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vom 16.06.2020, aktuelle Version,

Lana

Lana
(ital. Lana)
Wappen
Wappen von Lana
Karte
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Burggrafenamt
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2018)
11.255/12.511
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
91,84 % deutsch
7,90 % italienisch
0,26 % ladinisch
Koordinaten 46° 37′ N, 11° 9′ O
Meereshöhe: 254–1913 m s.l.m. (Zentrum: 310 m s.l.m.)
Fläche: 36,1 km²
Dauersiedlungsraum: 18,3 km²
Fraktionen: Lana, Pawigl, Völlan, Ackpfeif
Nachbargemeinden: Burgstall, Gargazon, Meran, St. Pankraz, Tisens, Tscherms
Partnerschaft mit: Telfs (A), Idstein (D), Feuchtwangen (D)
Postleitzahl: 39011
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021041
Steuernummer: 82007030214
Bürgermeister (2015): Harald Stauder (SVP)
Lana, gesehen vom Brandiswaalweg.

Lana ([ˈlaːna]; italienisch ebenfalls Lana) ist eine italienische Marktgemeinde mit 12.511 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2018) in Südtirol südlich von Meran.

Lana ist nach Einwohnern die siebtgrößte Gemeinde Südtirols.

Geographie

Lana befindet sich im Burggrafenamt im Etschtal, genauer am südwestlichen Rand des Meraner Talkessels am Ausgang des Ultentals. Die langgezogene Ortschaft Lana (unterteilt in Oberlana, Mitterlana und Niederlana) liegt in etwa 300 m Höhe auf der orographisch rechten Seite der Etsch auf einem flachen Schwemmfächer der Falschauer. Nordwestlich vom Ortszentrum erreicht das Gemeindegebiet am Bergrücken des Vigiljochs, der im Zufrittkamm den nordöstlichsten Ausläufer der Ortler-Alpen bildet, auf rund 1900 m seinen höchsten Punkt. Ein Südhang bietet dort der kleinen Ortschaft Pawigl (1200 m) Platz. Im Südwesten befindet sich auf einer Mittelgebirgsterrasse die Fraktion Völlan (700 m). Dahinter steigt das Gelände bis auf fast 1700 m Höhe zu den bewaldeten, nördlichsten Ausläufern der Nonsberggruppe an.

Geschichte

Erste urgeschichtliche Siedlungen befanden sich auf den Hügelkuppen Kobaltbühel, Silackerbühel, Burghügel Braunsberg, Brandis und Leonburg. Im 9. Jahrhundert wurden die beiden Kirchen St. Georg und St. Margarethen errichtet. Die erste urkundliche Erwähnung von Lana (Lenon) erfolgte im Jahr 990.

Die Herren von Lana waren Ministerialen der Welfen, welche in Lana über Grundbesitz verfügten. Laut einer Urkunde von 1273 hat bereits im Jahr 1082 ein Berthold von Lana dem welfischen Hauskloster Weingarten seine Güter vermacht. Die Herren von Lana, deren Besitz in Niederlana lag, übten auch Vogteirechte über Südtiroler Güter des Klosters Tegernsee aus, ebenfalls einer welfischen Gründung. Sie gehörten zum höherrangigen Ministerialadel, wie bereits die Stiftung der Kirche St. Jakob in Grissian 1142 zeigt. Der ursprüngliche Sitz derer von Lana lag vermutlich in Niederlana im Umfeld der Kirche Mariä Himmelfahrt. Zwischen 1140 und 1153 erscheinen erstmals urkundlich Prantoch von Lounon (Lana) mit seinen Söhnen Hildebrand und Heinrich (senex Brandhoch de Loeinnon filiique sui Hiltebrandus et Heinricus). Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten sie zwei Höhenburgen, die Burg Brandis und die Lanaburg (Leonburg), beide zunächst im Eigenbesitz. Die beiden Burgen werden 1236 erstmals urkundlich erwähnt. Ab Beginn des 13. Jahrhunderts verzweigten die Herren von Lana sich in mehrere Geschlechter, die sich jeweils nach ihren Sitzen benannten, darunter die von Brandis, von Lanaburg, von Braunsberg, von Marling-Lebenberg und von Werrenberg (auf dem Werrenberg, auch Turm zu Völlan genannt). Sie alle führten einen roten Löwen im Wappen und hatten gemeinsame Leitnamen wie Berthold, Schwiker, Hildebrand, Konrad, Burghard, Ulrich, Adelheid.[1] 1295 mussten die beiden Eigenburgen dem Landesfürsten Meinhard II. von Tirol zu Lehen aufgetragen werden, nachdem er mit Belagerung und Beschuss durch eine Blide gedroht hatte[2]. 1423 erhielten drei Brüder Brandis den nördlichen Teil der zuvor vermutlich ausgebrannten Leonburg und 1426 fiel diese zur Gänze an die Brandis, der Leonburger Familienzweig erlosch 1462.

