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Blick in RIchtung Reiting
Kurzheim-Schirlhof
Dorfplatz-Schardorf
Gespannfahren
Junior hat Hunger
Windischbühel
Judmaierkapelle
Gößgraben 9
Gößgraben 10
Stockschloss-heute eine land- und forstwirtschaftliche Fachhochschule

Gai#

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Anhand von ersten Nennungen kann man ersehen, dass im 12. Jahrhundert bereits Dörfer in der Gegend um Gai existiert haben, und zwar in Edling (um 1100), in Töllach (um 1130 Dolach), in Gimplach (um 1150 Gomplach), in Gausendorf (1147 Guzendorf), in Schardorf (um 1155 Sawisdorf), in Oberdorf (um 1175) und Kurzheim (um 1145 Gurzhaim). In Windischbühel tritt erst 1331 der Zusatz Windisch auf, erste Nennungen von 1265 und ca. 1300 übermitteln ein einfaches Pyhel. Es mag dies als Hinweis dafür gelten, dass noch um diese Zeit nicht assmilierte Slawen in diesem Weiler lebten und von ihren Nachbarn als "Windische" apostrophiert wurden. Möglicherweise wollte man dieses Bühel auch deutlich von Sandbühel unterscheiden. Als auch schon Gesern (1329 Gosern), tief im Gößgraben, bestand und die in Gai vom Erz und guten Boden angezogenen Baiern 1461 das Gaidorf (Gaydorf) als Hof gründeten, war die in altbairischerZeit einsetzende Besiedlung in Gai abgeschlossen.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Land Kulturland zu werden, denn die Einwanderer brachten den Ackerbau mit, rodeten Wälder, gründeten Dorfschaften und legten den Grundstein zu einer geregelten Bebauung des Landes. Daraus lässt sich auch ableiten, dass sich der Name Gai aus dem bairischen Wort Gau entwickelt hat, was so viel wie fruchtbares, bebautes Ackerland bedeutet. Eine Gegend in der Bauern wohnen, ein "Geidorf" eben.

Gaidorf - diesmal nicht bei Graz#

Der Grazer Bezirk Geidorf ist vielen Steirern bekannt. Dort wurden im 12. Jh. die östlichen Gebiete außerhalb der Stadtmauer so genannt. Im "Gei" wohnten Bauern, keine städtischen Bürger, wie in Graz, es war Bauernland, also wurde es als "Geidorf" bezeichnet. Diese Gegend hieß "Geidorf", genauso wie sein Namensvetter "Gaidorf" in der Obersteiermark.

Diese beiden "Geidörfer" haben sich äußerst unterschiedlich entwickelt. Das eine wurde ein städtischer Bezirk, das andere blieb, was es in seinem Namen verheißt: "Gai", also ländlich, dörflich, gemütlich. In der Gai ist der Name sozusagen Programm, welcher Ort kann das schon von sich behaupten?

Von der Grundherrschaft zur selbständigen Gemeinde#

Alle Ansiedlungen in Gai standen in der Zeit der Erbuntertänigkeit unter der Rechtssprechung einer großen Anzahl von Grundherrschaften, von denen die wichtigsten Admont, Ehrnau, Freyenstein, Großlobming, Kaisersberg, Stibichhofen, die Stadtpfarre Leoben und Göß sind. Kunigunde von Ehrenfels, Äbtissin von Göß, brachte um 1330 ihrem Stift Besitz im Gemeindegebiet Gai zu. Durch Zukäufe konnte Göß sein Amt Schardorf bedeutend vergrößern. Der Gößgraben unterstand im Wesentlichen zur Gänze dem Stift. Sein Name erinnert noch heute daran. Ein verwaltungsmäßiger Zusammenhang der heutigen Bestandteile da Ortsgemeinde Gai bestand vor dem 18. Jahrhundert nicht. Erst im Zuge den Grundsteuerreform von Kaiser Joseph II. erfolgte die Katastrierung des bäuerlichen und grundherrlichen Landes, und es wurden im Jahre 1785 die vier Katastralgemeinden Gai, Gimplach, Gößgraben und Schardorf errichtet. Sie bestehen heute noch.

