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vom 29.06.2017, aktuelle Version,

Wipptal

Wipptal
Blick nach Norden ins Wipptal bei Sterzing

Blick nach Norden ins Wipptal bei Sterzing

Lage Nordtirol, Südtirol
Gewässer Sill; Eisack
Gebirge Stubaier Alpen, Sarntaler Alpen, Tuxer Alpen, Zillertaler Alpen
Geographische Lage 47° 0′ 12″ N, 11° 30′ 27″ O
Wipptal (Alpen)
Wipptal
Höhe 570 m bis 1370 m ü. A.
Länge ca. 70 km

Das Wipptal ist ein in Nord-Süd-Richtung verlaufendes Tal in den zentralen Ostalpen im österreichischen Nordtirol und italienischen Südtirol und bildet mit der Brennereisenbahn und der Brennerautobahn eine Hauptverkehrsverbindung. Es bildet hydrogeographisch keine Einheit, die Nordhälfte wird von der Sill und weiter über das Flusssystem der Donau zum Schwarzen Meer hin entwässert, die Südhälfte vom Eisack und weiter über das Flusssystem der Etsch zur Adria. Die natürlich Wasserscheide am Brennerpass wurde von Italien nach dem Ersten Weltkrieg als Basis für die Abtrennung Südtirols von Tirol gesehen. Damit wurde auch das seit jeher räumlich zusammengehörende Wipptal politisch zweigeteilt.

Geographie

Das Wipptal verläuft in Nordtirol von Matreiwald entlang der Sill Richtung Süden, überschreitet am Brenner (1370 m ü. A.) den Alpenhauptkamm mit der europäischen Hauptwasserscheide und führt in Südtirol entlang des Eisacks über Sterzing bis Mittewald südlich der Sachsenklemme bei Franzensfeste. Im Norden mündet es in das Unterinntal, im Süden setzt es sich als Eisacktal fort. Das Wipptal trennt die Stubaier und Sarntaler Alpen im Westen von den Tuxer und Zillertaler Alpen im Osten und ist ebenso die geologische Westgrenze des Tauernfensters.

Die größeren, besiedelten Seitentäler sind (von Nord nach Süd) das Stubaital, das Gschnitztal, das Obernbergtal, Pflersch und Ridnaun nach Westen sowie das Navistal, das Schmirntal, das Valser Tal und Pfitsch nach Osten.

Geschichte

Die ersten namentlich bekannten Bewohner des Wipptales waren rätische Stämme der Breonen und Genaunen. Sie besiedelten die Mittelgebirgsterrassen und Schuttkegel. Zu dieser vorindoeuropäischen Urbevölkerung gehörten wahrscheinlich auch etruskische Elemente und Reste der illyrischen Hallstattbevölkerung. Das Wipptal war lange Zeit innerhalb des Bistums Brixen und der Grafschaft Tirol eine kulturgeographische und politische Einheit. Die heutige Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien über den Brennerpass entstand erst infolge des Ersten Weltkriegs durch den Friedensvertrag von St. Germain im Jahr 1919.

Name

Die Bezeichnung des Tales geht auf die römische Siedlung Vibidenum zurück, in deren Nähe im Frühmittelalter die heutige Stadt Sterzing als bajuwarische Neugründung angelegt wurde. Um 937–957 wird das Tal in einer Traditionsnotiz des Hochstifts Freising erstmals als vallis Vuibitina erwähnt.[1] Weitere Nennungen sind um 1170 Wibital und um 1200 Wiptal oder Wibtal. Diese Erwähnungen beziehen sich auf die Gegend um Sterzing, erst seit dem 15. Jahrhundert wird der Begriff auch für den Teil nördlich des Brenners verwendet, das Viertel Wipptal umfasste im 16. Jahrhundert die Landgerichte Sterzing und Steinach. Dabei wurde der Abschnitt von Innsbruck bis zum Brenner als unteres Wipptal, der Abschnitt vom Brenner südwärts als oberes Wipptal bezeichnet.[2]

