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Der Flying Circus in Feldbach#

Auf dem Weg Richtung Herbst#

von Martin Krusche

Die Arbeiten von Maler Nikolaus Pessler wurden zum Gegenstand einer Reise in Etappen, für die Petra Lex mit ihm den „Fliegenden Zirkus“ formiert hat. Eine mobile Schau, die uns markante Momenten aus den Jahren zwischen 1918 und 2018 zeigt. Dazu jeweils eine ortsbezogene Arbeit.

Nikolaus Pessler mit Elfriede Jelinek unter einem Querverweis auf Bertha von Suttner. (Foto: Martin Krusche)
Nikolaus Pessler mit Elfriede Jelinek unter einem Querverweis auf Bertha von Suttner. (Foto: Martin Krusche)

Im Fall der oststeirischen Stadt Feldbach ist das der verschwundene Kirchturm, über dessen Verbleib offiziell nichts bekannt ist. Es dauerte vor Ort aber kaum mehr als zwei Stunden, bis jemand einen Namen nannte, der seiner Mutter bekannt gewesen sei. Und das sei die Person, die den Turm gesprengt habe.

So wird ein gehabter Konflikt innerhalb der regionalen Bevölkerung zur urbanen Legende, die sich in den Reigen der von Pessler ausgeführten Deutungen verschiedener historischer Momente einreiht. So er ruft uns hundert Jahre Republik Österreich ins Gedächtnis, von denen viele unter uns einen erheblichen Teil miterlebt haben.

Petra Lex und Nikolaus Pessler bim Ausstellungsaufbau. (Foto: Martin Krusche)
Petra Lex und Nikolaus Pessler bim Ausstellungsaufbau. (Foto: Martin Krusche)

Erinnern ist eine Kulturleistung. Und ein individueller Schaffensprozeß, welcher kollektive Situationen prägt. Deshalb bleibt es so wichtig, darüber miteinander zu sprechen, die Erinnerungen zu debattieren.

Ständestaat, Nazi-Tyrannei, Zweite Republik. Das macht zugleich rund die Hälfte jener 200 Jahre aus, welche unsere Leute nun in permanenter technischer Revolution leben. Dadurch wurde unser Leben zwar mit Wohlstand unterfüttert, aber das nach wie vor steigende Tempo von Entwicklungen und neuen Anforderungen wirft immer größere gesellschaftliche Probleme auf. Derlei konnte man übrigens bei dieser Veranstaltung auf dem Feldbacher Kirchenplatz gut debattieren, denn unter dem Publikum befanden sich auch etliche Funktionstragende der Stadt. Was nun die Motive der Ausstellung angeht, wer schon ein Weilchen auf der Welt ist, kennt natürlich Personen und Ereignisse, die Pessler mit Augenzwinkern und kühner Handschrift aufgegriffen hat. Vieles davon ist in Österreich längst fixes Inventar des kollektiven Gedächtnisses.

Von links: Bürgermeister Josef Ober, Kulturreferent Michael Mehsner, Nikolaus Pessler und Petra Lex. (Foto: Martin Krusche)
Von links: Bürgermeister Josef Ober, Kulturreferent Michael Mehsner, Nikolaus Pessler und Petra Lex. (Foto: Martin Krusche)

Das schafft Anlässe, vor Ort zu eigene biografische Bezugspunkte in die Gespräche einzubringen. Es sind genau solche Gespräche, noch dazu im öffentlichen Raum, die einen guten Kontrast schaffen, um besser auf die Gegenwart schauen zu können. Eine Gegenwart, die uns mit Neuheiten und Neuigkeiten überrennt, in der wir aber handlungsfähig bleiben sollten.

Diese Feldbacher Veranstaltung schließt übrigens an das Projekt „Inverting Battlefields – für eine grenzenlose Zukunft“ an, mit dem davor schon eine Markierung gesetzt wurde. Die Konsequenzen des Großen Krieges haben auf uns bis heute ihre Wirkung und bedürfen nach wie vor, ja, gerade jetzt, noch einiger Klärungsschritte.

Das meint unter anderem, wir stehen im Zuge der Vierten Industriellen Revolution an der Schwelle zu einer völlig anderen Ära und es wäre mindestens ein guter Dienst an unseren Kindern, über das Zwanzigste Jahrhundert angemessene Klarheit zu schaffen.

Lex und Pessler arbeiten solchen Optionen zu, indem sie mit ihrem Konzept die Möglichkeit haben, Plätze des Alltagslebens zu bespielen, unter die Menschen zu gehen, dort Begegnung und Gespräch zu suchen.

Bild 'circus02'
Bild 'circus04'
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In diesem Zusammenhang sind heuer drei Herbsttage schon reserviert. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, den 2., 3. und 4. Oktober 2018, besucht der „Flying Circus“ drei oststeirische Dörfer.

Albersdorf-Prebuch, Hofstätten an der Raab und Ludersdorf-Wilfersdorf sind Ereignisorte des 2018er Kunstsymposions „Interferenzen“ (Zugänge und Überlagerungen, realisiert von Kultur.at). Dabei werden Lex & Pessler gastieren. Das ist eine weitere Station im Rahmen des regionalen Kulturprojektes Dorf 4.0 als ein Beispiel kollektiver Wissens- und Kulturarbeit abseits des Landeszentrumssome italic text.

Weiterführend#

Das 2018er Kunstsymposion#