unbekannter Gast
vom 06.03.2017, aktuelle Version,

Johann Kravogl

Johann Kravogl, um 1890

Johann Kravogl (* 24. Mai 1823 im Ansitz Rosengarten in Lana (Südtirol); † 1. Januar 1889 in Brixen) war ein Büchsenmacher und Mechaniker. Zu Kravogls Erfindungen zählen u.a.

Trotz der großen Bedeutung vieler seiner Erfindungen konnte er sie wirtschaftlich nicht ausnutzen.

Leben

Elektrisches Kraftrad von Kravogl

Kravogl wuchs als jüngster Sohn eines Kanzlisten beim Landgericht in Lana auf. Kravogl und seine beiden älteren Geschwister verloren früh die Eltern und wuchsen auf sich gestellt mit Unterstützung von Nachbarn im Elternhaus auf. Kravogl erwies sich als begabter Schüler und begann nach dem Ende der sechsjährigen Schulpflicht im Alter von 12 Jahren eine vierjährige Schlosserlehre bei seinem Onkel Josef Haring in Imst. Dieser war ein vielseitiger Techniker, der nicht nur Schlösser aller art, sondern auch Feuerspritzen herstellte und zudem als Büchsenmacher tätig war. Die Gesellenjahre führten den jungen Kravogl auf Wanderschaft, erste Belege existieren erst wieder 1844. 21-jährig arbeitet er in Zams und macht seine erste Erfindung, die Pressluftlokomobile. Kravogl tat nichts, um die Maschine zu vermarkten, erst Jahre später wurden nach seiner Konstruktion Bergewerkslokomobile gebaut. Kravogls Maschine steht heute im Innsbrucker Ferdinandeum.

Später zieht Kravogl nach Innsbruck, 1855 zieht er nach München und arbeitet dort im Fraunhoferschen Institut. In München hörte er in Abendvorlesungen und Sonntagskursen über Geometrie, Maschinenkunde, Physik, Gewerbechemie und Materialkunde und erhält dafür Zeugnisse. Aufgrund der sehr geringen Entlohnung zieht Kravogl weiter nach Wien, wo er wiederum Vorlesungen über Physik, dekadische Arithmetik, Bewegungskunde und Mechanik hört. 1857 schließlich lässt er sich als Mechaniker im Innsbrucker Stadtteil Wilten nieder, wo er zunächst im Haus seiner älteren Geschwister in seinem Werkstattraum wohnt. Nach und nach findet er Kundschaft bei Gewerbeschulen, Gymnasien und der Universität von Innsbruck. Kravogl lernt Orgelspielen und baut sich selbst ein zweimanualiges Harmonium. Um 1860 regt Professor von Waltenhofen ihn zur Konstruktion einer Quecksilberluftpumpe an, die als Vakuumpumpe alle bisherigen Konstruktionen bei weitem übertrifft und Kravogl in Wissenschaftskreisen bekannt macht und ihm den Titel eines "k. k. Universitätsmechanikers" einbrachte.

1867 entwickelt er das „Elektromotorische Kraftrad“, einen Elektromotor mit einem Wirkungsgrad von über 20 %. Im selben Jahr führt er auf Anregung der Innsbrucker Handelskammer den Motor zusammen mit einem kleinen "elektromotorischen Rotationsapparat", einer Präzisionswaage und seiner Quecksilberluftpumpe auf der Pariser Weltausstellung vor und erhält eine Silbermedaille. Die Reise- und Transportkosten kommen aus einem Fonds für unbemittelte Aussteller, da Kravogl die Kosten selber nicht aufbringen kann. Die Reise wird auch finanziell ein Erfolg: der Motor wird für 2000 Franken an den österreichischen Kaiser verkauft und geht an das Polytechnische Institut in Wien, Kravogl wird mit dem Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet und erhält als Zuschuss für seine Forschungen nochmal 1000 Gulden.

Kravogl erhielt danach verschiedene Angebote zur Verwertung seines Motors, die er teils mit den Worten "Mit reichen Leuten mag ich nichts zu tun haben!" ausschlägt, verkauft schließlich seinen Motor aber doch an Werner von Siemens. Kravogls nächste Konstruktion ist ein Schnellfeuergewehr, das die Feuerschnelligkeit der bisher in der österreichischen Armee um das 30fache überbietet. Die Erfindung wird aufgrund von Streitigkeiten im österreichischen Heer dann nicht nach Österreich, sondern nach Frankreich verkauft.

1884 übersiedelt er vom Burggrafenamt nach Brixen im Eisacktal und richtet sich dort eine kleine Werkstatt ein. Ein junger Verwandter, der später auch den Betrieb übernimmt stand ihm dort als Mitarbeiter zur Seite. Am Neujahrstag 1889 stirbt Kravogl nach einer langen Lungenkrankheit ledig und kinderlos.

Straßen in Lana, Marling, Partschins, Bozen, Meran, Brixen, sowie in Innsbruck, Salzburg und Wien sind heute nach ihm benannt.

Literatur

  • Attlmayr: Kravogl Johann. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 237 f. (Direktlinks auf S. 237, S. 238).
  • Rudolph Granichstaedten Czerwa: Johann Kravogl - Erfinder des elektrischen Kraftrades, Wien um 1910
  • Albert Innerhofer: "Johann Kravogl - Erfinder des elektrischen Kraftrades", Nachdruck 1998, reich bebildert, anläßlich seiner 175. Wiederkehr seines Geburt, herausgegeben vom Heimatschutzverein Lana/Südtirol
  • Karl Wieninger: Südtiroler Gestalten, Bozen 1977, S. 230–235