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Heiligenkreuz#

Heiligenkreuz
Wappen von Heiligenkreuz

Bundesland: Niederösterreich Heiligenkreuz, Niederösterreich
Bezirk: Baden, Gemeinde
Einwohner: 1.547 (Stand 2017)
Bevölkerungsentwicklung: Statistik Austria
Höhe: 312 m
Fläche: 29,52 km²
Postleitzahl: 2532
Website: www.heiligenkreuz.at


Heiligenkreuz
Heiligenkreuz: Dreifaltigkeitssäule und Portal der Stiftskirche - Foto: P.Diem

Sommerfrische und Ausflugsfremdenverkehrsort im südlichen Wienerwald, südwestlich von Mödling in Landschaftsschutzgebiet. - Gipsbergbau (in Preinsfeld), Gaststätten- und Beherbergungswesen.

Zisterzienserstift Heiligenkreuz#

Als zweitältestes Zisterzienserkloster in Österreich ist Stift Heiligenkreuz Mutterkloster der Stifte Zwettl (1138), Baumgartenberg (1142), Marienberg (1197), Lilienfeld (1202) und anderer. 1881 wurde die Abtei Neukloster in Wiener Neustadt mit Heiligenkreuz vereinigt. 1954 gründete Heiligenkreuz für die Zisterzienserinnen aus Landshut ein Kloster in Mönchhof (Burgenland).

Die fast 900 Jahre alte Zisterzienserabtei wurde 1133 durch den heiligen Markgrafen Leopold III. aus dem Geschlecht der Babenberger gegründet. Zuvor war Otto, ein Sohn Leopolds, während des Studiums in Frankreich selbst in das Zisterzienserkloster Morimond eingetreten.

Die Zisterzienser waren damals eine neue, erst 1098 entstandene Reformbewegung der Benediktiner, und hatten großen Zulauf an Berufungen aus allen Schichten der Bevölkerung. Otto, später Bischof von Freising, überredete seinen Vater zur Stiftung eines Zisterzienserklosters, so dass am 11. September 1133 zwölf Mönche aus Morimond das klösterliche Leben im Rhythmus von Gebet und Arbeit (Ora et labora) begannen.

Heiligenkreuz ist heute weltweit das einzige Zisterzienserkloster, das seit der Gründung ohne Unterbrechung besteht. Nur Stift Rein in der Steiermark ist noch älter. Der Enkel Leopolds III., Herzog Leopold V. schenkte dem Kloster 1188 ein 23,5cm langes Stück des Kreuzesholzes Christi; diese große Kreuzreliquie wird bis heute hoch verehrt.

Heiligenkreuz ist auch im 9. Jahrhundert seines Bestehens ein überaus lebendiges Klosters, der Konvent besteht aus vielen jungen Mitbrüdern; die fast 80 Zisterzienser des Klosters wirken als Pfarrer in der Seelsorge, betreiben seit 1802 eine eigene Philosophisch-Theologische Hochschule für die Priesterausbildung.

Besonders pflegen die Heiligenkreuzer Zisterzienser das lateinische Chorgebet in gregorianischem Choral nach den Normen des 2. Vatikanischen Konzils. Seit 1133 halten die Mönche siebenmal am Tag das Gotteslob. Sie beginnen mit dem sogenannten „Chorgebet“ um 5.15 Uhr. Der Tag schließt mit der Komplet um ca. 20.15 Uhr. In der Nacht herrscht heiliges Schweigen. Das feierliche Chorgebet ist immer öffentlich, Gäste sind immer herzlich willkommen. .

Der Zisterzienserorden war seinerzeit als neue und vitale Reformbewegung des benediktinischen Mönchtums entstanden. Der Name „Zisterzienser“ stammt von dem 1098 in der Nähe von Dijon gegründeten ersten Kloster „Cistercium“, auf französisch: „Cîteaux“.

Von der 1187 geweihten Stiftskirche ist das romanische Langhaus (Wölbebau) erhalten; romanische Fassade, Querhaus aus dem 13. Jahrhundert mit frühestem Kreuzrippengewölbe (Kreuzbandgurten) in Österreich, imposanter Hallenchor (1295 geweiht, ein Hauptwerk der österreichischen Gotik, in dem der Großteil der Glasfenster original erhalten blieb), Kreuzgang (1220-40); Ende des 19. Jahrhunderts wurde die barocke Inneneinrichtung der Abteikirche entfernt und ein Ensemble von neugotischen Altären mit einem Baldachin über dem neugotischer Hochaltar (1887) geschaffen. Barockes Altargemälde von J. M. Rottmayr (1696), Chorgestühl (1707) von Giovanni Giuliani; 9-eckiges Brunnenhaus mit Glasgemälden der Babenberger (1290) und Bleibrunnen des 16. Jahrhunderts. Frühgotisches Dormitorium; barocke Bauphase des Klosters ab 1641, Gasttrakt 1662 vollendet, nach Zerstörung 1683 erneuert. Im frühbarocken Stiftshof Dreifaltigkeitssäule (1736-39) und Josefsbrunnen von Giuliani (1739). Bedeutende Bibliothek; außerhalb des Stifts Kalvarienberg (1731-50).

Heiligenkreuz, Kapitelsaal
Heiligenkreuz: Kapitelsaal - Foto: Stift Heiligenkreuz
Der spätromanische Kapitelsaal ist eine der bedeutendsten Begräbnisstätten Österreichs; denn hier sind nicht weniger als vier Herrscher der Babenberger, des ältesten österreichischen Herrschergeschlechtes, bestattet: Markgraf Leopold IV., Herzog Leopold V., Herzog Friedrich I. und Herzog Friedrich II. der Streitbare. Herzog Friedrich II. ruht in einem Hochgrab, weil er das Kloster besonders gefördert hat; mit seinem Tod 1246 erlosch das Geschlecht der Babenberger.

Die hohe romanisch-gotische Abteikirche aus dem 12./13. Jahrhundert zeigt in ihrer nüchternen Erhabenheit das Ideal der zisterziensischen Architektur: Die Kirche soll ohne Malerei und Ornament auskommen und steingewordenes Gotteslob sein.

Der bedeutendste Heiligenkreuzer Barockkünstler des 18. Jahrhunderts war der aus Venedig stammende Giovanni Giuliani, der fast alle Skulpturen und Plastiken schuf, die noch heute das Kloster zieren, unter anderem die Dreifaltigkeitssäule, die Fußwaschungsgruppen im Kreuzgang und das Chorgestühl. Giuliani trat nach dem Tod seiner Frau dem Kloster als Familiar bei. Auch berühmte Maler, wie Michael Rottmayr, Martino Altomonte und Georg Andreas Washuber, arbeiteten für das Stift. Giuliani und Altomonte sind in der Stiftskirche begraben. Heute ist das 1240 geweihte Stift Heiligenkreuz eine der größten mittelalterlichen Klosteranlagen der Welt.

Unter Kaiser Joseph II., dem Sohn von Kaiserin Maria Theresia, war Stift Heiligenkreuz zwischen 1780 und 1790 von der Aufhebung bedroht. Die Weltanschauung der Aufklärung wirkte sich ungünstig auf den klösterlichen Geist aus; der Staat mischte sich in Angelegenheiten des Glaubens und der Kirchendisziplin. Als Gegenreaktion wurde 1802 ein „Theologisches Institut“ zur Ausbildung des Ordensnachwuchses gegründet. Heute blüht diese Einrichtung als „Philosophisch-Theologische Hochschule“ mit weit über 100 Priesterstudenten und Ordensleuten.

In den Jahren von 1938 bis 1945 war die Existenz des Stiftes bedroht. Unter den Nationalsozialisten wurde das Kloster größtenteils enteignet und mehrere Mitbrüder wurden inhaftiert. Nach dem 2. Weltkrieg bemühte sich der Reformabt Karl Braunstorfer (1945-1968) um eine Stärkung des ursprünglichen Ordensgeistes. Die Liturgie wurde ganz im Sinn des 2. Vatikanischen Konzils reformiert und ein eigenes lateinisches Brevier geschaffen. Auch die Pflege des Gregorianischen Chorals ist den Heiligenkreuzer Mönchen heute ein großes Anliegen.

Heute ist Heiligenkreuz das größte Zisterzienserkloster Europas. Die Liturgie wird von den Mönchen mystisch und ehrfürchtig gefeiert; es gibt zahlreiche junge Männer, die ihrer Berufung folgen und in Heiligenkreuz eintreten. Die Mönche sind aber auch sehr aufgeschlossen gegenüber Gästen und Besuchern. Die Zisterzienser von Heiligenkreuz bemühen sich um einen offenen und freundlichen Umgang mit den vielen Menschen, die Stille und Gottesbegegnung suchen.

Erstellt nach dem Text von P. Dr. Karl Wallner OCist, 2007

Stiftshof
Stiftshof - Foto: P. Diem
Eingangstrakt
Eingangstrakt - Foto: P. Diem
Josefsbrunnen
Josefsbrunnen - Foto: P. Diem
Kirchenportal
Romanische Fassade - Foto: P. Diem
Im Stiftshof
Im Stiftshof - Foto: P. Diem
Platanen
Platanen - Foto: P. Diem
Dreifaltigkeitssäule
Dreifaltigkeitssäule - Foto: P. Diem
Hauptschiff
Hauptschiff - Foto: P. Diem
Linkes Seitenschiff
linkes Seitenschiff - Foto: P. Diem
Blick zum altar
Blick zum Altar - Foto: P. Diem
Altarraum
Altarraum bei einer Führung - Foto: P. Diem
Sonnenuhr
Sonnenuhr - Foto: P. Diem
Das feurig leuchtende Mosaik der Sonnenuhr wurde von Klaus-Peter Dyroff (Dresden) und seiner Tochter nach einer Vorlage des französischen Malers Philipp Lejeune geschaffen. Es trägt den Titel "Epiphanie". Das Besondere dieser Sonenuhr besteht darin, dass nicht der Schatten des Zeigers ("Gnomon" altgriechisch für Schattenwerfer) die Zeit anzeigt, sondern der Strahl der Sonne, der sich in der glänzenden Stele spiegelt.

Leopold III. - Babenberger Fenster im Brunnenhaus
Leopold III. - Foto: Stift Heiligenkreuz
Der Kreuzgang
Der Kreuzgang - Foto: Stift Heiligenkreuz
Das Brunnenhaus im Kreuzgang
Das Brunnenhaus mit dem Babenbergerfenster - Foto: Stift Heiligenkreuz

Die letzten drei und viele andere Fotos können von der Homepage des Stifts heruntergeladen werden:
http://www.stift-heiligenkreuz.org/fotodownload/

Weiterführendes#

Literatur#

  • H. Watzl, Das Stift Heiligenkreuz, 1967
  • Cistercienserkloster Heiligenkreuz (Hg.), Das Cistercienserkloster Heiligenkreuz, 1984
  • P. Senekovic (Redaktion), Heiligenkreuz im Wienerwald, 1984

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz
A-2532 Heiligenkreuz im Wienerwald / Austria
Telefon: +43 2258 / 8703 (Information)
Telefax: +43 2258 / 8703 - 114
E-Mail: information(at)stift-heiligenkreuz.at
Homepage: www.stift-heiligenkreuz.at

--> Philosopisch-theologische Hochschule Heiligenkreuz: http://hochschule-heiligenkreuz.at/

Stift und Hochsschule
Das Stift mit der phil.-theol. Hochschule


Redaktion: P. Diem