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Notiz 021: Klarheiten im Umbruch#

von Martin Krusche

Eben fand in der Oststeiermark ein Arbeitsgespräch statt, bei dem Wissenschafter Hermann Maurer und Dokumentarfilmer Fritz Erjautz sich über einen gemeinsamen Arbeitsansatz verständigten. Ein Angelpunkt kommender Betrachtungen ist das Thema Puchwerke. Rund um dieses Thema sollen Blicke in die Zukunft und in die Vergangenheit getan werden.

Hermann Maurer mit einer Originalzeichnung von Puch-Designer Klaus Kapitza. (Foto: Fritz Erjautz)
Hermann Maurer mit einer Originalzeichnung von Puch-Designer Klaus Kapitza. (Foto: Fritz Erjautz)

Am Tag darauf eröffnete Künstler Niki Passath in Graz seine Ausstellung „Zustände“. Passath hinterlegt seine langjährige Praxis des gelenkten Dialogs zwischen Mensch und Maschine mit Betrachtungen, die auch in die Antike zurückreichen.

Hermann Maurer (links) und Fritz Erjautz. (Foto: Martin Krusche)
Hermann Maurer (links) und Fritz Erjautz. (Foto: Martin Krusche)

Das hat Berührungspunkte mit einem Lieblingsthema von Archäologin Sarah Wolfmayr: Technik in der Antike. Der Techniker Ewald Ulrich blickt mit Leidenschaft noch weiter zurück. Er kennt eine große Zahl ur- und frühgeschichtlicher Werke, hat einen erheblichen Teil der wesentlichen Funde Europas schon in Augenschein genommen.

Wir fragen uns unter anderem: Was war denn nun das erste Maschinenzeitalter? Weshalb hat es in der Antike keines gegeben? In welches sind wir während der letzten Jahre geraten? Es ist rundum zu spüren, daß sich tiefgreifende Umbrüche ereignen. Doch es herrscht viel Unsicherheit, worüber überhaupt zu sprechen wäre.

Wir reden darüber. Inspirierte Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Einige dieser Themenlinien werden im Herbst 2019 von der Kulturinitiative Fokus Freiberg gebündelt. Die Diskurslinie „Am Fluß“ (Eine Erkundung) führt dort hin.

Diese themenbezogene Arbeit verzweigt sich auch in die Sammler- und Schrauberszene, wo klassische Fahrzeuge restauriert und erhalten werden. Ob das nun Peter Reisch meint, der das Erbe seines Vaters verwaltet, die Hinterlassenschaft des Weltreisenden Max Reisch, ob sich das auf Karl Haar bezieht, der an Vorkriegsfahrzeugen arbeitet und außerdem junge Menschen unterrichtet; da verdichtet sich viel Wissen um die zweite und dritte industrielle Revolution. Siehe dazu: Nacht und Tag!

Eine von Passaths Arbeiten im gelenkten Dialog. (Foto: Martin Krusche)
Eine von Passaths Arbeiten im gelenkten Dialog. (Foto: Martin Krusche)
Kunsthistoriker Roman Grabner (links) und Künstler Niki Passath. (Foto: Martin Krusche)
Kunsthistoriker Roman Grabner (links) und Künstler Niki Passath. (Foto: Martin Krusche)

Wenn ich unterwegs manchmal bei Meister Thaler In der Laube zu Besuch bin, läßt sich einiges davon im Detail erfragen. Dieser breite Fächer unterschiedlicher Kompetenzen ist uns wichtig.

Bei all dem nützen ferner Gespräche mit Fachleuten, die heute in der Entwicklung tätig sind und die aktuelle Situation sehr gut kennen; wie etwa der Konstrukteur Markus Rudolf; siehe: Erkundungen!

Unsere bisherige Verständigungs- und Vernetzungsarbeit wird nun noch verdichtet. Einerseits sagen alte Handwerker, was sie können, werde nicht mehr gebraucht und würde womöglich mit ihnen sterben. Das betrifft aber bloß den Markt, denn andrerseits sind ihre Kompetenzen nicht bloß zum Herstellen von Dingen nötig. Sie formen und prägen den Menschen selbst, haben also gleichermaßen soziokulturelle Funktionen.

Techniker Ewald Ulrich. (Foto: Martin Krusche)
Techniker Ewald Ulrich. (Foto: Martin Krusche)
Archäologin Sarah Wolfmayr. (Foto: Martin Krusche)
Archäologin Sarah Wolfmayr. (Foto: Martin Krusche)

Für Niki Passath ist das ebenso klar wir für Hermann Maurer. Der erwähnte beim jüngsten Treffen: „Mein Großvater hat im Jahr noch durchschnittlich 3.200 Stunden gearbeitet, heute sind durchschnittliche Angestellte bei einem Mittel von etwa 1.600 Stunden pro Jahr. Wenn uns Maschinen inzwischen noch mehr Arbeit abnehmen, sollten wir darüber reden, was wir Menschen mit der freiwerdenden Zeit anfangen möchten.“

Das gilt aktuell nicht bloß für die Industriearbeit, sondern zunehmend für alle Lebensbereiche, in denen EDV-gestützte Systeme uns zur Hand gehen oder Bereiche aus der Hand nehmen. Bei solchen Überlegungen bieten uns selbstverständlich auch Rückblicke in die Geschichte wesentliche Anregungen. Urgeschichte, Antike, Dampfmaschinen-Moderne, um nun die Gegenwart zu begreifen und brauchbare Annahmen über die nahe Zukunft zu entwickeln.