Diese josephinischen Katastralgemeinden umfassten damals schon alle Ortschaften, ausgenommen Unterkurzheim und Untergimplach. Beide sind al Grund einer Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung hinzugekommen!

Als politische Gemeinde scheint Gai erstmals 1849, durch die Verlautbarung im provisorischen Gemeindegesetz (Reichsgesetzblatt 1848), auf. Die Gemeindegrenzen der Gemeinde Gai entsprechen heute noch im Wesentlichen den damaligen. Es gab im Laufe der Zeit zwar einige kleine Grenzänderungen, eine im Jahre 1939 durch nationalistische "Bürgermeister" beschlossene Abtretung und mit Entscheid der Landeshauptmannschaft Steiermark vom 17. 01. 1939 die Eingemeindung eines Teiles der KG Gai und KG Gimplach in die Marktgemeinde Trofaiach. Begründet wurde die Eingemeindung damit, dass die "Hermann-Göring-Werke" für ihre Arbeiter und Angestellten dort Siedlungshäuser bauen wollten. Im gleichen Atemzuge wurde der Gemeinde Gai aber zugesichert, dass die Ortschaften Glasdorf und Mochl sowie ein Teil des Reitings und des Veitscherwaldes (alle gehören zur Gemeinde Kammern) dem Gemeindegebiet Gai einverleibt würden.

Obwohl auf diesem ehemaligen Gemeindegebiet der Gemeinde Gai infolge des Krieges keine Siedlung errichtet wurde, ist es der Gemeinde Gai nicht mehr gelungen, diese erzwungenen Gebietsabtretungen rückgängig zu machen. Auf dem abgetrennten Gebiet befanden sich unter anderem immerhin eine Margarinefabrik und fünf weitere größere Gewerbebetriebe sowie die Reitersäge (Heubrandner, jetzt Stingl) und das Kaufhaus Pointner (alter Konsum).

Durch diese Vorgänge hat sich das Flächenausmaß der Gemeinde Gai im Laufe der Zeit von ursprünglich 6303 ha auf 6217 ha verringert.

Das Gaier Wappen, in Schwarz aufrecht ein blühender goldener Hornklee#

Judmaierkapelle in Windischbühel
Judmaierkapelle in Windischbühel

Da in keinem der anderen Wappen des Bezirkes Leoben des einstigen Reichsstiftes Göß gedacht wurde, sollten die alten Reichsfarben der Monarchie und damit auch des Stiftes Göß (Gold und Schwarz) im Wappen von Gai wieder aufleben. Als Naturpflanze steht symbolisch der Hornklee für die reiche Flora von Gai und auch als Nutzpflanze für die bedeutende Viehzucht.

Gai heute - Wohn- und Erholungsgemeinde#

Die Gemeinde Gai liegt auf einer Seehöhe von rund 660 m zwischen dem Jesing- und VordernbergerTal und umfasst ein Gebiet von rund 6300 ha. Am Fuße des Reitingstockes mit seiner höchsten Erhebung, dem Gößeck (2215 m), gelegen, tätet Gai ideale Möglichkeiten für Bergsportler und Wanderer. Dank seiner reichhaltigen Flora kann der Reiting auch als der schönste Blumenberg der Gegend bezeichnet werden.

Durch die landschaftliche Vielfalt und die verkehrstechnisch günstige Lage (nur wenige Kilometer von der Phyrnautobahn/Auffahrt Traboch und nahe der Einkaufsstadt Leoben gelegen) wurde die Gemeinde zu einer beliebten Wohngemeinde. Dies sieht man auch an der Einwohnerzahl: Seit der Volkszählung im Jahre 1971 ist sie um 50 % gestiegen. Trotzdem ist der ländliche Charakter und der naturnahe Lebensraum dank der vorherrschenden Landwirtschaft mit über 30 Betrieben erhalten geblieben.

