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Der "Salon" früher und heute?#

Von Christa Chorherr, 16. Oktober 2018


Zurück zum Anfang. Ich hatte gestern das Privileg einer umfassenden Führung durch den Campus der Ersten. Ich bin eigentlich mit negativen Erwartungen dorthin gegangen. Ja, schöne Architektur beeindruckt mich selbstverständlich, und von außen wirkt der Bau harmonisch und das Atrium, durch das man das Gebäude betritt ist spektakulär. Die Lage – eigentlich fast „über Wien“ im sogenannten Sonnwendviertel ist grandios.

Aber ich fürchtete, dass die Mitarbeiter dort – ohne eigenen Schreibtisch – doch eher wie dann in Legebatterien – nebeneinandersäßen. Was ich dann daraufhin erfuhr hat mich restlos von diesem Konzept überzeugt. Bevor ich zu diesem Konzept komme, möchte ich doch auf ein paar „Features“ dieser Anlage kommen: zuallererst fiel mir auf, wie gut Akustik gelöst ist – überall. Das ist einmal für Räume, in denen viele Menschen sitzen sehr bedeutend. Dann bemerkte ich, wie „intelligent“ die Aufzüge gesteuert werden. Man gibt nämlich nicht nur an, ob man hinauf oder hinunter möchte, sondern das Stockwerk, in das man kommen möchte. Positiv fiel mir auf, wieviel unterschiedlicher Erholungsraum den Mitarbeitern zur Verfügung steht, in-doors, aber auch im Freien, mit Kaffeehausbetrieb oder einfach „ohne“. Von allen 6 Flügeln des Hauses haben dort arbeitende Personen Zugang zu einer allen gemeinsamen „Plaza“ (Gartendeck – im zweiten Stock). Dieser Platz ist sehr einladend gestaltet, mit Rasenflächen (betretbar), Bäumen und Sträuchern. Von hier sieht man z.B. auch in den hauseigenen Kindergarten mit Konditionen von denen viele nur träumen können: er ist für Mitarbeiter gratis, die Kinder können ab 7 Uhr gebracht werden und können bis 19 Uhr dortbleiben. Die Kinder haben ein sehr ansprechendes Inneres und einen eigenen abgeschlossenen Bereich im Freien. Natürlich gibt es eine Kantine – dient dem Mittagessen, steht aber während der anderen Zeiten für Versammlungen etc. zur Verfügung, neben dem vielen, von der Größe her rechtunterschiedlichen Konferenz- und Besprechungsräumen. Eine Reihe von denen ist bereits mit Teleconference Equipment ausgestattet. (Das hätten wir uns damals, als ich noch aktiv war, oft gewünscht).

Sehr beeindruckt hat mich auch das Konzept des dort angesiedelt FLIP (Fincancial Life Park). Dorthin können beispielsweise Schulkassen kommen, um über den auf sehr moderne Art den Umgang mit Geld lernen.

Alles, was ich bisher gesehen habe, ist hell und freundlich. Und das Gebäude weist viele interessante Features auf, es ist klimatisiert, die Raumtemperatur ist in Grenzen für die Mitarbeiter regulierbar, Kalt- und Warmluft wird über die Decke zugeführt. Frischluft wird gibt es 6 Mal die Stunde! Das gesamte Gebäude entspricht eher einem Passivhaus, also Nachhaltigkeit ist in vielen Details berücksichtigt. Einzelne Fenster können geöffnet werden, Jalousien sind vorgesehen. Regenwasser wird in einer Zisterne aufgefangen und als Nutzwasser im Haus verwendet. Die Dächer sind begrünt! Und vom Dach, dort gibt’s eine Afterwork-Bar, hat man einen atemberaubenden Blick nicht nur auf das Belvedere, sondern über ganz Wien.

