Justizanstalt Göllersdorf

Einfahrtstor der Justizanstalt Göllersdorf

Die Justizanstalt Göllersdorf ist eine Sonderanstalt des österreichischen Strafvollzugswesens. Das Gefängnis liegt im Gemeindegebiet der Gemeinde Göllersdorf in Niederösterreich. Eine besondere Stellung unter den österreichischen Justizanstalten kommt der Einrichtung dadurch zu, dass sie die einzige Anstalt mit Behandlungsauftrag für nicht zurechnungsfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher ist. In diesem Sinne wird in der Justizanstalt Göllersdorf der Maßnahmenvollzug nach § 21 StGB bzw. § 164 StVG vollzogen.

Inhaltsverzeichnis

Konzeption

Die Anstalt verfügt derzeit über eine Belegungskapazität von 120 Haftplätzen, die wie in psychiatrischen Krankenhäusern in Bettenplätzen angegeben werden. Zu diesen 120 Maßnahmenhäftlingen kommen in der Regel bis zu 29 normale Strafgefangene, die als „Systemerhalter“ fungieren und Aufgaben wie Küchendienst und Arbeitswesen zugewiesen bekommen. Das Gefängnis wird in sechs Wohnstationen unterteilt, in denen jeweils 20 Betten zur Verfügung stehen. Des Weiteren gibt es eine Intensivstation mit einer Belegsfähigkeit von 17 Betten.

Von den rund 120 untergebrachten Männern saßen per Stichtag 13. März 2009 26 Prozent wegen Körperverletzungen, 19 Prozent wegen Sexualdelikten, 17 Prozent wegen vollendeten oder versuchten Tötungsdelikten, weitere 17 Prozent wegen Eigentumsdelikten, 13 Prozent wegen Brandstiftung und 8 Prozent wegen anderer Delikte wie beispielsweise Nötigung oder gefährlicher Drohung ein.[1]

Personal

Die ärztliche Aufsicht hat ein leitender Facharzt sowie dessen Vertreter, die beide Vollzeitangestellte der Justizanstalt sind. Dazu kommen noch 4,5 ärztliche Stellenplätze (9 Halbzeitkräfte), 3,5 Psychologen, 3,5 Ergotherapeuten sowie ein Musiktherapeut. Zusätzlich betreuen 4 Sozialarbeiter und 34 Pflegebedienstete die Häftlinge. Anstaltsintern sind weiters 1 Praktischer Arzt, ein Zahnarzt und ein Seelsorger mit Stundenverpflichtung angestellt.

Daneben gibt es noch den Exekutivbereich, der vom Anstaltsleiter und dessen Stellvertreter geführt und von insgesamt 55 Justizwache-Beamten umgesetzt wird. Der Anstaltsleitung stehen zudem 15 Kanzleikräfte zur Verfügung.

Geschichte

Schloss Göllersdorf – Justizanstalt
Schloss Göllersdorf

Die Justizanstalt ist im Gebäude von Schloss Göllersdorf untergebracht, einem Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert, in dem allerdings noch wesentliche Elemente aus der Zeit um 1460 enthalten sind. Es befand sich bereits seit dem 14. Jahrhundert im Besitz des Adelsgeschlechts Schönborn-Puchheim. Während des Ersten Weltkrieges diente das Gebäude als Internierungslager für politisch unzuverlässige Personen. Anschließend wurde es als Militär- und Zivilhaftanstalt, als Bundeserziehungsanstalt und zuletzt als Arbeitshaus genützt. Mit der Strafrechtsreform vom 11. Juli 1974 fiel diese Form der Haftunterbringung allerdings weg. Anschließend wurde das Gebäude vom Bundesministerium für Justiz erworben und in eine Sonderanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher umgewandelt. Die frisch sanierte Justizanstalt Göllersdorf wurde schließlich im Jahr 1985 ihrer heutigen Bestimmung übergeben.

Am 4. April 1995 wurde in der Justizanstalt Göllersdorf die Psychotherapeutin Dr. Veronika Kreuziger-Hitz durch den zu lebenslanger Haft verurteilten Franz Stockreiter ermordet (Franz Stockreiter stand in Vorbereitung zu seiner Haftentlassung), was zu einer veränderten Schwerpunktsetzung führte. Während bisher im therapeutischen Bereich vor allem die Vertraulichkeit, die Bedachtnahme auf eine möglichst unbeeinträchtigte Therapeuten-Klienten-Beziehung im Vordergrund stand, ist jetzt der Schutz der Angehörigen der Betreuungsdienste und eine verstärkte Überwachung durch Justizwachebeamte an erster Stelle. Diese erfolgt, je nach den örtlichen Gegebenheiten, durch eine optische Überwachung oder mit Hilfe von Personen-Notrufgeräten. Bei baulichen Änderungen wird zukünftig auch vorgesehen, dass sich die Zimmer, in denen Therapiesitzungen stattfinden sollen, in der Nähe von Räumen befinden, in denen sich regelmäßig Beamte der Justizwache aufhalten.[2]

Einzelnachweise

  1. Bettina Stimeder: Untergebracht statt eingesperrt in der Vollzugsanstalt Göllersdorf. Artikel in der Tageszeitung Der Standard vom 13. März 2009.
  2. Anfragebeantwortung des Bundesministers für Justiz zum Thema Konsequenzen aus Vorkommnissen in den österreichischen Justizstrafanstalten.

Weblinks

 Commons: Justizanstalt Göllersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Webauftritt der Justizanstalt Göllersdorf im Justizressort.

48.49433055555616.121566666667Koordinaten: 48° 29′ 40″ N, 16° 7′ 18″ O