuz; ab da komponierte er wieder bis zu seiner Erblindung durch Macula-Degeneration um 2000.[2]

Er übernahm die künstlerische Leitung der Amerikanischen Akademie der Künste in Verona in Italien. Er war musikalischer Berater für den Internationalen José-Iturbi-Klavierwettbewerb in Valencia in Spanien.

Arlen übergab der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus seinen Vorlass, mit eigenhändigen Kompositionen vorwiegend für Gesang und Klavier, Korrespondenzen von Jean Sibelius und Charles Haubiel, sowie eine Fotosammlung, die seine Familie betrifft.[3] [4]

Anerkennungen

Literatur

  • Alfred Lang, Barbara Tobler, Gert Tschögl (Hg.): Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen. Wien, Mandelbaum Verlag 2004, ISBN 978-3-901420-10-8, S. 419-439.

Einzelnachweise

  1. Zu den biographischen Angaben siehe auch: Adonka Evelyn und Anderl Gabriele: Jüdisches Leben in der Wiener Vorstadt -- Ottakring und Hernals; Wien: Mandelbaum 2013, p.102--106
  2. Zum Vorstehenden vgl. das Begleitheft zur CD „Walter Arlen: Es geht wohl anders“, erschienen in der Serie „exilarte“ bei Gramola 98946/47
  3. Gedenkmatinee zur Erinnerung an das Novemberpogrom 1938 im Volkstheater mit Walter Arlen 6. November 2011
  4. Michael Kerbler: Musik als Gedächtnis. Martin Arlen. Ein Gesprächskonzept. (PDF; 911 kB) ORF Ö1 Im Gespräch 10. November 2011