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vom 16.06.2020, aktuelle Version,

Nals

Nals
(ital.: Nalles)
Wappen
Wappen von Nals
Karte
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Burggrafenamt
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2018)
1.834/2.017
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
90,58 % deutsch
8,78 % italienisch
0,64 % ladinisch
Koordinaten 46° 32′ N, 11° 12′ O
Meereshöhe: 246–1750 m s.l.m. (Zentrum: 321 m s.l.m.)
Fläche: 12,35 km²
Dauersiedlungsraum: 6,2 km²
Nachbargemeinden: Andrian, Eppan, Gargazon, Terlan, Tisens, Unsere Liebe Frau im Walde-St. Felix
Partnerschaft mit: Gemünden am Main
Postleitzahl: 39010
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021055
Steuernummer: 82003170212
Bürgermeister (2015): Ludwig Busetti (SVP)

Nals (italienisch: Nalles) ist eine italienische Gemeinde in Südtirol mit 2017 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2018). Die Gemeinde trägt die Beinamen Weindorf und Rosendorf.

Geographie

Allgemeines

Blick von Norden Richtung Nals (unten rechts der Bildmitte), darüber der Mendelkamm

Die Gemeinde Nals befindet sich im Etschtal zwischen Meran und Bozen auf der orographisch rechten, westlichen Talseite. Dort ist sie zwar die südlichste Gemeinde der modernen Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt, Nals war jedoch kein Teil des historischen Burggrafenamts.[1] Das Ortszentrum liegt auf rund 300 m Höhe auf dem Schwemmkegel des Nalser Bachs. Darunter reicht das Gemeindegebiet im Talboden bis zur Etsch. Hinter dem Dorf steigt das Gelände zu den Mittelgebirgsterrassen von Sirmian (600–1000 m) an. Seinen höchsten Punkt findet Nals an den nördlichen Ausläufern des Mendelkamms auf etwa 1750 m Höhe.

Gewässer

Der Nalser Bach, auf dessen Schwemmkegel Nals erbaut wurde, entsteht knapp oberhalb des Ortskerns aus dem Zusammenfluss des Prissianer und des Grissianer Bachs. Diese Gewässer bringen seit jeher ein gewisses Gefahrenpotential mit sich. Zuletzt wurde im Herbst 2001 ein großer Dorfteil von einer Mure des Grissianer Bachs überschwemmt. Trotz der beträchtlichen Ausmaße der Mure waren keine Verletzten zu beklagen. Heute schützen zwei große Talschlussmauern, regelmäßig ausgebaggerte Auffangbecken und ein permanentes Laserüberwachungssystem das Dorf.

Besonderheit

Ein administratives Kuriosum ist der Ortsteil Schernag am oberen Rand des Nalser Schwemmkegels. Dieser ist zwar mit dem Nalser Ortskern zusammengewachsen, gehört aber zur Nachbargemeinde Tisens, dessen Hauptort mehrere Kilometer entfernt ist. Die Bewohner von Schernag sehen sich selber als Nalser, da sich ihr Dorfleben in Nals abspielt. Es gab daher bereits mehrere Anläufe, den Ortsteil an Nals anzuschließen.

Geschichte

Eine Siedlung wird bereits im Churrätischen Reichsgutsurbar von 842/43 als „in villa Nalles“ erwähnt.[2] In Nals wurde in zwei Bergwerken Silber abgebaut. Der Ort lag an der Via Claudia Augusta. Das beweisen die Grundmauern eines im Herbst 2005 entdeckten römerzeitlichen Hauses. Die Ausgrabungen sind seit Frühjahr 2006 im Gange. Nach vorläufigen Einschätzungen von Experten handelt es sich um ein Gebäude, das im 6. oder 7. Jahrhundert nach Christus bewohnt wurde. Das Haus verfügte über eine Bodenheizung. Warme Luft wurde durch einen doppelten Boden geleitet. Das Haus war zudem mit einer römischen Badeanlage ausgestattet. Weiters wurde eine Apsis entdeckt, an deren nördlichem Ende ein unversehrtes Grab mit dem Skelett einer ungefähr 20-jährigen Frau freigelegt wurde. Als Grabbeigaben wurden unter anderem Ohrringe und eine Glasperlenkette gefunden.

