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vom 17.06.2016, aktuelle Version,

Fluchthorn

Fluchthorn, Piz Fenga
Die drei Gipfel des Fluchthorns von Westen

Die drei Gipfel des Fluchthorns von Westen

Höhe 3399 m ü. A.
Lage Tirol, Österreich und Graubünden, Schweiz
Gebirge Silvretta
Dominanz 15,5 km Piz Linard
Schartenhöhe 647 m Fuorcla Zadrell
Koordinaten, (CH) 46° 53′ 26″ N, 10° 13′ 38″ O (812478 / 197047)
Fluchthorn (Tirol)
Fluchthorn

Erstbesteigung 12. Juli 1861 durch Johann Jakob Weilenmann und Franz Pöll
Normalweg Weilenmannrinne (II)
Besonderheiten historisch auch: Grenzspitze, Wälsche Berg

Das Fluchthorn (rätoromanisch Piz Fenga?/i) ist ein Bergmassiv in der östlichen Silvretta an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Mit 3398 m ü. M. (Schweiz) bzw. 3399 m ü. A. (Österreich) ist das Fluchthorn der zweithöchste Berg der Silvretta.

Lage

Politisch liegt das Fluchthorn auf der Grenze zwischen der österreichischen Gemeinde Galtür und einer Exklave der Schweizer Gemeinde Valsot.

Orografisch gehört das Fluchthorn vollständig zum Paznaun, ist also nicht Grenzberg des Engadins. Dennoch entwässern die Flanken des Berges über das westlich gelegene Jamtal und das östlich gelegene Fimbatal via Paznaun ebenfalls ins Flusssystem von Inn und Donau.

Sprachlich liegt das Fluchthorn auf der Sprachgrenze zwischen dem Deutschen und dem Rätoromanischen.

Höhe

Das Fluchthorn stellt ein dreigipfliges Bergmassiv dar.

Das österreichische Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen bezeichnet die drei Gipfel als Nördliches Fluchthorn, Mittleres Fluchthorn und Südliches Fluchthorn, mit den Höhenangaben 3309 m, 3397 m und 3399 m.

Die Landeskarte der Schweiz bezeichnet einzig den südlichsten Gipfel, und zwar mit dem einfachen Namen Fluchthorn und der Höhenangabe 3398.0 m. Der Gipfel wird als Triangulationspunkt genutzt.

Die Gipfelmessung variiert nicht nur nach den beiden beteiligten Ländern, sondern auch über die Zeit:

  • Die Dufourkarte betrachtete im 19. Jahrhundert das Mittlere Fluchthorn als den höchsten Gipfel und notierte eine Höhe von 3396 m.[1] Die Fortführung der Dufourkarte bis Mitte des 20. Jahrhunderts bezeichnete − nach heutigem Wissen zu Recht – das Südliche Fluchthorn als den höchsten Gipfel, und zwar mit 3403 m, also um 7 m höher als vorher.[2] Position und Höhe waren identisch mit der Siegfriedkarte derselben Zeitspanne.[3]
  • Die Siegfriedkarte gibt die Höhe des Mittleren Fluchthorns von 1898 bis 1950 mit 3402 m an. Die modernen Karten der Schweizerischen Landestopografie geben die Höhe seit 1951 mit 3397 m an.[4]
  • Das Nördliche Fluchthorn an der Gratscheide Richtung Gamshorn und Gemspleisspitze wird von den Schweizerkarten mit 3317 m acht Meter höher angegeben als auf den österreichischen Karten.

Das Fluchthorn ist die höchste Erhebung der österreichischen Silvretta und nach dem Piz Linard mit 3411 m ü. M. der zweithöchste Gipfel der Silvretta überhaupt. Die Dominanz des Berges verschafft Besteigern ein weites Gipfelpanorama.[5]

Name

Fluchthorn

Den deutschen Namen Fluchthorn teilt der Berg mit dem 3795 m hohen Fluchthorn im Schweizer Kanton Wallis. Der Name stammt aus der lokalen Jägersprache und bezieht sich auf die Rückzugsmöglichkeiten der gejagten Gämsen.[6]

Das Mittlere Fluchthorn trug im 19. Jahrhundert, als dieser Gipfel als der höchste der Dreiergruppe galt, auch den Namen Rennerspitze, nach dem Stuttgarter Alpenpionier E. Renner.[7] Bisweilen wurde früher auch der Name Grenzspitze verwendet.[6]

1774 wurde das Fluchthorn mitsamt der ganzen Kette bis zur Gemspleisspitze auf den Karten des Atlas Tyrolensis als Wälsch Berg bezeichnet. Allerdings wurde dort auch die heutige Fimberalpe als Wälsch Alpe bezeichnet.