Die Burg Brandis zerfiel Anfang des 19. Jahrhunderts zur Ruine, woraufhin die Grafen zu Brandis etwas unterhalb das Schloss Neubrandis errichteten, das ihnen, wie auch die Leonburg, bis heute gehört. Schloss Braunsberg wurde im 13. Jahrhundert von Ulrich von Braunsberg erbaut. Im 14. Jahrhundert übernahmen es die Mareider von Eppan, und um 1492 ging es an die Grafen Trapp über, von denen es im 20. Jahrhundert an die heutigen Besitzer, die Grafen Strachwitz, vererbt wurde. Die Mayenburg, 1229 als Castrum Mayenberch erstmals erwähnt, wurde von den Grafen von Eppan errichtet und ging nach deren Aussterben im Jahr 1300 an die Grafen von Tirol über. Die Burg wechselte danach immer wieder ihre Besitzer, bis zum Jahre 1600, als die Grafen Brandis die Anlage übernahmen und sie 1650 erheblich erweiterten. 1825 wurde sie verkauft und zerfiel anschließend zur Ruine. Dr. med. Josef Auffinger aus Meran erstand die Mayenburg in den 1920er Jahren und ließ Reparaturen durchführen. Die Ruine befindet sich noch im Besitz der Familie Auffinger. Am nördlichen Rand der Lanaer Fraktion Völlan liegen die Reste der Burg Werrenberg, auch Turm zu Völlan genannt, auf einem spornartigen Bergrücken.[3] Wegen der guten Fernsicht ins Etschtal vermutet man eine Nutzung des Turmes als Kreidfeuerstelle, im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein schnelles Warnsystem vor anrückenden Feinden. Von der Burg sind neben einem ca. 10 Meter hohen Mauerzahn des ehemaligen Bergfrieds oder Wohnturms nur geringe Mauerreste erhalten.

Ab 1396 wurde die Pfarrei Lana vom Deutschen Orden betreut, dessen Wappen noch heute im Gemeindewappen von Lana enthalten ist. Das Deutschordenshaus ist seit der Wiederbelebung des Ordens 1855 bis heute Sitz des Priors, des Amtsträgers der Ordensprovinz Südtirol. Am Berghang liegt die Klosteranlage Lanegg mit der Kirche Heilig Kreuz. Das Kloster Lanegg ist die Wiege und das Mutterhaus des 1841 hier wiederbelebten Zweiges der Schwestern des Deutschen Ordens, der in der Reformationszeit ausgestorben war. 1911/12 wurde die Klosteranlage durch den Neubau der Kirche im neubarocken Stil erweitert.

Im Jahr 1850 wurden die bis dahin selbständigen Orte Vill, Oberlana und Niederlana zur Großgemeinde Lana zusammengeschlossen.

Politik

Bürgermeister

Bürgermeister seit 1952:[4]

  • 1952–1956: Josef Carli
  • 1956–1974: Josef Gruber
  • 1974–1995: Franz Lösch
  • 1995–2010: Christoph Gufler
  • seit 2010: Harald Stauder

Wappen

Beschreibung: Auf dem Wappen befinden sich das Wahrzeichen des Deutschen Ordens, ein schwarzes Kreuz und aufliegend das Wahrzeichen der Grafen von Brandis, der rote Löwe.