Der untere Teil des Kirchturms der Pfarrkirche zum Hl. Ulrich ist über 700 Jahre alt; das Patrozinium selbst deutet auf eine alten Besitzmittelpunkt des Hochstifts Augsburg in Nals. Weiters wurden bei der Restaurierung der Pfarrkirche in den 1990er-Jahren Gebeine unter der Kirche entdeckt (heute durch eine Marmorplatte zugänglich). Diese Hinweise belegen, dass Nals schon im 13. Jahrhundert besiedelt war.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ist auch ein dem Hl. Vigilius geweihter Kirchen- oder Kapellenbau bezeugt, der später aber abgekommen ist; eine Urkunde von 1451 benennt das Gotteshaus als „sand Vigily ze Nals“.[3] Die Vigiliusverehrung ist der früheren Zugehörigkeit des Südtiroler Etschtales bis Meran zur Diözese Trient, deren Patron der Hl. Vigilius ist, geschuldet.

Politik

Rathaus mit Brunnen

Bürgermeister seit 1952:[4]

  • Alois Prantl: 1952–1956
  • Karl Erschbamer: 1956–1974
  • Peter Kollmann: 1974–2000
  • Franz Pircher: 2000–2015
  • Ludwig Busetti: seit 2015

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

Nalser Vereine

  • Bäuerinnen
  • Bauernjugend
  • Fischer
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Freizeitclub
  • Fußballclub (Landesliga)
  • Jäger
  • Jungschar
  • Kegelclub
  • Kirchenchor
  • Männerbewegung
  • Musikkapelle
  • Reiter
  • Schützen
  • Skiclub
  • Sunshine Racers (Radclub)
  • Tennisclub
  • Volkstanz
  • Yoseikan Budo

Wirtschaft

Nals lebt in erster Linie von der Landwirtschaft und vom Sommertourismus.

Weinanbau

Nals darf sich offiziell Nals an der Südtiroler Weinstraße nennen. Der Weinbau hat eine sehr lange Tradition im Dorf. Nur in Nals wird die eigene Rebsorte Heiligenpergl angebaut. Es gibt die Kellereigenossenschaft Nals/Margreid/Entiklar. Die Kellereigenossenschaft konnte vor allem durch ihren Zusammenschluss mit der Unterlandler (Südtiroler Unterland) Kellerei Margreid/Entiklar einen Qualitätssprung in ihren Weinen erreichen.

Die Schlosskellerei Schwanburg war eine weitere Privatkellerei in Nals und wurde 1286 erstmals urkundlich erwähnt. Somit war sie die älteste Privatkellerei Südtirols. Vor einigen Jahren wurde der Betrieb eingestellt. Die Lese des Weingutes wird jetzt an die Kellereigenossenschaft Nals geliefert und dort großteils unter einen eigenen Linie eingekellert und vertrieben.

Obstanbau

In der Landwirtschaft ist der Obstbau, fast ausschließlich Apfelanbau, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Obstgenossenschaft hat sich vor einigen Jahren mit einer Bozner Genossenschaft zur Frubona zusammengeschlossen. Vereinzelt werden Spargel und, in der Fraktion Sirmian, Erdbeeren und Bergartischocken angebaut.

Commons: Nals  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol. Teil 2: Viertel an der Etsch (= Schlern-Schriften 40). Innsbruck 1938, S. 289 in Verb. mit Teil 1: Allgemeines und Viertel Vintschgau und Burggrafenamt (= Schlern-Schriften 40). Innsbruck 1937, S. 130.
  2. Elisabeth Meyer-Marthaler, Franz Perret (Bearb.): Bündner Urkundenbuch. Band 1: 390–1199. Chur: Verlag Bischofberger 1955, S. 388.
  3. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 108–109, Nr. 1045.
  4. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.