Piz Fenga

Der rätoromanische Name Piz Fenga bezieht sich auf die östlich unter dem Gipfel liegende Val Fenga (deutsch Fimbertal). Als Gegenstück befindet sich auf der anderen Talseite der Piz Fenga Pitschna (wörtlich Kleinfimberspitze), der allerdings fast 700 m niedriger und deutlich bescheidener im Aussehen ist. Im Gegensatz zum Fluchthorn stellt der Piz Fenga Pitschna keine alpinistische Herausforderung dar.[8]

Vergletscherung

Im 19. Jahrhundert waren die Gletscher um das Fluchthorn herum miteinander zu einem einzigen Gletschergebiet verbunden: Larainferner, Fluchthornferner, Kronenferner und Vadret da Fenga. Heute sind, abgesehen vom Larainferner, alle Gletscher zu Relikten geschrumpft, und die Eisfelder sind nicht mehr miteinander verbunden. Im Gletschervorfeld des Fluchthornferners ist eine Seenplatte mit sechs Bergseen entstanden.[9]

Erstbesteigung

Die Erstbesteigung erfolgte im Sommer 1861 durch Johann Jakob Weilenmann und Franz Anton Pöll alias Pöllele. Zum Tag der Erstbesteigung existieren widersprüchliche Quellen. Johann Jakob Weilenmann war ein Kaufmann aus dem Schweizer St. Gallen, Franz Pöll ein Bauer, Hirt und Gämsjäger aus dem Paznauner Weiler Valzur.[10][11]

Nach Johann Jakob Weilenmann wird die Weilenmannrinne benannt, ein Couloir in der Südflanke des Südlichen Fluchthorns.

Zugang

Ausgangspunkte für die Besteigung sind die Jamtalhütte im Jamtal und die Heidelberger Hütte im Fimbertal.

Der Weg von der Jamtalhütte her führt auf 2480 m am Finanzerstein vorbei, einem Findling, in dessen Schutz früher eine Hütte eingerichtet war, die heute jedoch im Zerfall begriffen ist. Der Stützpunkt stand im Zusammenhang mit dem Schmuggel (unter anderem Tabak, Kaffee und Saccharin) über den nahen Futschölpass.[12][13][14]

Der Schlussangriff beginnt auf etwa 2900 m Höhe in der Nähe des Zahnjochs und führt gewöhnlich durch die steile Weilenmannrinne. Die Kletterpartien im Gipfelbereich liegen in den Schwierigkeitsgraden II und III.[15][16]

Die beste Jahreszeit für eine Besteigung ist der Frühsommer. Die beste Tageszeit ist wegen der Steinschlaggefahr der frühe Morgen. [17]

Einzelnachweise

  1. Dufourkarte von 1853 - 1898.
  2. Dufourkarte von 1899 - 1956.
  3. Siegfriedkarte.
  4. Schweizerische Landestopografie
  5. Gipfelpanorama unter MountainPanoramas, aufgerufen am 20. Mai 2014.
  6. 1 2 Jahrbuch des Schweizer Alpen-Clubs. 1866.
  7. Walther Flaig: Das Silvrettabuch: Volk und Gebirg über drei Ländern: Vorarlberg, Tirol, Graubünden. R. Rother, 1961.
  8. 46° 55′ 5″ N, 10° 16′ 57″ O
  9. Landeskarte der Schweiz. Zeitreisenfunktion.
  10. Datum der Erstbesteigung: 19. August 1861 gemäß Magazin ALPIN 04/10.
  11. Datum der Erstbesteigung: 12. Juli 1861 gemäß Weilenmann J.J.: Aus der Firnenwelt, München 1929, zitiert in .
  12. Foto bei Hikr, aufgerufen am 20. Mai 2014.
  13. Informationen zur Geschichte von Galtür, aufgerufen am 22. Mai 2014.
  14. Beispiel aus der Presse über den Schmuggel via Futschölpass, aufgerufen am 22. Mai 2014.
  15. Foto mit Route des Schlussangriffs am Fluchthorn, aufgerufen am 20. Mai 2014.
  16. Skizze des Schlussangriffs an der Fluchthornsüdflanke, aufgerufen am 20. Mai 2014.
  17. Routenbeschrieb bei Hikr, aufgerufen am 20. Mai 2014.