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Notiz 073: Wegmarken II#

(Wissens- und Kulturarbeit in Zeiten der Pandemie)#

Von Martin Krusche#

In Alltagsplaudereien hieße es: „Des zaaht si oba!“ Also: es dauert, es zieht sich hin. Unser Projekt „Wegmarken“ hat eine inzwischen mehrjährige Vorgeschichte und ist auf sehr kuriose Art verlangsamt worden. Was wir mit einer formellen Projektvorbereitungsphase aus mehreren Arbeitsjahren abgeleitet und Anfang 2018 verdichtet hatten, wurde im März 2019 mit erfreulicher Post vom Management der Energieregion Weiz-Gleisdorf, einer LEADER-Region der EU, quittiert. Unser Projekt wurde befürwortet. (Siehe: „Ein neues Projekt“!)

Steindenkmal im Joglland
Steindenkmal im Joglland

Es dauerte dann noch bis zum 19.8.2019, um adäquat bestätigt zu werden, denn so ein Projekt muß es über etliche Hürden schaffen. Zum genannten Datum kam dann das erhoffte Schreiben der steirischen Landesregierung. Wir waren also am Start… dachte ich.

Da taten sich weitere Hemmnisse auf. Dazu gehörte ein anderes LEADER-Projekt, das Vorrang bekam. Im Juli 2018 erfuhr ich von der „Enthüllung der ersten beiden Kunst.Hot.Spots“. Das sind Figuren, die aus Hufeisen gefertigt wurden.

Was diese Dekorationsgegenstände mit Kunst zu tun hätten, konnte mir niemand darlegen. (Kunstfertigkeit ist nämlich ein andere Kategorie.) Es läßt sich sachlich nicht begründen. Da ergeben sich interessante Fragen, die einer Kultur-Debatte wert wären. „Hufeisen strahlen eine besondere Beständigkeit und Wertigkeit aus – Eigenschaften, die man auch den Gemeinden zuschreiben kann.“ Man ahnt, das hat also mehr mit Public Relations denn mit Kulturarbeit zu tun. Zwei Jahre Laufzeit, zehn Gemeinden, ich weiß: die Region hat jede Freiheit, ihre Projekt-Themen selbst festzulegen. Der Informationsstand vom 25. September 2019: „Kunst.Hot.Spots – Das Dutzend ist voll!“ Gut, wir haben gewartet…

Hemmnisse#

Es gab schließlich diesen Punkt, an dem ich selbst schon lachen mußte, obwohl es nicht lustig war. Ich hab für Dorf. 4.0 über mehrere Jahre drei Bürgermeister als Kooperationspartner. Diese Regionalpolitiker sind natürlich sehr beschäftigt, wenn Wahlen bevorstehen. Alle Funktionstragenden der Kommunalpolitik werden dabei gefordert, ihre Ressourcen gebunden. Sehen Sie selbst:
Tabernakelpfeiler bei Bad Blumau
Tabernakelpfeiler bei Bad Blumau
  • Europawahl 2019 zum Europäischen Parlament vom 23. bis 26.Mai 2019
  • Landtagswahl in der Steiermark am 24. November 2019
  • Gemeinderatswahlen in der Steiermark am 22. März: verschoben!
    • Die vorgezogene Stimmabgabe am 13. März 2020 fand noch statt,
    • Österreich ging in den Lockdown, die Wahl wurde verschoben,
  • Gemeinderatswahlen in der Steiermark am 28. Juni 2020

Wir waren nun mitten in der Pandemie angekommen und das hieß natürlich für Bürgermeister, daß ihre Aufmerksamkeit und ihre Arbeitszeit neuen Prioritäten gewidmet wurden. Ich hab bei den „Wegmarken“ im März 2020 die „Kontaktsperre in Gleisdorf“ als ein Beispiel für neue Markierungen in der Stadt online gestellt.

Der erste Lockdown endete Mitte Mai 2020. Schon Anfang des Monats hatte Bürgermeister Werner Höfler nach dem Status des Projektes gefragt. Ich nahm das zum Anlaß, ein Exponat von seinem Terrain auf die Liste zu setzen: „Hauskreuz in Hofstätten an der Raab“.

Im Sommer gab es auf Schloß Freiberg einen ersten größeren Versuch, mit unserer Kulturarbeit wieder ein Publikum in realer sozialer Begegnung zu erreichen: „Chris Scheuer: Resurrection“, 26. bis 28 Juni 2020: Ausstellung auf Schloß Freiberg, zum Auftakt „Martin Krusche spricht: Die Kunst schweigt nie!“ (Die Dokumentation)

Von den Anfängen#

Nun zurück zum Ursprung dieser Arbeit. Ich habe mich bezüglich der Klein- und Flurdenkmäler in der gesamten Oststeiermark umgesehen. Dabei war ich zunehmend überrascht, welche Vielfalt an Konzepten Formensprachen, Umsetzunsweisen dabei zu finden sind. Mich haben nicht bloß religiös begründete Exponate interessiert, sondern auch profane Wegmarken.
Hausnische in Gleisdorf
Hausnische in Gleisdorf

Was soll ich mir denn heute unter „Volkskultur“ vorstellen? Der Begriff wird inzwischen höchst beliebig besetzt. Also wollte ich das für unseren Bereich der regionalen Wissens- und Kulturarbeit klarer herausarbeiten.