Neben der Landwirtschaft sind auch einige Gewerbebetriebe ansässig, darunter eine Tankstelle, ein KfZ-Werkstättenbetrieb, ein Metall verarbeitender Betrieb, ein Asphaltwerk, ein Erdbewegungs- und Frachtbetrieb und ein Wäschereibetrieb.

Für die heute rund 1800 Gemeindebürger in 14 verschiedenen Siedlungsgebieten bzw. Ortschaften ist die notwendige Infrastruktur mit dem Ausbau des Kanal- und Straßennetzes geschaffen worden, und die Gemeinde verfügt auch über eine eigene Trinkwasserversorgung.

Das kulturelle Zentrum liegt in der kleinen Ortschaft Gai, mit dem in den 70er Jahren ausgebauten Gemeindeamt, dem Kindergarten und der Volksschule mit dem Mehrzwecksaal. Hier finden jährlich im Dezember Aufführungen der "Theatergruppe Gai" statt, und neben anderen Veranstaltungen gibt es nach Ostern immer das traditionelle "Sänger- und Musikantentreffen". Maßgeblich beteiligt am kulturellen Leben von Gai sind vor allem der Singkreis Gai und die Landjugendgruppe.

Das Stockschloss, ein altehrwürdiges Gebäude, das erstmalig im Jahre 1155 genannt wurde und in dessen rückwärtigem Torbogen die Jahreszahl 1467 eingemeißelt ist, befindet sich heute nach wechselvoller Geschichte im Familienbesitz von Mayr-Melnhof. Es beherbergt eine 2-jährige land- und forstwirtschaftliche Fachschule (Fachrichtung Hauswirtschaft) unter der Patronanz des Volksbildungswerkes Schloss St. Martin und ist auch mit seinen Veranstaltungen eine wichtige kulturelle Bereicherung der Gemeinde.

Tourismus- für jeden etwas#

Der Reiting wird als der schönste Blumenberg der Gegend benannt. Gai kann ne Zweifel als eine der schönsten blumengeschmückten Gemeinden bezeichnet werden. Diesen Eindruck gewinnt man sofort, kommt man als Fremder in diese Gegend. An Zäunen, Fenstern, Marterln, ja sogar in eigens dafür aufgestellten alten Schubkarren ranken sich in Farbenpracht Blumen und wieder Blumen. Nicht verwildert, sondern gepflegt, diesen Eindruck vermittelt das Ortbild dem Besucher.

Touristisch bietet die Gemeinde Gai neben den bergsteigerischen Möglichkeiten in den Ausläufern der östlichen Kalkalpen und in den Eisenerzer Alpen mit vielen 2000ern auch wunderschöne Wanderungen auf markierten Wegen. Ebenso gibt es markierte Laufstrecken, Radfahr- und Reitwege. Alles mit Anschlüssen in das angrenzende Liesingtal bzw. Vordernberger Tal. Die über weite Strecken nahezu unberührte Landschaft erfreut Alt und Jung. Ein lohnendes Ausflugsziel ist auch der Natur- und Erlebnispark in der Nachbargemeinde Mautern, der in nur wenigen Fahrminuten erreichbar ist.

Im Winter lockt die vielfältig gestaltete Bergwelt Schitourengeher nach Gai. Die Abfahrten vom Wildfeld und vom Stadelstein zählen neben der vom Gößeck zu den beliebtesten in der Steiermark. Für Pistenfahrer bietet sich das neu ausgebaute Schigebiet am nahen Präbichl an.

Eine 18-Loch-Golfanlage in Schardorf, am Fuße des Reitings gelegen, ist längst kein Geheimtipp mehr. Hier können Sport und Erholung in einer wunderschönen Landschaft ideal verbunden werden. Für das leibliche Wohl sorgt das beliebte Golfrestaurant.

Weitere Gastronomiebetriebe in Schardorf, Edling und Oberdorf und Übernach-l tungsmöglichkeiten in Gasthöfen und Privatzimmern stehen zur Verfügung und bieten dem Gast gediegene ländliche Atmosphäre.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl