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Zulasten der Netze #

Bis 2030 soll der gesamte heimische Strom grün sein. Ob bis dahin auch die Leitungen stark genug sind, ist jedoch unklar.#


Von der Wiener Zeitung (11. Juli 2021) freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Von

Bernd Vasari


Mit dem Ausbau von erneuerbaren Energien alleine ist es nicht getan.
Mit dem Ausbau von erneuerbaren Energien alleine ist es nicht getan.
Foto: https://pixabay.com

Mehr als 280 Tage vergingen. Vom Gesetzesentwurf bis zum tatsächlichen Gesetz. Vergangenen Mittwoch war es dann soweit, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) wurde im Nationalrat beschlossen. Eine rekordverdächtig lange Zeit, die sich die Verantwortlichen bei der Umsetzung aber nicht mehr leisten können. Denn das Ziel, den heimischen Strom bis 2030 ausschließlich aus Sonne, Wind und Wasser zu erzeugen, ist ambitioniert.

Der Stromversorger Austrian Power Grid (APG) steuert und verantwortet das überregionale Stromtransportnetz. Das EAG sei nur der eine Teil, um die Stromversorgung umzustellen, sagt APG-Vorstand Gerhard Christiner. Um das Ziel zu erreichen, müssen gleichzeitig auch Netz- und Speicherkapazitäten erhöht werden. "Nur dann sehen wir die Sicherheit im Stromsystem im Sinne des Wirtschaftsstandorts Österreich nachhaltig gewährleistet", sagt er. Christiner betont daher: "Der notwendige Umbau des Stromsystems ist eine Mammutaufgabe."

Die Energie, die produziert wird, muss auch erfolgreich gemanagt werden. Dafür fehlt es jedoch in der Grundausstattung. Mehr Umspannwerke, stärke Stromnetze und das Vertrauen der Bevölkerung sind notwendig.

21 Jahre für den Bau der Salzburger Freileitung#

Christiner verweist auf den Ausbau der Freileitung in Salzburg, wo Einsprüche der Anrainer den Bau verzögerten. Sie forderten unterirdische Verkabelungen, um das Landschaftsbild zu schützen. Die Planungen begannen 2005, 2026 werden sie in Betrieb gehen. 21 Jahre sind dann vergangen. "Das Entscheidende ist die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren bei energiewirtschaftlichen Anlagen. Nur wenn die Verfahrensgeschwindigkeit schneller wird, können die Ziele bis 2030 erreicht werden."

Doch das wird nicht einfach. Die Akzeptanz der Bevölkerung, wenn etwa ein Windrad gebaut wird, sei nicht mehr so hoch, wie noch vor ein paar Jahren. Auch die Ladesäulen für E-Autos werden deutlich steigen, um den Bedarf zu decken. Das werde nicht immer zur Freude der Anrainer sein. Zuständig ist dann nicht der Bund, sondern lokale Ebenen.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Kosten der Stromwende. "Die aktuelle Netzinvestitionsplanung der APG in Höhe von 3,1 Milliarden Euro ist nicht die finale Antwort auf das EAG." Es werden ein paar dutzend Milliarden Euro investiert werden müssen. In die Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur der Bahn, in die Umstellung der mit Diesel betriebenen Nebenbahnen, Wärmedämmung in Gebäuden, Umstellung der Unternehmen von Öl und Gas auf erneuerbare Energien, um ein paar Beispiele zu nennen. Die gesamte Energiewende in Österreich werde 50 bis 100 Milliarden Euro kosten.

Und dann wäre da noch die Gefahr eines Blackouts, eines Stromausfalls. Dazu kam es beinahe im Jänner. Der kroatische Netzknoten fiel aus, das führte zu unterschiedlichen Frequenzen in Nord-, als in Südeuropa. Sie konnten im letzten Moment wieder angeglichen werden.

Mit erneuerbaren Energien steht das europäische Stromnetz vor neuen Herausforderungen, denn Sonnen- und Windkraft sind nicht immer verfügbar und müssen gespeichert werden. "Je mehr volatile Energie, desto leistungsstärker muss die Strominfrastruktur sein", sagt Christiner. Dafür müssten aber noch Detailkonzepte erarbeitet werden.

Wie die Stromwende bis 2030 gelingen soll, werde noch analysiert, sagt er. Bis zum Netzentwicklungsplan 2022 werde es Antworten geben. Präsentiert wird dieser im November des nächsten Jahres. Dann wird man wissen, ob die Ziele des EAG erreicht werden können.

Wiener Zeitung, 11. Juli 2021