Wirtschaft

Wirtschaftlich sehr wichtig ist neben Handwerk, Industrie und Handel vor allem der Apfelobstbau. Der Export der Äpfel erfolgte bis 1974 teilweise über die Lokalbahn Lana–Meran, welche den Ort an das europäische Schienennetz anschloss. Dieselbe Bahn führte zudem bis 1950 Personentransporte nach Meran durch. Heute ist die nächstgelegene Zugangsstelle zum Schienenverkehr der Bahnhof Lana-Burgstall an der Bahnstrecke Bozen–Meran.

Für die Wirtschaft ist auch das Industriegebiet Lana von Bedeutung. Die Zone befindet sich in der Nähe der Mündung der Falschauer in die Etsch und ist verkehrstechnisch durch die Schnellstraße MeBo gut erschlossen. Mehrere internationale Betriebe haben hier eine Niederlassung, darunter Doppelmayr, Develey, Iprona und die Firma SCA (besser bekannt als Biopack). Letzthin siedelten sich vermehrt auch lokale Betriebe an.

Auf dem Gemeindegebiet befindet sich ein Speicherkraftwerk, das zur Kette der Wasserkraftwerke im Ultental gehört.

Sehenswürdigkeiten

Zu den Sehenswürdigkeiten zählt u. a. die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Niederlana. Besonderes Prunkstück dieser spätgotischen Kirche ist der zweiteilige Flügelaltar von dem wahrscheinlich aus Füssen stammenden Maler und Bildhauer Hans Schnatterpeck. Der Altar, 1503 von den Meraner Kirchenpröpsten in Auftrag gegeben, ist mit einer Höhe von 14,5 m der größte Tirols und einer der größten ganz Europas. Anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Hans-Schnatterpeck-Altar (1508–2008) wurden zwei Sonderbriefmarken von diesem gotischen Altar herausgegeben.

Bauwerke:

Kulturelle Veranstaltungen

  • Kulturtage Lana
  • Blütenfesttage
  • Wildkräuterwochen
  • Unser täglich Brot (Fest in Pawigl)
  • Jährliche Kunstausstellungen im Ansitz Rosengarten
  • Kastanientage »Keschtnriggl« (Oktober – November)
  • LanaLive
  • Passionsspiele
  • Freilichtspiele Lana
  • Konzerte der Musikkapellen
  • Kindersommer (Juli – August)
  • Südtiroler Gartenlust
  • Langer Donnerstag (Veranstaltungsreihe von Juli bis August)
  • Kürbistage
  • Weihnachten in Lana (November – Dezember)
  • Wandercamp
  • Radcamp
  • Lanaphil im April und Oktober
  • Open Air Gaul
  • Multistars (Leichtathletik-Mehrkampfwettbewerb der IAAF World Combined Events Challenge)

Persönlichkeiten

Partnerschaften

Panorama

180° Panorama vom Brandiswaalweg, Höhe Platteda

Literatur

  • Richard Andreatta: Kirchen in Lana. Tappeiner, Lana 2002.
  • Martin Laimer, Simon Peter Terzer: Baudenkmäler in Lana: Rundgänge zur Architektur, Kunst und Geschichte, Hg. Marktgemeinde Lana, 2016 online
  • Josef Tarneller: Die Hofnamen im Burggrafenamt und in den angrenzenden Gemeinden: Meraner Gegend, Schnals, Passeier, Tschögglberg, Sarntal, Gericht Neuhaus, Gericht Maienburg, Deutschgegend auf dem Nons, Ulten und Martell (Archiv für österreichische Geschichte 100). Wien: Hölder 1909. (Digitalisat online bei Tessmann)
Commons: Lana  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Christoph Gufler: Eine alte Familie und ihre Burgen. Zur Geschichte der Herren und Grafen Brandis, in: ARX. Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol, herausgegeben vom Südtiroler Burgeninstitut, 1/2018, S. 30–40
  2. Oswald Trapp, Brandis, Leonburg, in: Tiroler Burgenbuch Bd. 2 (S. 258–276)
  3. Oswald Trapp: Tiroler Burgenbuch. II. Band: Burggrafenamt. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1980, S. 276–277.
  4. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.
  5. Martin Laimer, Simon Peter Terzer: Baudenkmäler in Lana, Hg. Marktgemeinde Lana, 2016, S. 140