Es wird sehr viel getan, damit sich die Mitarbeiter wohlfühlen – blieb für mich aber noch das Großraumbüro als Nachteil – aber auch dieses Vorurteil konnte ausgeräumt werde. Ja, man hat keinen eigenen Schreibtisch und es sitzen eine Menge von Leuten in einem Büro zusammen. Aber: man wählt einen Schreibtisch je nach Bedarf – einen, wo man mit seinem Team in einer Gruppe zusammensitzt oder einen, wo man z.B. Recherchearbeit für sich allein machen kann. Jeden Schreitisch kann man auf die jeweils gewünschte Höhe einstellen, ja, ihn sogar als Schreibpult verwenden. Wenn sich die Arbeit ändert, setzt man sich an einen anderen Schreibtisch. Man hat kein fahrbares Unter-Tisch-Laden-Kastl, man hat einen so genannten Locker, da kann man „Persönliches“ aufbewahren und – so man das will (viele tun das nicht mehr) – in einer Tasche zum Schreibtisch mitnehmen. Wenn man – aufgrund einer Besprechung z.B. – den Schreitisch verlässt, lässt man ihn als „clean-Desk“ zurück, das heißt man gibt ihn frei. Man sitzt zusammen – auch mit seinen Bossen in einer Einheit, die hier Home-Bay genannt wird, je nach Bedarf ist die Größe bemessen, in dem Falle jener Einheit, die ich besucht habe: Platz für 59 Personen. Je Zwei Homebays sind miteinander verbunden, besser gesagt getrennt durch eine gemeinsame „Pauseneinrichtung“, wo Kaffee frei zur Verfügung steht. Drucker gibt es nur mehr pro Hombay – und nicht am Schreibtisch. Man kann aber an jedem Drucker des Hauses mit seiner Identifikation seinen Ausdruck anfordern. Dies hat zur Folge, dass grundsätzlich nicht je ein Schreibtisch für jeden Mitarbeiter vorhanden sein muss, denn durch Urlaub, Krankheit, Reisetätigkeit sind nie alle Mitarbeiter anwesend. Ein Mitarbeiter kann sich in eines der vielen Cafés, oder Ruhezonen oder ins Gras am Gartendeck mit seinem Tablet zurückziehen, ist telephonisch erreichbar und kann dort arbeiten oder auch nicht. Wesentlich für manche dort Beschäftigte ist auch, dass Home-Office möglich ist. Es wird auch genutzt und die Erfahrung hat gezeigt, dass die geleistete Arbeit dadurch eher besser als schlechter geworden ist.

Und jeder kann das in Eigenverantwortung für sich selbst regeln, es gibt keine Anwesenheitskontrolle. Denn das Management meint, dass man den Output prüfen, nicht aber die Anwesenheit messen soll. Eigenverantwortung steht überhaupt im Mittelpunkt des Management Konzeptes. Und dieses Konzept ist auch die Grundlage für die innere Ausformung des Gebäudes.

Das bedeutet, dass mit der Übersiedlung auch ein Wechsel in der Arbeitsphilosophie eingetreten ist. So etwas kann nicht schlagartig passieren, das ist ein Prozess, der wohl vorbereitet, erprobt und begleitet werden muss. Bei einer Übersiedlung (und einem Wechsel des Management Konzeptes) erwartet man eine erhöhte Fluktuation der Mitarbeiter. Dies ist hier nicht eingetreten. Im Gegenteil, es haben sich wesentlich mehr Leute beworben, um hier arbeiten zu können.

Also das Raumkonzept ist einem Management Konzept gefolgt. Durch dieses gemeinsame Sitzen von Vorgesetzten und Mitarbeitern wurden hierarchische Spannungen abgebaut. Die „Chefs“ haben sehr früh von den Problemen bei den Mitarbeitern erfahren -und konnten daher rechtzeitig eingreifen – und mussten nicht nachher „beim Schiefgehen“ Feuerwehr spielen.

Somit kann ich doch sagen, ohne zynisch zu sein: schöne neue Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts.