unbekannter Gast

Stephansdom#

Nordostansicht des Stephansdomes. Im Vordergrund der Albertinische Chor (errichtet in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts) und der nie fertiggestellte Nordturm mit der Glockenstube für die Pummerin. Diese war ursprünglich im Südturm aufgehängt. Nachdem sie beim Brand im Zuge des II. WK 1945 abstürzte, wurde eine neue gegossen und 1952 auf einem provisorischen Glockenstuhl im Bauhof der Dombauhütte aufgehängt. 1957 erfolgte der Umzug in den Nordturm., Foto: Bwag. Aus: Wikicommons
Nordostansicht des Stephansdomes. Im Vordergrund der Albertinische Chor (errichtet in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts) und der nie fertiggestellte Nordturm mit der Glockenstube für die Pummerin. Diese war ursprünglich im Südturm aufgehängt. Nachdem sie beim Brand im Zuge des II. WK 1945 abstürzte, wurde eine neue gegossen und 1952 auf einem provisorischen Glockenstuhl im Bauhof der Dombauhütte aufgehängt. 1957 erfolgte der Umzug in den Nordturm.
Foto: Bwag. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 4.0

Dom- und Metropolitankirche St. Stephan, Sitz des Erzbischofs (Kardinals) von Wien, eines der bedeutendsten Bauwerke der mitteleuropäischen Hoch- und Spätgotik, monumentales Beispiel der süddeutsch-österreichischen Staffelkirche, Wahrzeichen Wiens. Charakteristisch sind die selbständige seitliche Stellung der Türme, die Einbeziehung der romanischen Westfassade, der hochgotische Hallenchor und das mächtige Steildach mit bunter Ziegelmusterung. Maße: Gesamtlänge außen 107,2 m, innen 91,8 m, Breite des Langhauses 38,9 m; Höhe des Südturms (Hoher Turm) 136,7 m, des Nordturms 60,6 m, der Heidentürme 65,6 m.

Baugeschichte#

Erster Bau 1137, 1147 geweiht, 1160 als Pfarrkirche (Besitz des Bistums Passau) vollendet (davon noch erhalten die Untergeschosse der östlichen Heidentürme und untere Teile der Wandgliederung). Danach bemühten sich die jeweiligen Landesherren, ein selbständiges Bistum mit St. Stephan als Bischofssitz zu gründen. 1469 erfolgte schließlich die Erhebung Wiens zum Bistum und damit die von St. Stephan zur Domkirche; seit 1723 Metropolitankirche des Erzbistums.

Ab 1230 wurde über dem ursprünglichen Grundriss ein Neubau errichtet (1258 durch Brand teilweise zerstört, 1263 geweiht), der einen der letzten großen romanischen Kirchenbauten im deutschen Sprachraum darstellte; davon sind noch die Westfassade mit dem Riesentor, den oberen Geschossen der Heidentürme und die anschließende Westempore erhalten. Der gotische Um- und Neubau begann 1304-40 mit dem 3-schiffigen Hallenchor ("albertinischer Chor"); 1359 legte Rudolf IV. der Stifter den Grundstein zum Neubau des Langhauses (Staffelhalle) und der 2-geschossigen Kapellen an der Westseite, gleichzeitig wurde der Bau des Hohen Turms (Südturm) begonnen; 1426 wurde das (zunächst ummantelte) romanische Langhaus abgebrochen, der Chor wurde durch Abmauerung für den Gottesdienst eingerichtet. Der Südturm wurde 1433 durch Hans von Prachatitz vollendet. Nach 1446 begann Hanns Puchspaum mit der Einwölbung des Langhauses und der Errichtung des Dachstuhls; diese Meisterleistung gotischer Zimmermannskunst wurde am 8. 4. 1945 durch Brand zerstört und nach dem alten Vorbild als Stahlkonstruktion wiederhergestellt. Von Puchspaum stammen auch die Vorhalle des Singertors (vor 1450) und der Entwurf zum Nordturm (Adlerturm), dessen Aufbau 1467 begonnen, 1511 auf halber Höhe eingestellt und 1556 mit Haube und Glockenhelm von K. und Hans Saphoy abgeschlossen wurde. 1510-14 war Anton Pilgram Dombaumeister. Um 1515 entstand, vermutlich von G. Hauser, die Vorhalle des Bischofstors, im 19. Jahrhundert wurden Ergänzungen und Veränderungen vor allem durch Friedrich von Schmidt angebracht.

