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Lyrischer Wettstreit#

Eine kleine Offenlegung#

von Martin Krusche

Ich will hier nicht nur darüber reden, was beim Schreiben von Gedichten bedacht werden kann, sondern auch meine eigene Position offenlegen. Meine Ansichten kommen natürlich daher, daß ich Gedichte schreibe.

Schloß Freiberg als Drehscheibe: Autor Martin Krusche (rechts) neben Musiker Reinhard Ziegerhofer. (Foto: Ursula Glaeser)
Schloß Freiberg als Drehscheibe: Autor Martin Krusche (rechts) neben Musiker Reinhard Ziegerhofer. (Foto: Ursula Glaeser)

Der Dialog mit sich selbst. Das Erzählen einer Geschichte. Die Metaphern, um etwas deutlicher zu machen, als die Alltagssprache es kann. Besser gesagt: um es eindringlicher zu machen. Aber nie geht es um Nachrichten. Und doch ist es immer auch das.

Es gibt so viele Lebensmomente, in denen es auf Eindeutigkeit ankommt. In der Lyrik ist das nie zwingend, wie ja auch keine Wahrheit entsteht, indem man einfach Widersprüche eliminiert.

Im Grunde ist mein Text immer nur das, was er in Ihnen auslöst. Darum hängt viel davon ab, was Sie als Lesende schon erlebt, erfahren, reflektiert haben. Und manchmal kann eine Textstelle etwas in einem auslösen, woran man sonst nicht gedacht hätte.

Ich hab es von Beginn an so verstanden: das Werk ist ein Appell, der angenommen wird oder nicht. Ich verfüge keinesfalls darüber, was ein Text bei anderen bewirkt. Also bleibe ich beim Schreiben auf den Text konzentriert, nicht auf den möglichen Effekt.

Ich begleite meine laufende Arbeit seit geraumer Zeit mit Lyrik-Zyklen. Im Augenblick ist das die Tesserakt-Serie. Damit will ich auch sagen, ein Teil meiner Wahrnehmung und meiner Reflexionsweisen ist quasi in den Strukturen von Lyrik justiert.

Das muß man natürlich nicht so leben. Es ist bloß meine persönliche Marotte. Finden Sie für sich heraus, wofür Ihnen diese Art des Erzählens – die Lyrik – nützlich sein kann, was Sie daran reizvoll finden. Experimentieren Sie! Aber nun zu meiner Offenlegung, zum momentan jüngsten Beispiel, das meine Position verdeutlichen soll…

natürlich#

hab ich
mein leben
vergeudet

es haftet
kein ruhm
an meinen schläfen
es hat mich
kein fürst
je gelobt
und
wenn ich liebe
bin ich verrückt
und wenn ich blute
trink ich
aufs leben
wer
sollte mir
vertrauen?

ich bin gift
für das geld
ich hab
keinen kompaß
wenn brücken
nichts taugen
lege ich feuer
auch wenn ich
noch nicht
das festland
erreicht hab

ich bin taub
für ratschläge
und fresse papier
ein mann
von ehre
in billigen
t-shirts
ein sänger
den niemand
je hört
ein witz
für die klugen
ein beil
wenn es
streit gibt

ich hab
mit dämonen
nächte durchzecht
und mit denen
geweint
die dem schrecken
erlagen
war mit
leichten schritten
auf feuchter erde
wo man leute
verscharrt hat
auf gräber
gepißt hat
die toten
verlacht hat

ich wurde
von düsteren
herzen berührt
und
von hunden
gebissen

ich ließ mich
noch nie
von heuchlern
vertreiben

ich habe
der welt
nichts zu sagen

bin bloß
wie ein untier
in dem
etwas klingt
mit interferenzen
verheilter brüche
mit samtenem schweigen
in meiner brust
und immer wieder
trunken
von kaltem wein
und immer wieder
lärmend
bis ich
lachen muß


Post Scriptum#

Ich nehme selbstverständlich an diesem Wettbewerb nicht teil, denn ich gehöre zum engeren Kreis des Kulturnetzwerkes, von dem dieser Lyrik-Wettbewerb veranstaltet wird.