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vom 28.06.2017, aktuelle Version,

Burgruine Imbach

Burgruine Imbach
Burgruine Imbach von Westen (2013)

Burgruine Imbach von Westen (2013)

Entstehungszeit: 12. Jahrhundert
Burgentyp: Spornburg, Felslage
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Senftenberg-Imbach
Geographische Lage 48° 26′ 15,9″ N, 15° 34′ 32,7″ O
Burgruine Imbach (Niederösterreich)
Burgruine Imbach

Die Burgruine Imbach ist die Ruine einer Spornburg auf dem östlichen Ausläufer des Scheibelberges, am Zusammentreffen des Burgtals mit dem Kremstal, oberhalb des Flusses Krems südlich des Dorfes Imbach auf dem Gebiet der Marktgemeinde Senftenberg in Niederösterreich.

Geschichte

Die ehemalige Burg Imbach ist der ursprüngliche Ansitz der vorerst freien, mit den auf Rehberg sitzenden Lengenbachern stammesverwandten, zu Ende des 12. Jahrhunderts als Ministerialen fungierenden Minnebacher. Als erster Vertreter begegnen uns Adalbert und sein Bruder Rüdiger spätestens 1130 in den Quellen.[1] Am Anfang des 13. Jahrhunderts sind mehrere sich nach Imbach nennende Angehörige der ritterlichen Gefolgschaft der Minnebacher urkundlich fassbar. In der Zeit um 1200 brachte Tuta von Minnebach(-Senftenberg) die Burg Imbach in die Ehe mit Wichard (I.) von Weikertschlag-Zöbing ein. Nach dem Tod des letzten männlichen Zöbingers gelangte die Herrschaft Imbach spätestens 1232 durch Verehelichung mit einer weiblichen Angehörigen des Geschlechts – vermutlich Margarete von Zöbing-Senftenberg-Weikertschlag – an den einer Salzburger Ministerialenfamilie entstammenden Karl von Gutrat. Der im Detail komplexen Übergang der Herrschaft Imbach an die Herren von Feldsberg ist derzeit ungeklärt. Im Jahr 1269 überließ Albero von Feldsberg die Burg Imbach dem im selben Jahr von ihm gestifteten Dominikanerinnenkloster Imbach,[2] was den Abbruch des Sitzes als Baumaterial zur Folge hatte.[3]

Baubeschreibung und Baugeschichte

Infotafel bei der Burgruine (2013)

Der West-Ost-orientierte Bergsporn wird durch einen heute teilweise verflachten Halsgraben vom nordwestlich ansteigenden Scheibelberg getrennt. Grabungen des Bundesdenkmalamtes unter Leitung des Grabungstechnikers Gustav Melzer zwischen 1979 und 1981 konnte trotz der beengten Topographie eine für die postulierte Entstehungszeit komplexe, mehrphasige Burganlage zu Tege befördern. Im Zentrum der Hochburg finden sich die Reste eines Gebäudes mit Mauerstärken unter einen Meter, das nach der Mauerstruktur in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zu datieren ist. Ein weiteres frühes, isoliertes, turmartiges Gebäude ist westlich vorgelagert und wird vom Bergfried des 13. Jahrhunderts überbaut. Auf dem Spornende im Osten der Hochburg finden sich die Fundamente der ehemaligen Burgkapelle, ein Apsidensaal von ca. 7,70 × 4,80 m. Ein massiver Ausbau der Burganlage erfolgte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit einem polygonal geführten Bering und einem auf ältere Baureste einbeziehenden Bergfried im Westen. Die mehrphasige Burganlage des Hochmittelalters ist burgenkundlich bedeutsam, da sie vor allem für den noch wenig erforschten frühen Burgenbau Ostösterreichs ein wertvolles Beispiel darstellt und lässt sich in der Grundrissdisposition mit der nahe gelegenen Burgruine Rehberg vergleichen. Der Grundeigentümer errichtete 1999 westlich oberhalb der Burgruine eine moderne Kapelle, die in gewisser Weise die Form der ehemaligen Burgkapelle zitieren soll. Durch die damals einhergehenden Geländeaufbereitungen und die Errichtung einer Zufahrt ist der ehemalige Halsgraben stark. Im Jahr 2003 wurde bei Baggerarbeiten auf dem Burgareal zwei romanisches Kapitell gefunden. Eines von beiden zeigt die Grundform eines Würfelkapitells mit Kämpferplatte und Schaftring, die durch wulstige und allseitig ausgebildete Voluten aufgelöst wird. Bei den Arbeiten wurden auch Bereiche mit ungestörten keramikführenden Schichten zerstört. Die beiden Werksteine belegen die relativ qualitätsvolle architektonische Ausstattung der kleinen Burg, Vergleiche mit Kapitellen vom Palas der Burg Rastenberg legen eine Zeitstellung um 1200 nahe.[4]

Im Zeitraum 2013/2014 wurden die bisweilen ungesicherten Mauerreste durch den Grundstückseigentümer in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und der Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung gesichert.[5]

Fußnoten

  1. Zur urkundlichen Erwähnung, vergl. dazu Saalbücher, Göttweig Seite 85, 86, 228, 312 etc.
  2. Vergl. dazu Imbach, Dominikanerinnen (1267-1764). monasterium.net.
  3. Niederösterreichs Burgen, IMAREAL, Artikel Imbach I, abgerufen am 20. Mai 2015.
  4. Eintrag zu Imbach in der EBIDAT, der wissenschaftlichen Datenbank des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 16. September 2016.
  5. Artikel über die Sicherungsarbeiten, Abgerufen am 20. Mai 2015.

Literatur