Der Südtiroler Abschnitt wird heute italienisch Alta Valle Isarco („Oberes Eisacktal“) genannt. Für den Abschnitt nördlich des Brenners wird gelegentlich die Bezeichnung Silltal verwendet, die im 19. Jahrhundert durch Schriftsteller und Gelehrte wie Johann Jakob Staffler geprägt wurde.[2]

Verkehr

Das Wipptal bei Steinach mit der Brennerautobahn

Das Wipptal ist wegen der geringen Höhe des Brennerpasses seit Jahrtausenden eine der bedeutendsten Nord-Süd-Verkehrsachsen durch die Alpen. Bereits in der Römerzeit verband die Via Raetia die Provinz Rätien mit Norditalien. Heute verlaufen hier die Brennerstraße bzw. Brennerstaatsstraße, die 1867 eröffnete Brennerbahn und die Brennerautobahn mit ihrem markantesten Bauwerk, der Europabrücke. Die Brennerautobahn (A13 nördlich des Brenners, A22 südlich davon) ist die wichtigste und meistbefahrene Nord-Süd-Querung der Alpen und liegt auf der Strecke München-Verona. Die Bewohner des Wipptales klagen seit Jahren über die Verkehrsbelastung, insbesondere durch die Straße. Der in Bau befindliche Brennerbasistunnel – eine Bahntrasse für Personen- und Güterverkehr – soll hier lokal zu einer Entlastung führen.

Klima

Das Wipptal weist ein inneralpines Talklima auf, das etwas niederschlagsreicher als in den Ötztaler Alpen und südlich des Brenners trockener als nördlich davon ist. Nebel tritt seltener als im Inntal auf, charakteristisch für das Tal ist der periodische Föhn.[3]

Der mittlere Jahresniederschlag beträgt in Steinach-Plon (1204 m ü. A.) 925,3 mm und in Sterzing (948 m s.l.m.) 773,3 mm. Die mittlere Tagestemperatur beträgt im Jänner -2,8 °C in Steinach und -2,1 °C in Sterzing, im Juli 14,6 °C in Steinach und 17,7 °C in Sterzing.[4][5]

Gemeinden

Von Norden nach Süden liegen die folgenden Gemeinden im Wipptal:

In Seitentälern liegen:

Die in Südtirol gelegenen Gemeinden bilden mit den Gemeinden einiger Seitentäler die Bezirksgemeinschaft Wipptal. Die Nordtiroler Gemeinden des Wipptales und seiner Seitentäler (mit Ausnahme von Patsch und des Stubaitals) bilden den Planungsverband Wipptal.

Literatur

  • Gerhard Stürzlinger: Durchs wilde Wipptal. Wandern zwischen Innsbruck und Mauls. Zürich: Rotpunktverlag 2001, ISBN 3-85869-197-6
  • Hermann Holzmann: Wipptaler Heimatsagen [= Österreichische Volkskultur. Forschungen zur Volkskunde, Band 2]. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1948.
  • Beatrix und Egon Pinzer: Wipptal – Subaital und Seitentäler. Thaur/Tirol: Wort-und-Welt-Verl., 1991
  Commons: Wipptal (Nordtirol)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Commons: Wipptal (Südtirol)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 1: Bis zum Jahr 1140. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7030-0469-8, S. 110, Nr. 144.
  2. 1 2 Otto Stolz: Geschichtskunde der Gewässer Tirols. Schlern-Schriften, Band 32, Innsbruck 1936 (Digitalisat)
  3. Eva Favry, Barbara Bory, Zeljka Musovic, Wolfgang Pfefferkorn, Helmut Tauber: Anhang 5.1 zum AP2-Bericht, Aufgaben 2.5, 2.6: Regionalbericht Wipptal, Österreich. Regional Consulting, Wien 2003 (PDF; 3,7 MB)
  4. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Klimadaten von Österreich 1971 – 2000
  5. Autonome Provinz Bozen-Südtirol: Monatliche und jährliche Niederschlagsmengen Sterzing (PDF; 127 kB)