Westfassade#

Zwischen den spätromanischen Heidentürmen das Riesentor (Haupteingang) als reich figuriertes Trichterportal (um 1240); gotisch sind die beiden Westkapellen mit den Statuen Rudolfs IV. und der Katharina von Böhmen (um 1365, Originale im Historischen Museum der Stadt Wien). Nordfassade: Bischofstor, Kreuzkapelle, Adlerturm (darin die "Pummerin") und Barbarakapelle. An der Langhauswand befinden sich Maßwerkfenster, Strebepfeiler mit Blendmaßwerk, unter Baldachinen Figuren von Herzögen (von L. Schadler, 1907). An den unteren Teil des Chors angebaut sind das ehemalige Totengräberhaus mit dem Relief "Jüngstes Gericht" (1520), die Eingangshalle zu den Katakomben, die Capistrankanzel (um 1430) und die "obere Sakristei". Ostseite des Mittelchors: Armeseelenfresko von J. Danhauser (1826, vom Original wenig erhalten) und Halbfigur des "Zahnweh-Herrgotts" (um 1410). Südseite (gleicht im Wesentlichen der Nordseite): Winterchor (Schatzkammer), Mesnerhaus, Katharinenkapelle, Hoher Turm, "untere Sakristei", Grabmal des Neidhart Fuchs (14. Jahrhundert) und Singertor. Der figurale Portalschmuck von Singer- und Bischofstor (in der jeweiligen Vorhalle) sind Hauptwerke der österreichischen Hochgotik (um 1360-70, Parler-Schule). An den Außenwänden sind zahlreiche Grabsteine des ehemaligen den Dom umgebenden Friedhofs ("Stephansfreithof") eingemauert. Der Hohe Turm, einer der schönsten der Gotik, ist reich mit Skulpturen geschmückt (Originale teilweise im Historischen Museum der Stadt Wien). Die Spitze bildet eine Kombination von Doppelkreuz und Doppeladler auf einer vergoldeten Metallkugel.

Unter dem Chor, teilweise unter dem Stephansplatz, wurden die Katakomben, unterirdische Kammern und Gänge, als Unterkellerung angelegt, später Beinhäuser, ab 1720 Begräbnisstätten, 1872 geräumt; Mittelpunkte sind die Herzogs- und die Bischofsgruft.

Ausstattung#

Links neben der Eingangshalle Grabmal des Johannes Cuspinianus (nach 1529), in der Kreuz-Kapelle Grabmal des Prinzen Eugen (von J. Wurschbauer, 1754-58), im nördlichen Seitenschiff neben dem Querschiff Orgelfuß mit Bildnisbüste von A. Pilgram, im Mittelschiff auf einem Sockel vor dem Kanzelpfeiler die "Dienstbotenmadonna" (um 1320), Kanzel (früher A. Pilgram zugeschrieben, wahrscheinlich Ende 15. Jahrhundert) mit berühmtem Selbstbildnis (1513/15). Im Nordchor Kenotaph Rudolfs des Stifters und seiner Gemahlin Katharina (um 1378) und "Wiener-Neustädter-Altar" (1447, 1884 aus dem Neukloster in Wiener Neustadt erworben) mit der Vokalreihe Friedrichs III. "A. E. I. O. U". Im Mittelchor Hochaltar der Brüder J. J. und T. Pock (1647), barocker Steinaltar mit Altarbild von M. J. Schmidt (1772), barockes Chorgestühl (1647). Im Südchor gotisches Freigrab Kaiser Friedrichs III. aus rotem Marmor (1467-1513, von Niclas Gerhaert van Leyden entworfen und begonnen). Teilweise sind noch bemalte Glasfenster (um 1340) erhalten. In der Katharinenkapelle gotischer Marmortaufstein (1481) mit holzgeschnitztem Deckel. An der südlichen Langhauswand Altarbaldachin von H. Puchspaum (1448) und Altar mit Gnadenbild aus Maria Pötsch (Ungarn, 1676). In der Herzogskapelle Steinstatue der "Hausmuttergottes" (um 1320/30) und Flügelaltar (1507) mit Plastik des Schmerzensmannes. In der oberen und unteren Sakristei Gemälde von M. Altomonte.

