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Notiz 109: Sommerausklang#

(Fokus Freiberg im Wandel)#

Von Martin Krusche#

Mitte September. Auf dem Weg in den Herbst 2021 wurden im Schloßhof von Freiberg die Preise zu jenem Lyrikwettbewerb verteilt, welchen die Kulturinitiative Fokus Freiberg in Kooperation mit „Buchfink - Lesefestival Region Gleisdorf 2020“ abgewickelt hat. Diese Veranstaltung ist eine wichtige Markierung. Fokus Freiberg hat einen Angelpunkt, den Unternehmer Ewald Ulrich mit seiner Firma Ana-U. An Techniker Ulrich mag einem auf Anhieb auffallen, daß einem auf Anhieb keinesfalls ausfällt, womit sich der Mann insgesamt gerne befaßt.

Ewald Ulrich (links) neben Musiker Gernot Muhr. (Foto: Martin Krusche)
Ewald Ulrich (links) neben Musiker Gernot Muhr. (Foto: Martin Krusche)

Da ist natürlich gut sichtbar sein Betrieb, der mehrere Produktionsstätten hat, dessen Firmenzentrale derzeit noch jenen Trakt von Schloß Freiberg belegt, welcher einst ein Gasthaus und in den 1970er ein wichtiger kultureller Veranstaltungsort der Region gewesen ist.

Wenn es im Schloß nach Jahrzehnten ein dichtes Kultur-Revival gab, dann war Ulrich dessen wichtigster Motor. Als Techniker befaßt er sich mit der Entwicklung von Systemen, die – soweit ich sehen konnte – Feinmechanik, Elektronik und EDV verknüpfen. Dazwischen kommt dann zum Beispiel auch ein schnell verrottbarer Kunststoff vor, den Ulrich entwickeln ließ.

Den stets lesehungrige Mann bewegt außerdem ein spezielles Faible für die Frühgeschichte der Menschheit und er hat an zugänglichen Artefakten der Steinzeit in Europa vermutlich alles gesehen, was bekannt ist.

Was ihm an Formen der Gegenwartskunst zusagt, fand nun über viele Jahre im Schloß statt. Das hatte in Fokus Freiberg schließlich einen fixen Rahmen. Doch es führte auch zu einer mehrjährigen Aprilfestival-Konzentration auf Schloß Freiberg. Diese Ära endet nun.

Ewald Ulrich verläßt mit seiner Firmenzentrale den Hügel, räumt diesen Trakt des Schlosses. Also gibt es auf jeden Fall zwei Lokalpolitiker, die sich längst einige Gedanken machen, was dem folgen könnte. Peter Moser, Vizebürgermeister der Gemeinde Ludersdorf-Wilfersdorf, hatte schon vor mehr als einem Jahrzehnt den Kontakt zu Kunst Ost gesucht und sich viele Male mit kulturellen Vorhaben befaßt.

Von links: Hans-Peter Zaunschirm, Ewald Ulrich Gernot Muhr und Peter Moser. (Foto: Martin Krusche)
Von links: Hans-Peter Zaunschirm, Ewald Ulrich Gernot Muhr und Peter Moser. (Foto: Martin Krusche)

Bürgermeister Hans-Peter Zaunschirm betonte bei der Preisverleihung seine Expertise bezüglich der agrarischen Welt, tippte die Verbindungsstellen zwischen Agrikultur und Kultur an. Das hat seine aktuelle Querverbindung zum Projekt „Wegmarken“, bei dem Zaunschirm für einen Part der Kleinregion Gleisdorf steht, Moser auf operativer Ebene der Projektleiter für das gesamte Vorhaben ist.

Ich sehe das nun als einen weiteren Puzzle-Stein im regionalen Kulturgeschehen, der uns zeigt: das ist eine Zeit erheblicher Umbrüche. Wer jetzt so weitermacht wie vor Corona, wird ins Leere laufen.

Ich bin überzeugt, daß der Umbruch nicht von der Pandemie in Gang gesetzt wurde. Die schärft bloß Kontraste des Prozesses, der wenigstens im Zeitraum 2010-2015-2020 zu einer Art Crescendo der Veränderungen wurde. (Börsencrash in den USA, Weltwirtschaftskrise, Big Data, Vierte Industrielle Revolution etc.)

Ewald Ulrich hat schon vor einer Weile mit dem Bau einer neuen Betriebsstätte im Südburgenland erahnen lassen, daß er in Bewegung bleibt. Bürgermeister Zaunschirm und Vize Moser sind derzeit in einer Orientierungsphase, welche kulturpolitischen Weichenstellungen für Ludersdorf-Wilfersdorf gleichermaßen sinnvoll und machbar erscheinen. Der aktuelle Gemeinde-Part bei den „Wegmarken“ ist wie eine kleine Flagge auf diesem Feld: von hier mag es in eine neue Situation gehen.

Ulrichs Websites#

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Fokus Freiberg im Austria-Forum (einige Beispiele)#