In „Volkskultur: Etwas Unschärfe als nächste Klarheit“ (Ein kleiner Rückblick auf die letzten 60 Jahre) hab ich während des Februars 2018 die Klein- und Flurdenkmäler schon im Fokus gehabt. Das erschien mir als eine gute Ergänzung zu unseren Akzenten bezüglich Volkskultur in der technischen Welt.

Dazu kamen Eindrücke von meinen alljährlichen Gängen über Friedhöfe, denn dort bildet sich sehr anschaulich ab, wie Menschen ihre Emotionen gerade vorzugsweise ausdrücken. Das alles zeigt anregende Interferenzen. Siehe dazu: „Wegmarken und Widersprüche“ (Über Komplexität, die nicht reduziert werden möchte)!

Der Themenkomplex sah schon eine Weile folgendermaßen aus: „Daher ist diese Art einer kollektiven Wissens- und Kulturarbeit sehr dynamisch, verändert sich kontinuierlich in den Zuständen des Projektes im Themenbogen der Zusammenhänge zwischen Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst.“ So notiert in Praxiszone „Dorf 4.0: Herbst 2018“ (Der Zwischenstand)

Das war bereits vorher angelegt: „Auf dem Weg zu unserem 2017er Kunstsymposion kristallisiert sich das Themenpaket ‚Volkskultur | Popkultur | Gegenwartskunst‘ als wesentlich heraus.“ Dabei auch ein Verweis auf die Wegmarken: „Ein sogenannter Breitpfeiler: Wer darf den öffentlichen Raum mit welchen Inhalten bespielen?“ Und: „Das bedeutet, die Summe dieser Zeichen und Denkmäler, Wegweiser und Markierungen ergeben eine atemberaubende „Erzählung“, sind Ausdruck von Lokal- und Regionalgeschichte.“ (Quelle)

Geburtstagsgruß in Groß Wilfersdorf
Geburtstagsgruß in Groß Wilfersdorf
Hochkreuz in Ludersdorf-Wilfersdorf
Hochkreuz in Ludersdorf-Wilfersdorf
Breitpfeiler in Naas
Breitpfeiler in Naas

Zusammenhänge von „Volkskultur und Popkultur“ hatte ich zum Beispiel 2016 schon mit Graphic Novelist Chris Scheuer erörtert: „Volkskultur meint, daß Teile der Bevölkerung, wenn die Arbeit ruht, ihre kulturellen Vorstellungen umsetzen, dabei Codes und Rituale entwickeln, die ein selbstbestimmtes Tun umfassen, in dem sie ihren gestalterischen Ambitionen nachgehen; sei es in der Pflege, sei es in der Erschaffung von Werken oder Prozessen, die nicht der Alltagsbewältigung dienen.“ (Quelle)

Damit möchte ich nachvollziehbar machen, wie sehr wir solche Themen und Vorhaben prozeßhaft entwickelt. Das sind keine Schnellschüsse, um ein einzelnes Event abzuliefern. Da geht es um Wissenserwerb, Diskurse, komplexere Umsetzungsschritte.

Tabernakelpfeiler in Albersdorf-Prebuch
Tabernakelpfeiler in Albersdorf-Prebuch

Der Neustart#

In der Kalenderwoche 5/2018, das war Ende Jänner, konnte ich diese Idee bezüglich der Klein- und Flurdenkmäler als Projekt formulieren und nach außen tragen. Die erste Arbeitsebene auf der v@n-site war damals „Dorf 4.0: Wegmarken“ (Klein- und Flurdenkmäler: ein kulturelles Zeichensystem).

Kurz darauf hatte ich mit dem KulturBüro Stainz und mit Fokus Freiberg ein Stück Verständigung erreicht, um das Thema großräumiger auszuleuchten: „Flur- und Kleindenkmäler umgeben uns als ein kontrastreiches Informationssystem, dessen auffälligster und populärster Bestand Wegkreuze und Bildstöcke sind.“

Wir können das bei Bedarf sehr tief in die Geschichte hinein verzweigen: „Einige Gespräche mit Ewald Ulrich von ‚Fokus Freiberg‘ haben uns außerdem darauf hingewiesen, daß wir von derlei Zeichensystemen in der Landschaft mindestens seit der Steinzeit umgeben sind, daß sie also seit Jahrtausenden gepflegt werden.“ Siehe dazu das damalige „Intro“!

Im Juni 2018 begann ich eine Liste mit Beispielen ins Austria-Forum zu stellen. Augenblicklich haben wir November 2020 und es sieht so aus, als könnten wir nun auf neuer Ebene loslegen. Darum habe ich ein Splitting vorgenommen.

Wegkreuz in Wetzawinkel
Wegkreuz in Wetzawinkel

Was bisher im Austria-Forum publiziert wurde, ist als Teil I des Projektes deklariert und kommt ins Archiv. Es ist das Fundament des Vorhabens. Aber wir haben derart grundlegend veränderte Arbeitsbedingungen, daß die Geschichte neu aufgestellt werden muß. Das geschieht nun im Teil II unseres Projektes.