1945 wurde der Stephansdom durch Beschuss und Brand schwer beschädigt. Zerstört wurden das Dach, das Kreuzgewölbe des Chors, die Nordostecke der oberen Sakristei, der südliche Heidenturm, das große gotische Fenster der Westfassade, das gotische Chorgestühl von W. Rollinger (1476), das frühgotische Riesenkreuz aus Wimpassing und anderes. Der Wiederaufbau erfolgte unter Dombaumeister K. Holey, 1952 wurde der Langhauschor fertiggestellt, 1957 die neue "Pummerin" auf den Nordturm aufgezogen, und 1960 wurden die große neue Orgel und das neue Geläut geweiht.

Weiterführendes#

Literatur#

  • H. Tietze, Geschichte und Beschreibung des St. Stephansdoms in Wien, 1931 (Österreichische Kunsttopographie 23)
  • K. Oettinger, A. Pilgram und die Bildhauer von St. Stephan, 1951
  • R. Bachleitner, Der Wiener Dom, 1966
  • V. Fiedler, Stephansdom und Wiener Bistumsgründung, 1968
  • R. Feuchtmüller, Der Wiener Stephansdom, 1987
  • Mittelalterliche Glasmalereien aus St. Stephan, Ausstellungskatalog, Wien 1990
  • M. Zykan, Der Westbau von St. Stephan, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 44, 1990


Die Domorgel
In der Karwoche 2017 beginnt das Projekt „Riesenorgel“ (so benannt, weil sie sich über dem Riesentor auf der Westempore des Stephansdoms befindet). Die 1991 stillgelegte größte Orgel Österreichs, auch als Kauffmann-Orgel bekannt, wird in den kommenden drei Jahren grundlegend restauriert. Am Ostersonntag 2020 soll die Weihe des Instruments stattfinden - genau 75 Jahre nach der Zerstörung seines Vorgängers beim Brand des Stephansdoms 1945. Dieses hatte die Firma Walcker 1886 errichtet.Ab 1956 erbaute Johann M. Kauffmann die - 1960 geweihte - Riesenorgel mit vier Manualen, 125 Registern, 10.000 Pfeifen und einem beeindruckenden Prospekt. Aufgrund der Raumverhältnisse galt ihre akustische Qualität jedoch als unbefriedigend. Ein massiver Steinbogen zwischen den beiden Heidentürmen stellte eine Barriere für den Orgelklang dar. Überlegungen zur Lösung des Problems reichen Jahrzehnte zurück. So wurde 1991 im rechten Seitenschiff eine kleinere Orgel mit 55 Registern auf vier Manualen aufgestellt, die man nun in das neue Klangkonzept einbezieht.

Sechs internationale Orgelbauer haben Projekte eingereicht. Den Zuschlag erhielt die Vorarlberger Firma Rieger, die im November mit den Arbeiten beginnt. Sie wird die Riesenorgel, unter Verwendung möglichst vieler Pfeifen, technisch erneuern und neu positionieren. Ein wesentlicher Teil des Instandsetzungskonzepts ist die überarbeitete Aufstellung der Orgelregister. Die 1991 errichtete Domorgel wird so adaptiert, dass der Organist beide Instrumente von einem Spieltisch aus bedienen kann. Dies ermöglicht bisher ungekannte Klangwirkungen. Die Projektkosten liegen bei 2,6 Mio. €. Ein Drittel will das Domkapitel aufbringen und dabei mit dem Verein Unser Stephansdom und privaten Spendern zusammenarbeiten. Alle österreichischen Bundesländer und der Bund haben Zuschüsse zugesagt.

hmw

-- Wolf Helga Maria, Donnerstag, 6. April 2017, 17:08